"Wir suchen einen richtigen Querdenker"

In Pockau-Lengefeld soll ein Konzept umgesetzt werden, das sich in Großstädten bereits bewährt hat - Weitere Großprojekte in der Planung

Pockau-Lengefeld.

Die Kommune stehe finanziell gut da, sagt Ingolf Wappler, der Bürgermeister von Pockau-Lengefeld. Für 2020 seien gleich mehrere Projekte geplant. Im Gespräch mit Freie Presse-Redakteur Joseph Wenzel erläutert Wappler, welche Vorhaben bald beginnen können und welche noch warten müssen.

Freie Presse: Herr Wappler, Quartiersmanager gibt es in vielen deutschen Großstädten. Nun wird auch in Pockau-Lengefeld eine solche Stelle für den Ortsteil Lengefeld eingerichtet. Was ist dort die Aufgabe des Quartiersmanagers?

Ingolf Wappler: Die Stelle ist bei der WGS angesiedelt - der von der Stadt beauftragten Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung. Wir suchen da einen guten Kommunikator, Organisationsprofi und richtigen Querdenker, der mit seinem Wirken das Ortszentrum belebt. Dazu zählen Beratungsangebote für Hauseigentümer, Aktivitäten auf kulturellem Gebiet, aber auch die Vernetzung von Anwohnern, Händlern und Gästen. Der Quartiersmanager soll in einem Büro am Markt vor Ort sein, damit jeder mit seinen Ideen zu ihm kommen kann.

Am Lengefelder Markt ist schon viel saniert worden. Doch es soll weiter gehen. Welche Vorhaben stehen für das Ortsteilzentrum noch an?

Die Situation am Markt hat sich gut entwickelt, jüngst gab es weitere Vermietungen an Gewerbetreibende - zum Beispiel die Schnitzerei Emil Helbig oder das Lokal Kunst und Kaffee. Allerdings gibt es am Markt 14 und an der Kirchgasse 5 noch zwei heruntergekommene Häuser. Bei beiden Gebäuden ist die Stadt Gläubiger, da die Eigentümer seit langem keine Grundsteuer mehr gezahlt haben. Die Immobilien sollen in einer Zwangsversteigerung möglichst wieder an private Eigentümer übergehen, die sie anschließend vorrichten, wofür auch eine Förderung möglich ist.

Gab es einen solchen Fall schon einmal, dass die Stadt Immobilien zwangsversteigern ließ?

Nein, das ist eine Premiere.

Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Lengefelder Wohnbau GmbH sollen Archivräume entstehen. Wie weit sind die Planungen mittlerweile vorangeschritten?

Auf dem Papier sind wir da ziemlich weit, die Kostenschätzung beträgt aktuell 950.000 Euro, die Statikplanung ist bereits abgeschlossen. Das Gebäude soll eine moderne Fassade erhalten. Das ist preisgünstiger als eine teure Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes, die sich aufgrund des Umbaus Ende der 1970er-Jahre und einer Aufstockung sowieso nicht umsetzen lässt.

Kommen bei diesem Fokus auf Lengefeld nicht die anderen Ortsteile etwas zu knapp?

Auf keinen Fall. Unser größtes Investitionsvorhaben ist zum Beispiel in Wernsdorf angesiedelt: der Neubau der Kindertagesstätte. Wir investieren rund zwei Millionen Euro in das Projekt. Nach der Zusage von Fördermitteln Ende Januar kann der Bau in diesem Jahr beginnen und wird wetterabhängig Ende 2021 abgeschlossen. Mit dem Neubau der Brücke am Fischereiweg investieren wir zudem im Ortsteil Pockau. Auch dort soll der Startschuss für die Bauarbeiten noch dieses Jahr fallen. Ebenso der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses in Pockau. Es gibt aber auch noch Vorhaben mit Fragezeichen.

Zum Beispiel?

Das Thema Breitbandausbau: Wir sind als Stadt jetzt in der finalen Phase der Vergabe der Leistung an einen Breitbandnetzbetreiber. Der Stadt liegen dazu zwei Angebote vor. Allerdings bringt jeder der beiden Anbieter andere Voraussetzungen mit. Bei der anschließenden Planung der Tiefbauarbeiten für die Verlegung der Glasfaserkabel muss also der künftige Betreiber mit einbezogen werden. Aus der Erfahrung anderer Städte weiß ich, dass der Planungsprozess manchmal etwas länger dauert als ursprünglich angenommen. Der Baustart erfolgt erst nach Abschluss der Planungen, einen Termin kann ich noch nicht nennen.

Die zahlreichen Vorhaben der Stadt Pockau-Lengefeld gehen auch mit hohen Kosten einher. Wie kann sich die Kommune so viele Projekte überhaupt leisten?

Die finanzielle Situation der Stadt ist gut. Besonders die Steuereinnahmen haben sich in den zurückliegenden Jahren sehr positiv und über den Erwartungen entwickelt. Ein beachtlicher Teil ist in unsere liquiden Mittel geflossen - die Stadt hat also etwas vorgesorgt. Natürlich müssen wir auch immer aufpassen, wie sich die Konjunktur und damit die Steuereinnahmen entwickeln.

Neben den Bauvorhaben setzen Sie sich für eine Wiederbelebung der Bahnverbindung zwischen Pockau und Marienberg ein. Das Wirtschaftsministerium bremst jedoch die Überlegung, trotz eines positiven Gutachtens. Welche Chancen sehen Sie?

Aus meiner Sicht könnten auf der Strecke sehr bald wieder Züge rollen. Die Verbindung ist durch die Erzgebirgsbahn in einen sehr guten Zustand versetzt und erhalten worden. Dies war möglich, weil die Bundeswehr die Strecke für Militärtransporte nutzt und deshalb finanziell für die Unterhaltung aufkommt. Zum Pobershauer Bergfest im vergangenen September fuhren an zwei Wochenenden stündlich Reisezüge zwischen Pockau-Lengefeld und Marienberg. Das zeigt, dass die Strecke nicht grundlegend umgebaut werden muss.

Wie wird es nun mit diesem Vorhaben weiter gehen?

Zunächst stehen im kommenden Monat Gespräche mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) an. Für eine Wiederbelebung sind eine Grundsatzentscheidung und die Zusage der Übernahme der Betreiberkosten durch den VMS nötig. Es gibt viele Aspekte, die für eine positive Entscheidung sprechen.

Welchen Effekt erhoffen Sie sich von einer Wiederbelebung?

Damit würde sich die Erreichbarkeit der gesamten Region verbessern. Positive Auswirkungen auf Tourismus und Handel wären die Folge. Auch Pendler, Schüler und Soldaten könnten das Angebot nutzen. Als Voraussetzung müssten die Buslinien und -fahrpläne auf die Abfahrtzeiten der Bahn abgestimmt werden. Davon würden viele Einwohner und Gäste der Region profitieren.

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