Von Uhus und Wanderfalken: Der Straßenbau und seine Tücken

Es verstreichen wohl noch Jahre, bis die Staatsstraße zwischen Rothenthal und Rübenau grundhaft gebaut wird. Der Umweltschutz macht die Planung dabei noch komplizierter.

Rothenthal.

Der Ärger über den Zustand der Staatsstraßen im Erzgebirge reißt nicht ab. Aktuell sorgt der dringend notwendige Ausbau der S 216 zwischen Rothenthal und Rübenau für neuen Wirbel. Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) war zum Nachhaken persönlich beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Die ernüchternde Antwort: In den nächsten drei Jahren werde wohl nichts entschieden, weil schlichtweg kein Geld vorhanden sei, berichtet Haustein. Zu allem Überfluss erschweren brütende Uhus und Wanderfalken die Planungen.

Dabei befindet sich die Talstraße nicht erst seit Monaten, sondern seit Jahren in einem desolaten Zustand, der dem sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr durchaus bekannt ist, wie aus einer aktuellen Kleinen Anfrage des Landtagsabgeordneten Rico Gebhardt (Linke) hervorgeht. Die Hochwasser 2002 und 2013 haben extreme Schäden an der S 216 verursacht. Der Asphalt ist zerbröselt, der Hang teils abgerutscht. Betonelemente engen aus Sicherheitsgründen die Straße ein. Wer irgendwie kann, meidet die Verkehrsverbindung. Und: Es bestehen Bedenken, ob die Talstraße entlang des Grenzbachs Natzschung noch ein weiteres Hochwasser übersteht, schreibt Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig in seiner Antwort.

Christoph Ulrich

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Doch trotz der Dringlichkeit ist mit einem längerfristigen Planungs- und Umsetzungszeitraum zu rechnen, erklärt Staatssekretär Hartmut Mangold auf Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Markert. Als Grund nennen sowohl Mangold als auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in seiner Antwort auf ein Bürgerschreiben die umweltrelevanten Rahmenbedingungen. Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert verweist sogar auf das "höchst sensible Potenzial von der Natur" und eine "hohe Umweltrelevanz" auf dem etwa 9,5 Kilometer langen Straßenabschnitt.

Fakt ist: Die Felswände zwischen Rübenau und Rothenthal sind besetztes Uhurevier, bestätigt Landratsamtssprecher André Beuthner. Das bedeutet für die Planung, dass während der Brutzeit des Uhus von Ende Februar bis Ende Juni keine störenden Bauarbeiten im Bereich des Brutplatzes erfolgen dürfen, ergänzt der Sprecher im Auftrag der unteren Umweltbehörde. "Weiterhin darf das direkte Umfeld des Uhubrutplatzes nicht verändert werden. Felssicherungen sind damit verboten. Obendrein ist der Wanderfalke als streng geschützte Art in dem Gebiet nachgewiesen", erklärt Beuthner. Daraus ergeben sich weitere Vorkehrungen bei der Planung für den Neubau von Brücken und Stützwänden sowie den Felssicherungsarbeiten entlang der S 216.

Noch aber befindet sich das Projekt ohnehin in einer frühen Phase. In welchem Jahr genau mit dem Bau tatsächlich begonnen werden kann und welche Kosten zu erwarten sind, sei noch völlig unklar, verdeutlicht Isabel Siebert.

Für Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos) ist das absolut unverständlich. Die Staatsstraße sei eine wichtige Verbindung von Olbernhau zur B 174. Er wirft dem Freistaat chaotische Zustände bei der Straßenbauplanung vor: "Auf den Staatsstraßen im Erzgebirge brennt es an jeder Ecke." Heinrich will sich deshalb mit seinen Amtskollegen aus den umliegenden Kommunen verständigen. "Wir wollen aus Dresden wissen, wie es mit der Planung für den Ausbau unseres Straßennetzes weitergeht."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 9
    2
    Tauchsieder
    13.04.2019

    Will man jetzt dem Uhu, oder dem Falken, dass fehlende Geld und den Planungsrückstand in die Schuhe (Krallen) schieben.
    Wird hier das Unvermögen der Behörden gegen den Naturschutz ausgespielt. Der Rotschopf hat es ja mit seiner Aschermittwochsrede in Penig hoffähig gemacht.
    Uhus und Falken brüten keine 12 Monate am Stück!



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