Wanderbus nimmt im oberen Erzgebirge Fahrt auf

Eine neue Buslinie verbindet die Orte zwischen Neuhausen und Neuhermsdorf. Damit erfüllt der Verkehrsverbund einen Wunsch von Gastwirten und Hoteliers. Doch der Vorstoß hat einen Haken.

Holzhau.

Es ist ein neuer Versuch, das touristische Angebot im oberen Erzgebirge aufzuwerten und sowohl Gäste als auch Einheimische mobiler zu machen: Bis zum Ende der Sommerzeit am 27. Oktober schickt der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) einen Wanderbus durch die Region. Er fährt von Neuhermsdorf an der Peripherie des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in die mittelsächsischen Gemeinden Holzhau, Rechenberg-Bienenmühle, Clausnitz, Cämmerswalde und Neuhausen. Neuhermsdorf ist bisher nicht durch den ÖPNV mit den anderen Orten verbunden.

Auf der 25 Kilometer langen Strecke ist der Bus einmal täglich in beide Richtungen unterwegs und kann mit Tickets nach dem VMS-Tarif von jedermann genutzt werden. Jeweils 8 Uhr ist wochentags Start in Neuhermsdorf. 9 Uhr beginnt die Fahrt von Neuhausen aus in die entgegengesetzte Richtung. Tickets gibt es beim Fahrer. Auch an den Wochenenden nimmt der Bus seine Tour am Kamm entlang, dann 7.57 Uhr ab Neuhermsdorf, 10 Uhr ab Neuhausen - doch zurück müssen Einheimische und Wanderer auf den normalen ÖPNV umsteigen. "Wir wollen Urlauber animieren, das Auto stehenzulassen und von den Bus-Haltepunkten aus die Gegend zu erwandern", umreißt Harald Neuhaus, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes, das vorerst zeitlich begrenzte Projekt. Die neue Linie verbindet nicht nur die Erzgebirgsorte, sondern hält beispielsweise am Brauereimuseum in Rechenberg-Bienenmühle. Der Verkehrsverbund schickt jedoch nur einen kleineren Bus auf die Linie 736. Bei Bedarf - also nach Anmeldung - sollen größere Busse fahren. Allerdings bestehe derzeit keine Möglichkeit, das Fahrrad mit dem Wanderbus zu transportieren. Dies werde jedoch geprüft, hieß es vom VMS.


"Es gab die Idee aus der Tourismusbranche für den Wanderbus. Wir haben den Bedarf geprüft, und nun fährt er", erläuterte Harald Neuhaus die nach seinen Worten kurze Spanne der Umsetzung. Der Bus sei ein Zusatzangebot zum ÖPNV und keine Pflichtaufgabe des Verbundes. Allerdings erfordere mehr Mobilität ohne Auto ein größeres Angebot dieser Art sowie Anbindungen an die Bahn und weitere ÖPNV-Linien vor allem im ländlichen Raum, fügte CDU-Landtagsmitglied Steve Ittershagen an. Von Umdenken sprach auch der Rechenberg-Bienenmühler Bürgermeister Michael Funke (parteilos). "Eine Vernetzung für den Tourismus in unserer Region funktioniert nur gemeinsam", erklärte er mit Blick auf die Interessengemeinschaft zur Erhöhung der Mobilität am Kamm, die länderübergreifend mit Tschechien bestehe. So sei die Bahnstrecke zwischen Freiberg und Holzhau gesichert, nun fahre auch der Wanderbus. Als Ziel stehe noch der Lückenschluss der alten Bahnverbindung von Freiberg nach Moldava und weiter nach Most.

Auf die Dringlichkeit besserer ÖPNV-Anbindung der Erzgebirgsorte machte neben Lothar Wunderlich vom Verein Die Flinken Knechte auch Iris Gläser vom Holzhauer Berghotel "Talblick" aufmerksam. Dies werde zunehmend von ihren Gästen gefordert.

Laut VMS kostet der Test des Wanderbusses etwa 20.000 Euro. In der Vergangenheit hatte es vier Jahre lang einen Skibus als ähnliches Angebot in der Region gegeben. Das über den Tourismusverband Erzgebirge entwickelte Projekt war 2014 gescheitert, weil es nicht gelang, ein tragfähiges Finanzierungssystem zu finden, hieß es damals. www.vms.de


Kommentar: Zurück geht's noch nicht

Es ist ein erneuter Anfang - so könnte man es bezeichnen. Die Idee eines Wanderbusses am Erzgebirgskamm ist nicht neu. Von 2010 bis 2014 gab es ihn schon einmal - als Skibus im Winter. Doch es fehlte das Geld, obwohl Touristiker warnten, ihn wieder einzustellen. Ein langer Atem sei nötig, bis sich ein solches Angebot etabliere, hieß es. Regionen wie die Sächsische Schweiz sind schon viel weiter.

Der Wanderbus soll nun zweierlei bewirken: Urlauber befördern und Erzgebirgsorte verbinden, die bisher nicht mit dem ÖPNV erreichbar sind. Allerdings reicht dafür eine Fahrt am Morgen nicht aus. Der Bus müsste am Nachmittag auch in beide Richtungen zurückfahren.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...