Wie man "Hudelei" ins Französische übersetzt

Félize Langlois vom Collège Vienne und Annika Richter vom Olbernhauer Gymnasium haben jeweils für vier Wochen die Schulen getauscht.

Olbernhau.

Römische Tempel, ein Amphitheater, eine mittelalterliche Kathedrale, eingebettet in eine mediterrane Landschaft. Die Stadt Vienne im südlichen Tal der Rhone hat einiges zu bieten, was man im Erzgebirge vergeblich suchen würde. Welchen Eindruck hat die Region auf die französische Schülerin Félize Langlois gemacht, als sie im September als Austauschschülerin des Stéphane-Hessel-Programms ans Olbernhauer Gymnasium kam?

"Ich habe natürlich vorab ins Internet geschaut, was mich erwartet, und ganz ehrlich: Vor dem vielen Wald in der Region hatte ich etwas Furcht", sagt die 13-Jährige und lacht. Denn die Bedenken waren unbegründet. Schnell habe sie sich eingelebt. Vier Wochen besuchte Félize Langlois die achte Klasse.

Doch was unterscheidet den Unterricht am deutschen Gymnasium von dem am französischen Collège? "Die Schülerinnen und Schüler hier lernen viel intensiver", ist die 13-Jährige überzeugt. Dafür würde der Unterricht in Frankreich länger dauern - mindestens bis 15 Uhr, manchmal sogar bis 17 Uhr. In der verhältnismäßig großzügig bemessenen Freizeit gab es in Deutschland viel zu tun für die junge Französin: Chorprobe, Theater, Tanzveranstaltung. Zu vielen Terminen begleitete sie ihre Austauschpartnerin Annika Richter. Bei ihrer Familie war Félize Langlois untergekommen. Umgekehrt hat Annika Richter schon im Sommer einen vierwöchigen Austausch in Südfrankreich verbracht.

Auch sie weiß von Unterschieden zu berichten: "Die Schule in Vienne ist um einiges größer und hat doppelt so viele Schüler." In den Pausen werden die Klassenzimmer verschlossen und die Schüler auf den Hof geschickt - "auch bei Regen", sagt Annika Richter. Im Unterricht selbst seien vor allem Mathematik und Physik harte Brocken gewesen, so die Gymnasiastin.

Doch auch bei den Themen Küche und Kulinarisches gibt es Unterschiede. Diese würden sich aber weniger auf die Speisen beziehen, die auf den Tisch kommen, so die Gymnasiastin, sondern vielmehr die Essgewohnheiten selbst betreffen. Es gebe weniger Mahlzeiten in Frankreich, die Vesper fehle oft, sagt Annika Richter. "Manchmal behaupten unsere Nachbarn deshalb, wir Deutschen sind ständig am Essen." Doch wenn in Frankreich aufgetischt wird, dann gibt es meistens mehrere Gänge. "Zunächst eine Vorspeise, dann oft Brot oder Baguette mit Käse und einen Nachtisch."

Bei dem Schüleraustausch geht es insbesondere um die Verbesserung des Sprachvermögens. Dabei hatten beide Schülerinnen lustigste Erlebnisse, die zeigen, wie nah die Grand Nation doch am Erzgebirge liegt. So ist der auch im Erzgebirge gebräuchliche Begriff "Erdäpfel" als Synonym für Kartoffeln nichts anderes als die wörtliche Übersetzung der französischen Bezeichnung pomme de terre. Bei einem anderen Klassiker aus dem erzgebirgischen Wortschatz kam Annika Richter allerdings in Erklärungsnot: "Für das Wort 'Hudelei' ist mir nicht wirklich eine passende Übersetzung eingefallen", so die Achtklässlerin. Sie habe das dann mehr oder weniger mit Händen und Füßen versucht, was Félize Langlois wiederum sehr lustig fand.

Während des zwei mal vierwöchigen Schüleraustausches wuchs nicht nur das Verständnis für Sprache und Bräuche im jeweiligen Nachbarland, sondern auch eine Freundschaft zwischen den beiden 13-Jährigen. Ob sie auch weiter in Kontakt bleiben werden? "Ich plane eigentlich schon einen Frankreichurlaub in Vienne für die Sommerferien", verrät Annika Richter.

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