"Wir kennen die Orte, wir kennen die Leute"

Drei Bürgerpolizisten aus Sayda sind Ansprechpartner für Tausende Einwohner im Erzgebirge. Große Vorkommnisse gibt es nach ihren Worten nicht. Sprechstunden außerhalb ebenfalls nicht. Das will auch keiner.

Sayda.

Drogen, Einbrüche, Vandalismus, Schmuggler und Raser: Kriminalitäts- oder Unfallschwerpunkte gibt es hier nicht, sagt Thomas Schlesinger und meint den Bereich des Polizeistandortes Sayda, für den er als Polizeihauptmeister verantwortlich ist. Mit ihm arbeiten dort sechs Beamte, drei davon nennen sich speziell Bürgerpolizisten.

Deren Ziel: "Wir wollen für die Bürger vor Ort da sein und Probleme auf dem kurzen Dienstweg klären", erläutert Schlesinger. Der Standort ist dem Polizeirevier Freiberg unterstellt, "von Sayda aus können wir sofort reagieren, wenn was ist", erläutert Schlesinger.


Dabei sind Bürgerpolizisten normale Polizeibeamte, die der Behörde vor Ort ein Gesicht geben und für die Einwohner direkte Ansprechpartner sind. Schlesinger und seine Kollegen Mario May und Mario Barthel betreuen gemeinsam die Städte Sayda, Frauenstein, Neuhausen sowie die Gemeinden Rechenberg-Bienenmühle, Mulda Großhartmannsdorf und Dorfchemnitz.

Seit dem Jahr 2008 bestehen die Strukturen. "Vorher hat es den Kontakt zwischen Polizei und Einwohnern so nicht gegeben", sagt Schlesinger. "Der Vorteil aber ist: Wir kennen die Orte, wir kennen die Leute." Feste Sprechzeiten wie in den mittelsächsischen Kommunen Leubsdorf, Eppendorf oder Oederan gibt es nicht. "Wenn keine aktuellen Aufträge vorliegen, versuchen wir in allen Orten gleichermaßen präsent zu sein", sagt Schlesinger. Wer ein Anliegen hat, kann kommen oder anrufen.

Insgesamt beschreibt Schlesinger die Lage in seinem Bereich als ruhig und sicher, "passieren kann hier aber trotzdem alles", ergänzt er. Die Besonderheit in Sayda ist die Nähe zur tschechischen Grenze. Einmal pro Woche gehen die Beamten mit der Bundespolizei auf Streife und alle zwei Wochen mit den tschechischen Kollegen vom Polizeistandort Litvinov-Hamr sowie Nova Ves. "Die Kriminellen halten ja nicht an der Grenze an", erklärt Polizeisprecher Steffen Wolf.

Um Probleme zu klären, Dokumente zu prüfen oder Bürgern auf beiden Seiten der Grenze zu helfen, sei es gut, wenn ein Polizist Deutsch und einer Tschechisch spricht. Schlesinger schildert einen Fall, in dem ein Deutscher seine Ausweisdokumente verloren hatte. Dann kam ein Hinweis aus Nova Ves, dass eben diese Dokumente gefunden worden sind. So konnten die Papiere dem Besitzer unkompliziert zurückgebracht werden. "Wir kennen uns, wir tauschen uns aus und arbeiten daher schnell und gut zusammen", konstatiert der Polizeihauptmeister.

Doch nicht immer sind die Saydaer auf Verbrecherjagd. Ab und an kontrollieren sie Geschwindigkeiten, insofern es nicht kälter als minus zehn Grad Celsius ist. Dann darf die Laserpistole laut Hersteller nicht eingesetzt werden, erklärt Bürgerpolizist Mario Barthel. Zudem gehen die Beamten präventiv an Schulen, sprechen über Drogen oder Cyberkriminalität. Bei einem Rentnernachmittag sprachen sie kürzlich über Neuerungen der Straßenverkehrsordnung beziehungsweise auch darüber, wie sich Senioren gegen Trickbetrüger am Telefon wehren können.


"Sind doppelt sicher"

In Neuhausen hält Bürgermeister Peter Haustein (parteilos) eine Sprechstunde nicht für notwendig. "Wir sind praktisch doppelt sicher. Da die Bundespolizei ihren Standort im Neuhausener Ortsteil Cämmerswalde hat, sind hier Tag und Nacht Polizisten unterwegs", sagt der Neuhausener Verwaltungsleiter. Eine sichtbare Präsenz der Bürgerpolizisten oder eine Sprechzeit vor Ort sei daher nicht so wichtig, findet Haustein. Er habe einen guten Draht zu den Beamten in Sayda. "Wenn wir sie brauchen, sind sie da", sagt er. So hätte sich auch das Problem mit Jugendlichen aufgelöst, die sich abends an der Bushaltestelle trafen, herumlungerten und Sachen beschädigten. (cor)


Präsenz in der Fläche

Bereits im August 1994 hat

das sächsische Innenministerium

beschlossen, ein Pilotprojekt "Bürgerpolizist" ins Leben zu rufen. Gut zwei Jahre später ist das Modell umgesetzt worden. Während nach und nach

Polizeidienststellen zusammengelegt wurden, "sind Bürgerpolizisten

mittlerweile fester Bestandteil der sächsischen Polizei, um weiterhin

die Präsenz in der Fläche zu erhalten", erklärt ein Pressesprecher.

Die Polizei in Sayda, Friedebacher Gasse 1, ist montags bis freitags jeweils in der Zeit von 6 bis 20 Uhr besetzt, freitags und samstags bis 2 Uhr. Ist der Standort unbesetzt, weil die Beamten im Einsatz oder im Feierabend sind, werden Anrufe auf das Handy beziehungsweise in das Polizeirevier nach Freiberg umgeleitet. (cor)

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