Winterliches Szenario liefert Anregung

Das Gelenauer Depot Pohl-Ströher öffnet am morgigen Mittwoch wieder seine Pforten. Dabei werden diesmal Spielzeugpferde ganz besonders in den Mittelpunkt gerückt.

Gelenau.

Zwölf Pferde geben alles, um einen Schneepflug über eine verschneite Erzgebirgsstraße zu ziehen - ein Bild, das nicht wirklich in die aktuelle Jahreszeit passt. Und doch war es ausschlaggebend für eines der großen Themen, denen sich ab dem morgigen Mittwoch die Sommerschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher widmet. "Als wir zur Weihnachtsschau diesen geschnitzten Zwölfspänner von Günter Neubert aus Mauersberg aufgebaut hatten, kam uns die Idee, auch in der warmen Jahreszeit etwas rund ums Thema Pferd zu machen", erklärt Depotleiter Michael Schuster. Neben Puppen und Kinderfahrzeugen rücken so auch die Vierbeiner in den Fokus der Ausstellung, die bis 31. August zu sehen sein wird.

Eigentlich sollte zwischenzeitlich die große Osterschau viele Besucher ins Depot locken. "Mehr als 2000 Eier hatten wir aufgebaut", so Schuster. Doch seine Mühen und die seiner Mitarbeiter waren vergebens, denn eine Woche vor dem geplanten Start machte die Corona-Pandemie den Gastgebern einen Strich durch die Rechnung. Mit der Allgemeinverfügung ging große Wehmut einher, die liebevoll gestalteten Prachtexemplare wieder verstauen zu müssen. "Aber wir haben die Zeit auch intensiv genutzt, um unsere umfangreichen Sammlungen aufzuarbeiten", betont der Depotleiter. In den Lagerräumen, in denen Tausende Ausstellungsstücke aller Art lagern, wurde viel gereinigt und dokumentiert.

Im Fall von reichlich 100 Käthe-Kruse-Puppen war nicht nur Sauberkeit gefragt, sondern auch Kreativität. Sie wurden in Vitrinen und auf Tischen in Szene gesetzt, um in der neuen Sommerschau an die Vorjahresausstellung anzuknüpfen. "Jetzt sind die 1950er- und 1960er-Jahre dran", sagt Schuster, der mit den Kinderfahrzeugen ein zweites festes "Standbein" in der Sommerschau hat. Spielzeugpferde rücken dagegen erstmals ins Rampenlicht - und zwar in einer enormen Vielfalt. Sowohl in historischer Hinsicht als auch bezüglich der Nutzung sei dieses Thema besonders reizvoll. "Die Herstellung der Exponate reicht von 1850 bis in die Gegenwart. Wir zeigen im Prinzip alles, was man mit Pferden machen kann - reiten, rollen, schaukeln, ziehen, springen, kuscheln", schwärmt der Depotleiter.

Doch nicht nur als Spielzeug spielen Pferde in der Ausstellung eine wichtige Rolle, auch ihre Rolle als Schauobjekt wird näher beleuchtet. Schnitzereien wie die von Günter Neubert passen ins Bild. Allerdings wird in der Sommerschau kein Schneepflug mehr gezogen, sondern zum Beispiel eine königliche Prachtkutsche. "Das ist ein von Joachim Heß aus Langenweißbach gefertigter Nachbau, dessen Original sich auf der Augustusburg befindet", erklärt Schuster. Als ähnlich beeindruckend empfindet er die Modelle von Reitschulen, die das Jahrmarkttreiben im Miniaturformat auch im Winter zum Erlebnis machten: "Sie unter den Weihnachtsbaum zu stellen, war eine große Tradition."

Die Pferde sind in dieser Sommerschau aber weitaus mehr als Anschauungsobjekte und Vitrinenware. Vielmehr ist förmlich greifbar, wie die Produkte der Spielzeug- und Kunsthandwerker früher Freude ins Leben der Kinder gebracht haben. Zum Beispiel als Dreirad, das nicht immer mit den Füßen bewegt wurde. "Es ging auch über einen Handbetrieb über eine Kurbel am Kopf", beschreibt Schuster die Mechanik, in deren Genuss Mitte des 19. Jahrhunderts aber nur junge Vertreter der wohlhabenden Gesellschaft kamen. Viele andere Spielzeugpferde waren deutlich simpler aufgebaut und etwas für Jedermann. Aufgebaut sind sie nun in Gelenau auf einer Ausstellungsfläche von etwa 1600 Quadratmetern, wobei Hygiene-Richtlinien beachtet wurden. "Die Gänge sind jetzt etwas breiter, es gibt auch keine Sackgassen", erklärt Schuster.

Die Sommerschau ist bis 31. August dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.