Von der Schlachtbank auf die Showbühne

Erzgebirger sind kreativ. Überall wird gewerkelt, gemalt, gereimt, geklöppelt, entstehen kleine und große Kunstwerke. "Freie Presse" hat durchs Schlüsselloch geschaut. Heute: bei Moped-Schrauber Philip Hunger.

Thum.

Philip Hungers Projekt für 2019 steht bereits auf zwei Rädern. Auf den überbreiten, schwarz lackierten Felgen sind schon Reifen aufgezogen. Die originalen Fußrasten wurden durch klappbare Exemplare aus dem Zubehörkatalog ausgetauscht. In der Telegabel befinden sich härtere Federn und an den Lenkerenden Kipphebel. Zwischen dem frisch gepulverten Rahmen und der verstärkten Schwinge sind Federbeine aus den USA montiert.

Philip Hunger baut sich ein Moped auf. Sein Ziel sei dabei nicht, das Simson 51 B 1, Baujahr 1981, wieder in den Originalzustand zu versetzen, sondern etwas Extravagantes, etwas Einmaliges daraus zu machen, beschreibt der Thumer sein Projekt. "Ich habe das Moped im November gekauft. Es fuhr zwar, aber der Zustand war nicht so gut. Der Besitzer wollte es eigentlich als Teilespender verwenden", so der 19-Jährige, der das Kultfahrzeug aus Suhl damit vor der Schlachtbank rettete.

Nach der kompletten Demontage der "Simme" ging es ans Besorgen der Teile. "Jetzt habe ich soweit alles zusammen und kann mich als nächstes um den Motor kümmern", berichtet der Klempnerlehrling, der bis auf die Lackierarbeiten alles selbst erledigt. "Bei manchen Sachen helfen mir auch Kumpels", so Hunger weiter. Er lege beim Herrichten des Fahrzeugs großen Wert auf Sorgfältigkeit: "Ich will nicht unbedingt etwas zweimal machen."

Während er für den Aufbau des 50-Kubik-Motors, den Anbau der Auspuffanlage und die Form der selbst gestalteten Sitzbank schon klare Vorstellungen habe, ist er sich bei der Farbe der Blechteile noch unschlüssig. "Vielleicht etwas Gelbes, aber die Entscheidung fällt sicherlich erst wieder in der Lackiererei", verrät Hunger.

So wie bei seinem vorherigen Projekt. "Vor zwei Jahren habe ich eine Schwalbe wieder hergerichtet", berichtet der Schrauber. Das Teil habe einige Macken gehabt: Rost, defekte Elektrik, viele Verschleißteile hatten ausgedient. "Das war einige Arbeit." Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Schwalbe sei bekannt wie ein bunter Hund, was nicht nur an der Lackierung liege. Die Spezialfarbe habe er sich aus Amerika besorgt. Wer das Moped lackiert hat, verrate er nicht. "Sonst fährt bald halb Thum so rum."

Doch nicht nur wegen ihres einmaligen metallic-roten Outfits ist die Schwalbe auf jedem Moped-Treffen ein Blickfang. Er fahre regelmäßig zu Zusammenkünften Gleichgesinnter, etwa nach Zwickau, Mildenau oder Schönbrunn. Zudem steuere er mit seinem zweirädrigen Schmuckstück, das er auch im Alltag benutzt, hin und wieder Autofahrer-Treffen an. "Ich bin Mitglied in einem Ford-Club. Da kenne ich viele Leute", berichtet Hunger. Einmal habe er auch einen Preis gewonnen. Beim Moped-Limbo. Kein Wunder, die Schwalbe ist tiefergelegt.

Das Ergebnis seines aktuellen Projekts soll ebenfalls ein Showbike sein. "Im März oder April will ich damit fertig sein", sagt Philip Hunger und blickt auf das mit Rädern und einigen wenigen Anbauteilen versehene Fahrwerk. "Eigentlich ist ja nicht mehr viel dran zu machen."

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