Von Spaziergängen zu Demonstrationen

Bis zu 10.000 Menschen waren bei der friedlichen Revolution in Olbernhau auf die Straße gegangen. Zeitzeugen erinnern sich im Theater Variabel.

Olbernhau.

30 Jahre sind vergangen, seit die friedliche Revolution in der DDR das alte System hinwegfegte. "Ich fragte mich, bevor ich den Termin angesetzt habe, ob es nötig ist, sich noch einmal in einer großen Runde an diese Zeit zu erinnern oder ob es nicht schon zu viel ist", sagte Katharina Scheithauer zu Beginn des Museumsabends im Olbernhauer Theater Variabel. Ein Blick in die Zuschauerreihen vertrieb die Bedenken der Leiterin der Olbernhauer Museen: Etwa 50 Besucher folgten am Freitagabend ihrer Einladung. 50 Menschen, die 1989 dabei waren, als es in Olbernhau die ersten Demonstrationen gab, die zunächst nur Spaziergänge waren.

"Es war der 13. Oktober. In Plauen war schon demonstriert worden, die große Montagsdemo in Leipzig war vorbei. Da wollten wir auch in Olbernhau auf die Straße gehen", erinnerte sich Armin Winkler. Der frühere Kantor gehörte zu den Initiatoren, ebenso wie Dagmar Kapphahn, die in der Verwaltung des Pfarramts arbeitete, und Allgemeinärztin Undine Fritzsche. "Wir hielten Kerzen in den Händen und waren nur wenige - vielleicht 20", so Winkler. Seine Schwester, die in Plauen wohnte und von der dortigen Demonstration erzählte, habe ihn bestärkt, auch in Olbernhau aktiv zu werden.

Es gab mehrere Hauptquartiere für die Spaziergänge, die später zu richtigen Demonstrationen wurden. Das Pfarramt und Undine Fritzsches Zuhause zählten dazu. Informationen wurden von Mund zu Mund weitergegeben. Die ersten beiden Spaziergänge erfolgten freitags. Der Zulauf wuchs. "Das erste Mal hatte ich noch Angst, die Polizei könnte mich mitnehmen und festsetzen, so wie es vielen Demonstranten in Leipzig ging. Ich hatte ein kleines Kind zu Hause", erinnerte sich Undine Fritzsche. Beim zweiten Mal liefen schon 100 Menschen mit, die Veränderungen in der DDR wollten. Aber auch den Platz des himmlischen Friedens in Peking und die Ereignisse dort hatten die Teilnehmer vor Augen - verbunden mit der Angst, so etwas könnte auch in der DDR passieren.

Vier Demonstrationen habe es in Olbernhau gegeben, bis mit der Maueröffnung am 9. November eine Zäsur erfolgt sei. "Im weiteren Verlauf ging es nicht mehr um Veränderungen in der DDR. Die Rufe nach der D-Mark und der deutschen Einheit wurden immer lauter", berichtete ein Mann am Freitag. Viele Fotos wurden gezeigt. Aufnahmen von Wilfried Neuber zeigten die Olbernhauer Demonstrationen und Plakate, die die Menschen mit sich führten. "Sofort Freie Wahlen", ist auf einem zu lesen, "Nicht nur reden! Wir wollen Taten!" auf einem anderen. Keiner der Besucher konnte sich jedoch an das Datum der größten Demonstration in Olbernhau erinnern, als an die 10.000 Bürger durch die Stadt liefen. Nicht nur aus Olbernhau, sondern aus der gesamten Umgebung seien die Menschen gekommen. "Zum Glück fiel während der friedlichen Revolution nicht ein Schuss. Das war das eigentliche Wunder", sagte Armin Winkler.

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