Wie ein Mix aus Idee und Pleite die Welt veränderte

In Scharfenstein wurde der erste FCKW/FKW-freie Kühlschrank der Welt entwickelt. Es war ein Projekt, bei dem Greenpeace eine wichtige Rolle spielte, das den dkk-Betrieb aber nicht vor dem Untergang bewahrte.

Scharfenstein.

Wer im Bezug auf das dkk-Werk (Deutsche Kühl- und Kraftmaschinengesellschaft) an das Jahr 1993 denkt, mag sich wundern, warum am kommenden Samstag in Scharfenstein ein Jubiläum gefeiert wird. Denn damals wurde ein Großteil der Mitarbeiter in eine Auffanggesellschaft ausgegliedert. Zudem kam es zum Verkauf und zur Verlagerung von technischen Anlagen. Das war die eine Seite. Andererseits gelang dem Scharfensteiner Betrieb trotz des drohenden Untergangs eine technische Revolution: Der weltweit erste FCKW/FKW-freie Kühlschrank wurde entwickelt.

"Schon immer war dkk sehr innovativ und hat viel für Energieeinsparung und umweltgerechte Lösungen unternommen. Seit den 1970er-Jahren haben wir unter anderem an Kältemittel-Gemischen gearbeitet", sagt Dieter Rochhausen. Der 68-jährige Scharfensteiner muss es wissen, denn er war jahrzehntelang für den Betrieb tätig. Obwohl er 1992 seine eigene Firma gründete und den Untergang von dkk nicht verhindern konnte, ist er stolz auf das damals Erreichte. Der Diplom-Ingenieur tüftelte als Leiter der Kompressorenentwicklung zwar nicht selbst an Kältemitteln, trug aber ebenso zum Fortschritt bei. "Das war unser großer Vorteil in Scharfenstein", sagt er: "Hier saßen alle Experten für Kältemittelverdichter und Kältgeräte beisammen und konnten den gesamten Kreisprozess verändern und optimieren."

Schon 1988 gab es dank der Initiative von Albrecht Meyer die ersten Ansätze, mit brennbaren Kältemitteln zu arbeiten. Auf einer Messe in Köln stellte dkk 1991 den ersten FCKW-freien Kompressionskühlschrank mit treibhausfreier Isolierung vor. "Danach kam Greenpeace auf das Werk zu", erzählt Rochhausen. Weil die Umweltorganisation bei westdeutschen Unternehmen mit der Idee eines Öko-Kühlschranks gescheitert war, versuchte sie es nun beim Treuhand-Betrieb im Erzgebirge. Hier weckte der Vorschlag, das sogenannte Dortmunder Gemisch zu verwenden, Neugierde. Anders als die Konkurrenz schreckte das brennbare Kältemittel dkk nicht ab. Stattdessen wurde eine Lösung gefunden. Dies gelang zum einen durch die Entwicklung einer explosionsgeschützten Lampe im Kühlschrank. "Außerdem befand sich das Thermostat nicht mehr innen, sondern wurde ins Maschinenfach verlagert. Und die Hermetikkompressoren konnten technisch für die brennbaren Kältemittel optimiert werden", so Rochhausen.

"Die Technologie hat sich von hier aus weltweit durchgesetzt", sagt der 68-Jährige stolz. Doch obwohl es für die Innovation den Deutschen Umweltpreis 1993 gab, war das Ende des Scharfensteiner Betriebs besiegelt. Die Auszeichnung ging an die Foron Haushaltgeräte GmbH mit Sitz in Niederschmiedeberg. Es war ein Nachfolgeunternehmen von dkk, dem ein starker Wirtschaftspartner fehlte, um das Produkt zu vermarkten. Ohne Patent, wie es von Greenpeace gewollt war, zog die Konkurrenz bald nach. "Trotzdem sollten wir nicht traurig zurückblicken. Dieser mutige Schritt fand große Anerkennung. Außerdem lebt die Tradition in Scharfenstein noch heute", meint Rochhausen, der in seiner Firma Kältesysteme für die gewerbliche Nutzung produziert. Außerdem gibt es den Verein "Historische Kleinkälte Scharfenstein", der am Samstag ab 14 Uhr im ehemaligen Bahnhof das Jubiläum "25 Jahre weltweit erster FCKW/FKW-freier Kompressionskühlschrank" feiert.


25. Geburtstag wird ausgiebig gefeiert

Das Jubiläum "25 Jahre weltweit erster FCKW/FKW-freier Kompressionskühlschrank"wird am Samstag vom Verein "Historische Kleinkälte Scharfenstein" ausgiebig gefeiert. 14 Uhr beginnt die Veranstaltung in den Ausstellungsräumen des ehemaligen Bahnhofs, in denen ein buntes Programm auf die Besucher wartet.

Historische Bilder und Filme schildern die Entwicklung des Kühlschranks bis hin zu seiner Produktion. In der Ausstellung sind Exponate dieser Baureihe ebenso zu sehen wie zahlreiche andere historische Produkte. Auch die jungen Besucher kommen bei einem Kinderfest mit Bastelstraße und Spielen auf ihre Kosten.

Informationen aus erster Hand bietet ein Vortrag, den Dieter Rochhausen und Albrecht Meyer gemeinsam halten werden. Während Rochhausen Leiter der Kompressorenentwicklung war, leitete Meyer damals bei dkk das Versuchsfeld. Er spielte bei der Entwicklung des historischen Kühlschranks die wichtigste Rolle. (anr)

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