Volkskunst aus dem Vogtland hält im Gelenauer Depot Einzug

Zur Weihnachtsschau werden neben den Exemplaren der Pohl-Ströherschen Sammlung erstmals Moosmänner zu sehen sein. Einige von ihnen haben sogar eine Frau an ihrer Seite. Eine Vogtländerin hat früh ihre Liebe für diese Figuren entdeckt.

Gelenau.

Im Gelenauer Depot Pohl-Ströher gehen die Uhren schneller. Der Aufbau der Weihnachtsschau ist dort schon im vollen Gang. Viel Neues wird zu sehen sein, und bei manchen Sonderausstellungen wird auch ein Blick über den Tellerrand gewagt. Der geht bei den Figuren von Anneliese Spitzner in Richtung Vogtland.

Aus ihrer Heimat hat sie Moosmänner mitgebracht, die sie aus ihrer eigenen Jugend noch gar nicht kannte. Es gibt größere und kleinere davon. Die meisten kommen allein des Weges. Andere, die eindeutig Glücklicheren unter ihnen, haben eine Moosfrau an ihre Seite. Die sieht so ähnlich aus wie der Mann und trägt auch ein Moosgewand, hat aber nicht einmal einen Damenbart.

"Ich bin 1971 zum ersten Mal dem Moosmann begegnet. Nicht leibhaftig natürlich. Er stand im Falkensteiner Schloss und ihn gab es zu kaufen", berichtet die Vogtländerin. Schon war es um sie geschehen. Anneliese Spitzners Sammelleidenschaft, die damals noch Ostereier und erzgebirgische Volkskunst wie Räuchermänner und Nussknacker umfasste, wurde in eine neue Richtung gelenkt.

"Zu DDR-Zeiten war es so gut wie unmöglich, an die Sachen heranzukommen. Auf meinen ersten Moosmann habe ich ein halbes Jahr gewartet", erinnert sich die ehemalige Textildesignerin. Beruflich gestaltete sie Plauener Spitze und Gardinen. In ihrer Freizeit ist sie den kleinen Männchen mit Mooshut und Moosmantel verfallen. 57 der kleinen Sagengestalten hat Anneliese Spitzner gesammelt.

Nicht alle von ihnen haben anscheinend einen rein vogtländischen Stammbaum. Auch jenseits der Großen Mauer scheint man aus den Moosmännern kommerziellen Nutzen ziehen zu wollen.

Dabei ist die Entstehung tief in der Volkskunst verwurzelt. Die Sage vom Moosmann erzählt von einem herzensguten Männlein, das gute Taten belohnt und vor allem die Armen beschenkt. Aus der Armut in den vogtländischen Stuben ist auch, angelehnt an die Sage, die Figur des Moosmanns entstanden. Auf eine Wurzel oder auf aneinander gefügte Holzstückchen wurde Moos geleimt. Holz und Moos gab es auch im Vogtland genügend. Auf diese Weise entstand Volkskunst, die von Hausierern weiter getragen wurde und die sich somit verbreitet hat. Nun sind sie zur Weihnachtsschau in Gelenau zu sehen, die kleinen Moosmänner und Moosfrauen.

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