Urgestein des Drechselns fesselt Zuhörer mit seinem Vortrag

Rolf Steinert zieht in Olbernhau Linien zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und lobt die Hobbyhandwerker.

Olbernhau.

Drechseln gestern und heute, Plagiate und ein Warenzeichenverband - das sind die Eckpunkte beim 75. Olbernhauer Stadtgespräch gewesen, dessen Gast Rolf Steinert war. Rund 30 Besucher lauschten den Ausführungen des Olbernhauers im Theater Variabel, darunter sowohl Laien als auch Fachleute.

Rolf Steinert begann seinen Vortrag mit einem Ausflug in die Geschichte. Er bezeichnete das Drechseln als "ältesten mechanischen Beruf". "Begonnen hat es mit dem Feuerquirl. Diese Drehbewegung wurde weiterentwickelt, um Holz mechanisch zu bearbeiten", sagte der Drechslermeister. Bei einer Reise, die ihn 1968 nach Usbekistan führte, hatte er ein Aha-Erlebnis: "Auf dem Markt in Samarkand habe ich einen Handwerker gesehen, der mit einer Fitzeldrehbank arbeitete."


Der Drechslermeister unterlegte seinen Vortrag mit historischen Darstellungen unter anderem aus dem alten Ägypten, auf denen dargestellt ist, wie mit einer Art Drehbank gearbeitet wurde. Rolf Steinert kam über weitere Entwicklungsschritte wie die Kurbel als Antrieb, mittels derer beide Hände zum Bearbeiten frei blieben, zu den ersten Maschinen, zu Halbautomaten und Vollautomaten.

Besonders spannend wurde der Vortrag, als der Olbernhauer von der Geschichte des Drechselns im Erzgebirge und in der DDR-Zeit erzählte. "Mit dem Warenzeichenverband für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk ,Expertic' haben wir versucht, den immer zahlreicheren Plagiaten aus China und Taiwan entgegen zu wirken", sagte Rolf Steinert. Mit dieser neutralen Marke wurden nicht nur erzgebirgische Erzeugnisse geschützt, auch Bürgeler Keramik und Lauschaer Glas fielen unter diesen Schutz. Mit der Wende - "da haben wir Erzgebirger mit Staunen erfahren, dass wir nicht die einzigen Drechsler sind" - kam nicht nur der gesellschaftliche Umbruch. Auch die erzgebirgische Holzkunst wurde unter ein eigenes Zeichen gestellt.

Das Gütesiegel "Echt Erzgebirge" entstand als geografische Herkunftsangabe. "Mit dem neuen Siegel war ich nicht glücklich. Aber das Sächsische Wirtschaftsministerium bezahlte das Erstellen der neuen Marke, und dort wurde klipp und klar gesagt, dass wir das bekämen, aber bestimmt werde in Dresden."

Die Marke "Expertic" sei nicht bei den Erzgebirgern und Thüringern geblieben, sondern bei einer westdeutschen Firma, unter diesem Namen würden "erzgebirgische" Erzeugnisse aus Fernost importiert. In den Folgejahren wurden die Fachhändler mit ins Boot geholt, die in einem eigenen Verband organisiert sind. Als belebend sieht Rolf Steinert, dass sich viele Amateure im Bereich des Drechselns tummeln: "Die machen das nebenbei und haben Zeit, viele Ideen zu entwickeln und sich auszuprobieren."

Mit der 75. Auflage sind die Olbernhauer Stadtgespräche für dieses Jahr zu Ende, sagte Ute Barz vom Verein Tivoli. 2018 soll es weiter gehen.


Drechsler und Gründer

Der Olbernhauer Rolf Steinert wurde 1939 geboren. Von 1953 bis 1956 absolvierte er eine Bau- und Möbeltischlerlehre, 1957 bis 1959 lernte er Drechsler. 1969 wurde er Drechslermeister, von 1961 bis 1966 studierte er im Fernstudium Holztechnik an der Ingenieurschule Dresden.

Von 1960 bis 1970 war Steinert Lehrkraft an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg. 1968 gründete er den Warenzeichenverband für Kunsthandwerk und Kunstgewerbe "Expertic", er war dessen Geschäftsführer bis 1990.

1990 erfolgte die Gründung des "Drechselzentrums Erzgebirge - Steinert" (Fachhandel für Drechsler und Holzgestalter) gemeinsam mit Ehefrau Christiane Steinert.

1984 erschien das Fachbuch "Der Drechsler" (Hegewald/Steinert) und 1990 das Fachbuch "Drechseln in Holz", beide erschienen im Fachbuchverlag Leipzig.

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