Wanzen - Nur eine Art verdirbt den Ruf

Die Insektenfamilie hat alle möglichen Lebensräume erobert. Eine Art setzte sich 2019 besonders in Szene.

Zschopau/Marienberg.

Keine andere Insektenfamilie hat so viele Lebensräume erobert wie die Wanze. Der Rübenauer Biologe Kay Meister spricht von der "anpassungsfähigsten Insektengruppe, die wir kennen". Ein Vertreter hat sich im Sommer 2019 besonders in Szene gesetzt. Die Feuerwanze im schwarz-roten Warnkleid tauchte im Erzgebirge an manchen Stellen massenhaft auf. "Die wärmeren Sommer führen dazu, dass bestimmte Arten häufiger vorkommen", erklärt Meister. Denn Wanzen sind meist wärmeliebend und trockenresistent.

Oft hingen mehrere Dutzend Tiere wie aneinander geklebt zusammen. "Das liegt daran, dass Larven, Kinder und Erwachsene immer in einer Gruppe zusammenbleiben", erklärt Meister. Das Phänomen war besonders in der Nähe von Malvengewächsen zu beobachten, die Feuerwanzen mögen.

Wanzen besitzen einen schlechten Ruf. Wenngleich nur eine von rund 40.000 weltweit bekannten Arten dafür verantwortlich ist: die Bettwanze. Das Tier gilt als klassischer Parasit und hat sich darauf spezialisiert, in Schlafplätzen von Menschen zu leben und sich von deren Blut zu ernähren. "Früher war die Bettwanze sehr verbreitet. In den vergangenen Jahren trug die Körperhygiene dazu bei, den Parasit zu verdrängen. Doch in jüngster Zeit gibt es wieder mehr Fälle. Vielleicht hängt das mit der Klimaerwärmung zusammen", vermutet Meister.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass weltweit mindestens noch 20.000 unentdeckte Wanzenarten leben. Rund 1000 Arten sind in Deutschland bekannt. Sie fliegen nicht gern, sondern laufen lieber. Wenn es sein muss, auch über Wasser wie der Wasserläufer. Das Insekt nutzt die Oberflächenspannung des Wassers für die Fortbewegung. Alle Wanzenarten besitzen einen Saugrüssel, den sie einklappen können. Während die Bettwanze damit Blut abzapft, nutzen andere Arten das Organ, um sich mit Pflanzensaft zu ernähren. Die Fichtenzapfenwanze macht das mit Zapfensamen. Im Winter spreizen sich die Zapfenschuppen, und der Wind bläst die Wanzen zusammen mit den Samen heraus. "Besonders wenn Schnee liegt, sind die verendenden Tiere dann am Boden gut erkennbar", sagt Kay Meister.

Manchmal sind Wanzen zuerst durch ihren Geruch wahrnehmbar. Die Tiere besitzen Stinkdrüsen zur Verteidigung und geben ein Sekret ab, wenn sie sich bedroht fühlen. Der Mensch empfindet das mitunter als angenehm. Die Graue Gartenwanze gibt zum Beispiel einen Stoff ab, der nach Marzipan duftet. Ganz anders die Grüne Stinkwanze: Wie der Name vermuten lässt, sondert das Insekt eine übel riechendes und lange anhaftendes Sekret ab. Mitunter werden Raubwanzen als "biologische Waffe" bei Kulturpflanzen eingesetzt. Diese saugen unliebsame Insekten aus, die dort zu finden sind. Versuche gab es Kay Meister zufolge auch bei der Bekämpfung der Kastanienminiermotte.


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