Wie slowakischer Samen der Region hilft

Im Forstbezirk Marienberg werden derzeit Tannensamen ausgesät. Die müssen für neue klimatische Herausforderungen gewappnet sein. Doch wann werden die Bäume selbst Samen liefern?

Lengefeld.

Es duftet nach frischer, feuchter Walderde, wenn Max und Peter den Scheibenpflug hinter sich herziehen und so ihren Teil zum Waldumbau beitragen. Das Gefährt mit den V-förmig angeordneten Tellern reißt die Oberfläche des Waldbodens auf. Andreas Dieckmann steht darauf und verleiht der Technik damit ein bisschen mehr Nachdruck. Maik Reichel führt die Zügel und navigiert die beiden belgischen Kaltblüter so zwischen den Bäumen hindurch. Danach streut Andreas Dieckmann die Tannensamen manuell in die neu entstandenen Furchen. Diese entstehen im Abstand von zwei bis drei Metern.

Beide Männer lieben die Arbeit im Wald. Etwa eineinhalb Hektar umfasst der etwa 65 Jahre alte Fichtenbestand nahe dem Kalkwerk und dem Lengefelder Adlerstein, in dem sie beschäftigt sind. Von Borkenkäferbefall und Windbruch ist er bislang verschont geblieben. Pro Hektar werden etwa 20 Kilogramm Saatgut auf diese Weise ausgebracht. Ein Kilogramm enthält rund 20.000 Samen. Diese stammen aus der Slowakei südlich der Hohen Tatra. Sie wurden von Alttannen gepflückt, die an warme, trockene Sommer angepasst sind - Sommer, wie sie im Erzgebirge im Zuge der Klimaerwärmung erwartet werden.

Die Aussaat von Tannensamen ist Teil des Waldumbaus, den der Staatsbetrieb Sachsenforst in den einheimischen Wäldern umsetzt. Fichtenmonokulturen sollen von Mischwaldpopulationen abgelöst werden. Tannen werden dabei nicht nur ausgesät, sondern auch gepflanzt. Allerdings bringt das direkte Ausbringen der Samen verschiedene Vorteile mit sich. Die Wurzeln können sich ungestört ausbilden. Außerdem hat die junge Tanne von Anfang an die Möglichkeit, sich mit den lokalen Gegebenheiten wie dem Wetter, den Bodenverhältnissen und anderen Pflanzen zu arrangieren. Außerdem ist die Aussaat kostengünstiger als das Anpflanzen.

Gesät werden Tannen im Forstbezirk Marienberg seit 2006. "Auf etwa 160 Hektar haben wir die Tannen so schon im Forstbezirk vermehrt. In diesem Jahr kommen weitere 35 hinzu", sagt der Leiter des Staatsforstbetriebs im Forstbezirk Marienberg, Gunter Haase. Der Erfolg gibt dem traditionellen Verfahren recht. Unweit des aktuell zu bearbeitenden Bestands ist die vor zwei Jahren ausgebrachte Tannensaat sehr gut aufgegangen. Obwohl sie noch recht klein sind, muten die Bäume schon auf den ersten Blick kräftiger an, als die daneben stehenden etwa gleich alten Fichten. Auch die Trockenheit des Jahres hemmte ihre Entwicklung weniger als bei der Fichte. Noch einige Hundert Meter weiter stehen sieben Jahre alte Tannen, die ebenfalls sehr gut gediehen sind. Ein Zaun schützt diese Fläche vor dem Verbiss durch Wild. Das Einzäunen wird nach etwa drei Jahren notwendig. Bis die Tannen selbst Samen liefern, dauert es rund 60 Jahre. Bis die Bestände in Sachsen so alt sind, muss das Saatgut noch importiert werden.

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