Wählervereinigungen erhalten Zulauf

Rund 286.000 Menschen im Erzgebirgskreis waren am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Die Bürger entschieden auch über die Zusammensetzung der Stadt- und Gemeinderäte. Ein erster Überblick.

Marienberg.

Die FDP hat bei der Kommunalwahl in ihrer Hochburg herbe Verluste verkraften müssen. In Deutschneudorf verloren die Liberalen ihre absolute Mehrheit und fielen von 74,3 auf 40,4 Prozent. Vom Absturz der FDP profitierte vor allem die neu gegründete Wählervereinigung "Wir für Deutschneudorf" (WfD), die auf Anhieb mit 56,5 Prozent die absolute Mehrheit der Wählerstimmen gewinnen konnte. Gescheitert ist hingegen die SPD. Die Sozialdemokraten verpassten mit 3,1 Prozent den Einzug ins Gremium deutlich. So entfallen im Gemeinderat vier Sitze auf die FDP und sechs auf die WfD.

Heidersdorf hat am Wahlabend zunächst einen Rekord eingefahren: Zusammen mit dem Kurort Rathen (Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge) konnte die Gemeinde als erste in Sachsen das Ergebnis ihrer Kommunalwahl vermelden. Doch dann das Dementi: Offenbar war die Auszählung nicht korrekt und musste deshalb wiederholt werden, erläuterte die Wahlausschussvorsitzende Anett Kaden. Gegen 23.30 Uhr stand dann erneut das vorläufige Endergebnis fest. Die Parteilose Bürgerinitiative (PBI) Heidersdorf konnte 55,3 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen. Für den Regionalbauernverband stimmten 23,6, für die Wählervereinigung Dietmar Neuber 21,1 Prozent.


In der Nachbargemeinde Seiffen sind große Überraschungen indes ausgeblieben. Die CDU verliert, kann aber immer noch 63,2 Prozent aller gültigen Stimmen auf sich vereinigen - ein Minus von 5,1 Prozent gegenüber 2014. Die Wählervereinigung Feuerwehr (WVF) verbessert sich um 3,4 auf 18,9 Prozent. Die FDP erreicht 17,9 Prozent (ein Plus von 1,8). Im neu gewählten Gemeinderat entfallen auf die CDU neun, auf WVF und FDP je zwei Sitze.

2018 hatten die parteilosen Fraktionsmitglieder der CDU der Union den Rücken gekehrt und als neu gegründete Wählergemeinschaft "Bürger für Marienberg" ihre eigene Stadtratsfraktion in Marienberg gegründet. Nun schaffte es die Vereinigung auf Anhieb auf 33,4 Prozent der Stimmen. Der stärksten Kraft folgt die Freie Wählergemeinschaft (19,3) und die Union (18,6), die 29,2 Prozentpunkte einbüßte. Die nur mit zwei Kandidaten angetretene AfD sammelte 9,0 Prozent der Wählerstimmen.

Große Verluste verzeichnete die CDU in Großrückerswalde. Die Union erreichte 51,0 Prozent der Stimmen und büßte damit 14,1 Prozentpunkte gegenüber 2014 ein. Gewinner ist die Wählervereinigung Pro Großrückerswalde, die 31,8 Prozentpunkte zulegen konnte und auf 40,8 Prozent kam. Die Unabhängige Loyale Wählervereinigung (5,0) und die Linke (3,2) sind nicht mehr im Gemeinderat vertreten.

Die absolute Mehrheit im Stadtrat von Wolkenstein hält künftig die Demokratische Wählervereinigung. Die DWV erhielt 55,5 Prozent der Stimmen. Einbußen verzeichneten hingegen die Volksparteien CDU (28,1) und SPD (11,6). Die Grünen-Kandidatin Kerstin Gellrich (4,7) verpasste den Sprung in den Stadtrat.

In Pockau-Lengefeld hat die AfD mit 17,8 Prozent auf Anhieb den Sprung in den Stadtrat geschafft. Sie wird damit hinter der CDU (38,2) und den Freien Wählern (26,1) drittstärkste Kraft im Gremium.

 


Europa: AfD im Kreis vorn

Die AfD hat ihr Europawahlergebnis im Erzgebirgskreis von vor fünf Jahren nicht nur fast verdreifachen können, sondern damit auch die CDU überflügelt. Während sie 28,1 Prozent (+16,7) der Stimmen erreichte, kamen die Christdemokraten lediglich auf 27,4 Prozent (-11,6). "Für uns ist das ein sicheres Zeichen, dass es zu den Landtagswahlen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU geben wird", so Pressesprecher Thomas Dietz, Vize-Kreischef der AfD. Die Partei Die Linke kam bei den Europawahlen im Erzgebirgskreis auf 10,6 Prozent (-6,6), die SPD auf 7,7 Prozent (-5,3), die Grünen auf 5,3 Prozent (+2,4) und die FDP auf 4,5 Prozent (+1,9) der Stimmen. (alu )


Kommentar: CDU lässtFedern

Die Union hat nicht nur bei der Europawahl ein Debakel erlebt. Auch bei den Gemeinde- und Stadtratswahlen im mittleren Erzgebirge musste die CDU Verluste hinnehmen. Allen voran in Großrückerswalde und Marienberg. Generell lässt sich nach dem Wahlabend ablesen, dass die Volksparteien auf kommunaler Ebene immer mehr in die zweite oder gar dritte Reihe rutschen. Stattdessen setzen die Bürger für das Wohl in ihren Orten immer mehr auf Wählervereinigungen. Diese Entwicklung kann auch als Gewinn für die Demokratie verstanden werden. Denn oftmals sind die lokalen Wählervereinigungen näher am Bürger und laden eher zum Mitgestalten ein, als die Volksparteien mit ihren Programmen.

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