Weihnachtsbauverein Zschopau feiert sein 100-Jähriges

Die Interessengemeinschaft hatte 19 Gründungsväter. Heute zählt allein die Nachwuchsgruppe 21 Mitglieder.

Zschopau.

Sein 100-jähriges Bestehen feiert in diesen Tagen der Weihnachtsbauverein Zschopau, der am 21. September 1920 im Restaurant "Zum Schlachthof" gegründet worden ist. 19 Mann waren an diesem Tag zusammengekommen, und sie wählten Fritz Tennler zu ihrem Vorsitzenden.

Auf 70 Jahre Vereinsmitgliedschaft kann unterdessen Joachim Schüler verweisen. "Die erste Zeit schnitzte und bastelte ich zu Hause, mit 17 Jahren trat ich dann dem Verein bei. Auch mein Vater Walter war Mitglied", erinnert sich der 87-Jährige. Inspiriert zum Schnitzen hat ihn eine Porzellanfigur seiner Großmutter, die einen Betrunkenen an einer Laterne lehnend darstellte. "Das muss doch auch in Holz gehen, dachte ich mir", so der Zschopauer. Unter Anleitung und Mithilfe von Schnitzmeister Walter Arnold entstand seine erste Figur, die zunächst eher unbemerkt auf dem Dachboden ihr Dasein fristete. Als seine Mutter eines Tages den Boden aufräumte, landete sie dann im Ofen.

Später schnitzte Joachim Schüler noch weitere Figuren. Laubsägearbeiten und Schwibbögen folgten. Vor rund 20 Jahren fertigte er zur Freude vieler an seinem Haus in der Wiesenstraße vorbeigehender Spaziergänger einen besonderen Schmuck. Drei geschnitzte Schwibbögen entstanden - wie von Geisterhand gesteuert bewegen sich darauf Nachtwächter, Jäger sowie Ski- und Snowboardfahrer. "Im Inneren habe ich einen beweglichen Magneten verbaut, das ist das ganze Geheimnis", erläutert Schüler.

Auch im Verein, für den anfangs 50 Pfennig Mitgliedsbeitrag fällig wurden, engagierte er sich. Gemeinsam mit Kurt Seyfert installierte er im 1954 neu eröffneten Schnitzerheim an der Gartenstraße die Elektrik, zusammen mit Gerhard Glöckner setzte er die 1977 erstmals aufgestellte Zschopauer Großpyramide unter Strom. Und heute? "Um den Weihnachtsbauverein ist mir nicht bange. Das Schnitzerheim wurde modernisiert, Nachwuchs ist vorhanden", freut sich der gelernte Elektriker.

Einer, der die Traditionen fortsetzt, ist Gustav Salomon. "Beim Schauschnitzen auf dem Zschopauer Weihnachtsmarkt habe ich Lust aufs Schnitzen bekommen, ich bin seit 2018 im Verein dabei", erzählt der Zehnjährige. Mit dem Reliefschnitzen hat er begonnen. Sein erstes richtiges Werk, ein Pilz, hat einen Ehrenplatz auf dem Schreibtisch gefunden. "Man benötigt Geduld und Feingefühl. Brauche ich Hilfe, bekomme ich Unterstützung von den erfahrenen Schnitzern", so der Kleinolbersdorfer. Aktuell arbeitet er, wie die anderen 21 Kinder und Jugendlichen der Nachwuchsgruppe an einer Schachfigur für ein Gemeinschaftswerk. "Irgendwann möchte ich einen ein Meter großen Tischtennisspieler schnitzen, das ist mein zweites Hobby", blickt der Grundschüler voraus.


15.000 Besucher bei der 7. Weihnachtsausstellung

21. September 1920: Gründung des Weihnachtsbauvereins Zschopau.

1921: Ein mechanischer Vereinsberg entsteht als Gemeinschaftsarbeit,

1924: Gründung einer Schnitzschule für Knaben.

17. Mai 1925: Weihe des Vereinsbanners.

1937: Übergabe von sieben geschnitzten Wegweisern an die Stadt.

1938: Bau des Anton-Günther-Platzes.

1948: 7. Weihnachtsausstellung im "Stern" (15.000 Besucher).

17. September 1949: Auflösung des Weihnachtsbauvereins Zschopau; neue Bezeichnung Arbeitsgemeinschaft Schnitzen und Basteln im Kulturbund der DDR.

1953: Sanierung des zerstörten Stülpnerbrunnens.

1954: Einweihung des neuen Schnitzerheims (davor wurde unter anderem in der "Schnapsaula", im "Stern" und in der Tischlerei Kießling geschnitzt).

1955: Gründung eines Schnitzzirkels der Jungen Pioniere,

1977: erstmals wird die Großpyramide am Karl-Marx-Platz (heute "An den Anlagen") aufgestellt; mittlerweile steht sie auf dem Neumarkt.

1981: Übergabe einer Krippe an die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Zschopau.

1989: In einer Gemeinschaftsarbeit entsteht eine größere Pyramide für das Schnitzerheim.

1991: Neugründung beziehungsweise Rückbenennung in Weihnachtsbauverein Zschopau.

1995: Aufnahme von neun Klöppelfrauen in den Verein.

2012: 23. Schnitz-, Bastel- und Klöppelausstellung (erstmals im Obergeschoss des Schnitzerheims).

2014 Neugründung einer Klöppelgruppe im Verein.

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