Winterdienst: AfD fordert Salzverzicht

Die Stadtratsfraktion von Pockau-Lengefeld strebt an, dass kommunale Straßen nicht gesalzen werden. Sie beruft sich auf andere Gemeinden. Ist ein Verzicht aus Sicherheitsgründen überhaupt möglich?

Pockau-Lengefeld.

Die ersten Schneeflocken sind gefallen. Die Temperaturen sinken bereits unter die Null-Grad-Marke. Damit beginnt auch die Saison für den Winterdienst. Streufahrzeuge verhindern glatte Straßen. Doch gerade der Einsatz von Salz und Lauge sorgt nun für Diskussion in Pockau-Lengefeld. Ausgangspunkt: ein Antrag der AfD.

Die Stadtratsfraktion fordert darin, dass im Winter auf kommunalen Straßen nicht gesalzen wird. AfD-Fraktionschef Rainer Süß erläutert zur Sitzung im November, dass er das Thema schon vor längerer Zeit erstmals angesprochen hätte. "Doch sein Vorschlag ist bei den anderen Stadträten nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen", entgegnet Bürgermeister Ingolf Wappler (CDU). Da die AfD seit der Kommunalwahl im Mai Fraktionsstatus besitzt und damit erstmals auch Anträge im Gremium einreichen darf, wagte Rainer Süß einen erneuten Vorstoß. "Wir machen uns die Straßen zur Sau. Zudem ist Streusalz nicht gut für die Umwelt. Früher ging es auch ohne", begründet Rainer Süß. Stattdessen sollte Splitt verwendet werden.

Der AfD-Fraktionschef beruft sich dabei auf andere Kommunen. Es gebe genügend Gemeinden in der Region, welche im Winter nicht salzen, heißt es in dem Antrag. Auf Nachfrage nennt er Gornau, Hallbach und tschechische Orte. Stimmt das? Salz werde im Ortsteil Hallbach je nach Bedarf eingesetzt, widerspricht Olbernhaus Bauamtsleiter Stefan Proksch. Und auch in Gornau werde gesalzen, ist sich Pockau-Lengefelds Bürgermeister Ingolf Wappler sicher. Gleiches gilt für den Winterdienst in Marienberg und Zschopau. "Wir setzen Salz ein, allerdings in einem sinnvollen Maß", teilt Marienbergs Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer mit. Und in Zschopau wurden erst die Vorräte der Kommune erneuert. 55 Tonnen stehen für die kalte Jahreszeit in der Motorradstadt und im Ortsteil Krumhermersdorf bereit.

Dass Bundes-, Staats- und Kreisstraßen möglichst schnee- und eisfrei gehalten werden sollten, steht nicht zur Diskussion. Doch kann stattdessen - wie von Rainer Süß angestrebt - auf Nebenstraßen auf Streusalz verzichtet werden? Prinzipiell sei es möglich, sagt Tino Schott. Der Schindelbacher fährt seit fast 15 Jahren Winterdienst. Er betont aber auch: "Schnee- und eisfreie Straßen sind nur mit dem Einsatz von Salz oder Lauge zu erreichen." Obendrein würden heute viele Autofahrer mit weißen Straßen gar nicht mehr zu recht kommen. "Und an steilen Bergen ist aus Sicherheitsgründen das Salzen ohnehin ein Muss."

In Pockau-Lengefeld ist das Thema indes noch nicht ad acta gelegt. Bürgermeister Ingolf Wappler will alle Ortschaftsräte in die Entscheidung einbinden: "Sie sollen derzeit ihre Meinungen dazu äußern. Danach werden wir nochmals im Verwaltungsausschuss darüber sprechen." Er selbst hält es zwar keineswegs für falsch, mit Salz zu sparen, hat aber Sicherheitsbedenken: "Ebene Schneestraßen an sich sind nicht das Problem, sondern die Eisrinnen, die sich bei Tauwetter bilden."

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    fnor
    05.12.2019

    Der Split ist aber auch schlecht für die Umwelt. Damit dieser umweltfreundlicher als Salz ist, muss er nach dem Winter möglichst vollständig aufgekehrt werden. Wiederverwendet werden kann er nicht. Durch die Autos werden die Steine rund gefahren und bieten nicht mehr genug Halt. Sie sammeln vom Verkehr Schadstoffe auf und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Vor einigen Jahren wurde in Zöblitz auch mit Splitt gearbeitet. Das bedeutet aber auch, dass man langsamer fährt. Sobald der Schnee weg ist, liegt der Splitt frei. Dann kommt man nur noch langsamer als 20 km/h voran, sonst macht man sich das Auto zur Sau. Jeder kennt doch die Rollsplittstraßen nach Bauarbeiten.



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