Wo einst die Fahrt zur Schule 15 Pfennig kostete

Am 2. Mai 1927 wurde die Schweinitztalbahn, die von Kupferhammer-Grünthal nach Deutschneudorf fuhr, eingeweiht. In einer Ausstellung wird an die Strecke erinnert. Deren Macher hatte sich einst regelrecht in sie verliebt.

Deutschkatharinenberg.

Gern führt Frank Beyer aus Deutschkatharinenberg seine Besucher durch sein Reich, eine kleine Ausstellung in der Bergwerkskaue. Auf rund 15 Quadratmetern sind Bilder aus der Ortsgeschichte und von der Bahn zu sehen, die am 2. Mai 1927 eingeweiht wurde. Fünf Jahre lang nutzte er als Schüler die Schweinitztalbahn. Früh fuhr er mit dem Bus von Deutschkatharinenberg nach Deutschneudorf in die Schule und 17.15 Uhr nach dem Hort mit dem Bahnel, wie er sie heute noch liebevoll nennt, zurück in seinen Wohnort.

Außerdem schnaufte und quietschte der Zug unmittelbar an seinem Haus in Deutschkatharinenberg vorbei. Und so kann sich Frank Beyer noch genau an viele Details, sogar die Fahrzeiten, erinnern. "Die Bahn hat sich bei mir tief eingeprägt, ja ich habe mich damals regelrecht in sie verliebt, und so ist mir vieles in Erinnerung geblieben", erzählt der 68jährige. 15 Pfennig bezahlte er für die zwei Kilometer Fahrt bis nach Deutschneudorf. Bis Olbernhau war eine Mark fällig. Die Wagen seien ganz einfach nur mit Holzbänken ausgestattet gewesen, und im Sommer hätte aufgrund des Funkenfluges oft der Bahndamm gebrannt, erinnert sich der Erzgebirger.

Die Strecke begann in Kupferhammer-Grünthal. In Oberneuschönberg wurde die Weiche zur Fahrt nach Neuhausen oder in das reichlich acht Kilometer entfernte und 664 Meter hoch gelegene Deutschneudorf gestellt. Dabei musste die Bahn bei einer kurvenreichen Strecke rund 200 Höhenmeter überwinden. Reichlich einen Kilometer fuhr die Schweinitztalbahn dabei über tschechisches Gebiet. Dabei mussten Ende der 1950er-Jahre von den Tschechen vorher die Grenzsicherungsanlagen, große Tore mit Stacheldraht, geöffnet werden. Mit Grünthal, Niederlochmühle und Oberlochmühle fuhr die Bahn drei Haltestellen beziehungsweise Haltepunkte an. Im tschechischen Brandov/Brandau, unmittelbar bei Oberneuschönberg gelegen, durfte die Bahn zu DDR-Zeiten, trotzt eines vorhandenen Haltepunktes nicht anhalten.

Neben den Schülern und Arbeitern transportierte die Bahn vor allem Kohle, Baustoffe und Holz zu den an der Strecke und auf den Erzgebirgskamm ansässigen Betrieben. Mit Möbel oder Leuchten und vielen anderen Erzeugnissen ging es wieder zurück bis nach Olbernhau.

Der Personenverkehr wurde am 21. Mai 1966 eingestellt - als Grund wurde Unwirtschaftlichkeit angegeben. Der Güterverkehr rollte noch drei Jahre länger. Am 28. September 1969 kam auch für ihn das Aus. Damit ging die Schweinitztalbahn-Ära im Erzgebirge zu Ende.

1924 war die knapp zehn Kilometer lange Strecke von Olbernhau/Grünthal nach zehn Jahren Bauzeit fertiggestellt worden. Die für Oktober 1924 geplante Inbetriebnahme verzögerte sich allerdings, da die 1918 entstandene Tschechoslowakei den 1916 abgeschlossenen Staatsvertrag zum grenzüberschreitenden Verkehr nicht akzeptierte und die Durchfahrt verweigerte. Erst am 28. März 1927 konnte ein Vertrag unterzeichnet werden, der die Eröffnung der Strecke am 2. Mai 1927 ermöglichte. Ursprünglich waren Pläne vorhanden, die Bahn bis Most/Brüx zu bauen. Dieses Vorhaben wurden aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hinfällig.

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