US-Amerikaner trifft seinen Lebensretter

Der Zschorlauer Mario Voigt hat vor zwei Jahren Stammzellen gespendet. Damit half er dem kranken Gerald Gobet. Der nahm nun eine lange Reise auf sich, um Danke zu sagen.

Zschorlau.

Es war im April 2017. Gerald Gobet und seine Frau Mary aus Oregon/USA waren in Deutschland, wo sie Freunde besuchten. Er beendete den Aufenthalt vorzeitig, ein blauer Fleck am Arm, der nicht weggehen wollte, und eine Erkältung waren damals der Grund dafür. Was sich daraus entwickelte und dass ihn reichlich zwei Jahre später der Weg zu einem neuen Freund nach Zschorlau führen würde, konnte er damals nicht ahnen.

Am 23. April waren er und seine Frau heimgekehrt, als er am 24. April aufwachte, konnte er nicht laufen, nicht mehr richtig sehen und nur noch schlecht atmen. Seine Frau brachte ihn in die Notaufnahme. Die Diagnosen der Ärzte änderten sich stündlich von Lungenentzündung zu Blutvergiftung und schließlich Leukämie. Gobet kam auf die Intensivstation. Weil die weißen Blutkörperchen stark vergrößert waren und so ziemlich alle Organe verstopften, wurde sein Blut fünfmal am Tag gefiltert, er musste sich der Chemotherapie unterziehen. Seine einzige Chance: eine Stammzellentransplantation. Die Suche nach einem Spender begann.

Etwa um die gleiche Zeit, als der Mann in den USA um sein Leben bangen musste, ließ sich im viele Kilometer entfernten Sachsen ein junger Mann typisieren, sein Blut wurde analysiert zur Aufnahme in eine Spenderdatenbank. "Damals haben das mehrere Leute von unserer Wehr gemacht, da gab es eine Aktion für ein Kind aus dem Raum Stollberg", erzählt Mario Voigt, Ortswehrleiter von Zschorlau. Als er im gleichen Jahr im Urlaub war, kam ein Anruf vom Zentralen Knochenmarkspenderregister Deutschland, dass es jemand gebe, zu dem seine Werte passen würden und ob er bereit sei, zu den Voruntersuchungen in Dresden zu gehen. "Ich habe nicht lange überlegt", sagt der heute 35-Jährige. "Alles wurde durchgecheckt, um das Okay zu bekommen, dass ich gesund bin."

Schließlich stand der Tag fest, an dem die Transplantation stattfinden sollte: der 24. August 2017. Eine Woche lang musste sich Mario Voigt selbst ein Mittel spritzen, um die Stammzellenproduktion anzuregen. Eine Stunde nach der Entnahme konnte er das Krankenhaus in Dresden wieder verlassen. Ein halbes Jahr später erhielt der Zschorlauer die Information, dass seine Spende ein männlicher, 67-jähriger Patient in den USA erhalten hat.

Reichlich zwei Jahre später nun ist Jerry, wie ihn Mario nennt, in Zschorlau zu Gast. Warum die lange Zeit dazwischen? "Die zweijährige Kontaktsperre dient dem Patienten- und Spenderschutz, auch im Sinne von eventuell später weiteren notwendigen Spenden", erklärt Sonja Schlegel, Pressesprecherin des Zentralen Knochenmarkspenderregisters Deutschland (ZKRD). Spenden soll man freiwillig und vor einem neutralen Hintergrund. Man müsse sich die Frage stellen, ob das noch gegeben ist, wenn man sich persönlich kennt. Anonymer Briefkontakt komme relativ häufig zustande.

Im Fall von Jerry gab es einen ersten anonymen Brief an Mario, der vom Spendenregister weitergeleitet wurde. "Thank you for second chance of life - Danke für die zweite Chance auf Leben", stand sinngemäß darin. Absender: dein Empfänger. Aber Gobet wollte seinen Spender treffen, um persönlich Danke zu sagen. "Ich habe jeden Tag gezählt - 24 Monate und einen Tag", erzählt er beim Treffen in Zschorlau. Bis er das Okay und die Handynummer von Mario Voigt bekam. Die allererste Whatsapp-Nachricht hat er genauso gespeichert wie ein Foto vom Infusionsbeutel mit dem für ihn so wertvollen Inhalt.

Wenn Jerry Gobet über seine Dankbarkeit spricht, muss er gegen die Tränen ankämpfen. Beim Übersetzen ins Deutsche hilft ihm Jennifer Ritz. Die junge Frau aus Karlsruhe hat als Austauschschülerin das Ehepaar Gobet kennengelernt. Mittlerweile sind ihre Eltern und die Amerikaner eng befreundet. Geplant war der Besuch vor Weihnachten dieses Jahr in Deutschland. Man hoffte, dass der Kontakt zu Mario Voigt zustande kommt. Beiden Seiten ist anzumerken, dass sie sich aufeinander gefreut haben und sich gut verstehen.

Drei Tage haben sie zusammen in Zschorlau verbracht, sich vieles im Erzgebirge angesehen und mit Voigts Familie gefeiert. "Ich danke meinem Spender und Gott für jeden Tag", sagt der 69-Jährige. Der 24. August sei für ihn wie der zweite Geburtstag. "Geld und materielle Dinge bedeuten nichts, wichtig ist jeder Tag, den ich mit der Familie verbringen kann", sagt der fünffache Vater und Großvater von zehn Enkeln.

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