Wladimir Putin bekommt Post aus dem Erzgebirge

Der Olbernhauer Bürgermeister Heinz-Peter Haustein hat den Kreml-Chef eingeladen - und möchte so an eine historische Erzählung anknüpfen.

Olbernhau.

In der Region um Olbernhau ist die Geschichte ebenso bekannt wie berüchtigt: Zar Peter I., der später den Beinamen "der Große" erhalten sollte, kam auf seiner Europatour um das Jahr 1711 auch durch Olbernhau. Bei einer Besichtigung der Grünthaler Saigerhütte soll der russische Monarch gar auf dem großen Kupferhammer geritten sein. Auch wenn sich diese Erzählung heute nicht mehr genau belegen lässt, so ist es zumindest Fakt, dass mehr als 400 Kirchen und Schlösser in ganz Europa mit Kupferblech aus der Grünthaler Hütte gedeckt worden sind.

In den kommenden Tagen wird in der russischen Machtzentrale nun eine Botschaft aus Olbernhau eingehen - direkt an Wladimir Putin adressiert. Verantwortlich dafür zeichnet Heinz-Peter Haustein (FDP). Der Olbernhauer Bürgermeister will den russischen Präsidenten in das zum Welterbe gekürte Erzgebirge holen und damit an die Erzählung rund um den "Hammerritt" anknüpfen. In dem Schreiben in deutscher Sprache, das der "Freien Presse" vorliegt, verweist er auf die "außergewöhnlich guten Beziehungen zwischen dem russischen Zarenhaus und der Saigerhütte Olbernhau Grünthal", die es wiederzubeleben gelte. Bereits während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter zwischen 2005 und 2013 habe er enge Kontakte zur russischen Botschaft in Berlin gepflegt. Über eine Zusage auf die Einladung würde er sich sehr freuen, so Haustein.


Ganz unumstritten dürfte das Vorhaben des Olbernhauer Bürgermeisters nicht sein. Das deutsch-russische Verhältnis gilt als angespannt. Putin werden diverse Grundrechtsverletzungen in Russland vorgeworfen. Seit der Annexion der Krim-Halbinsel 2014 hat die EU Sanktionen verhängt und mehrmals verschärft. Diese Einschränkungen treffen auch viele sächsische Unternehmen der Region. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich im Rahmen einer Reise nach Moskau Anfang Juni für ein Ende der Sanktionen ausgesprochen - und ist dafür von der Bundesregierung kritisiert worden. Am Montag war Kretschmer erstmals im Saigerhüttengelände in Olbernhau Grünthal zu Gast. Laut Bürgermeister Haustein habe der Ministerpräsident während des Besuches auch das Schreiben an den Kreml abgenickt.

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4Kommentare
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  • 6
    1
    saxon1965
    06.08.2019

    Wenn ich das recht verstehe, geht es hier um historische Verbindungen einer Bergbauregion mit der ehemaligen russischen Zarenfamilie, wohl auf Grund des Kupfers für Sakralbauten und nicht um weltpolitische Verwerfungen und amerikanische Sanktionspolitik.

  • 12
    4
    Dorpat
    03.08.2019

    Ein Referendum mit weit über 90% Zustimmung ist für sie eine Annexion. Ein Bombenkrieg der NATO mit anschließender Abspaltung des Kosovo ist für sie ein demokratischer Akt. Schon klar!

  • 13
    9
    JochenV
    02.08.2019

    Kaum hat jemand eine Idee für UNS, wird der dumme Stein um UNSEREN Hals von der angeblichen „Annexion der Krim“ in’s Spiel gebracht: Als hätte es Putsch und illegitimen Regimechange in und um Kiew, die Einheit der alten UA auseinandersprengend, nicht gegeben, und als hätten wir von den legitim neue Souveränität begründenden Volksentscheiden noch nie etwas gehört. Nun ist Galileo Galilei schon über 360 Jahre tot, aber für die conventional non-wisdom ist die Erde noch immer eine Scheibe.

  • 17
    4
    KlausBuettner
    01.08.2019

    Das ist wieder mal ein echter Haustein !
    Gratulierte für diese super Idee.
    Beste Grüße
    Klaus Büttner



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