Wohnen in alter Fabrik: Investor plant bei Millionenprojekt um

Der Umbau der alten Baldauf-Fabrik in Marienberg verzögert sich. Gestiegene Kosten haben die Stadtwerke zum Umdenken gezwungen. Nun steht dem geplanten Wohnkomplex im Herzen der Stadt aber nichts mehr im Weg.

Marienberg.

Das Interesse der Bürger ist riesig gewesen, als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass die ehemalige Baldauf-Fabrik im Zentrum Marienbergs zu einem Wohnkomplex umgebaut wird. Allein zum Tag des offenen Denkmals nutzten rund 700 Interessierte die Chance, um einen Blick in das historische Gebäude zu werfen. Nun - zwölf Monate später - steht fest, dass der ursprünglich für dieses Jahr geplante Baustart verschoben werden muss. Und damit auch der anvisierte Abschluss des Millionenprojekts. Bis die Industriebrache saniert worden ist und Mieter in die modernen Wohnungen einziehen, vergehen noch mehr als zwei Jahre.

Der Grund: gestiegene Kosten. "Wir haben festgestellt, dass wir mit 7,5 Millionen Euro nicht hinkommen", verdeutlicht Mike Kirsch, Geschäftsführer der Stadtwerke Marienberg. Die städtische Gesellschaft beschäftigt sich seit Juni 2017 mit dem Umbau und der Sanierung der vom Verfall bedrohten Fabrik. Im Oktober 2017 kauften die Stadtwerke das denkmalgeschützte Gebäude - mit dem Ziel, die einsturzgefährdete Industriestätte bis September 2021 in einen modernen Wohnkomplex umzubauen. Doch die genaueren Planungen der Architekten ergaben, dass auch aufgrund der schlechten Bausubstanz und Auflagen des Denkmalschutzes Kosten in Höhe von mehr als 10 Millionen Euro zu erwarten sind. Zudem ergaben sich Probleme hinsichtlich der Förderung durch den Freistaat.

Der neue Eigentümer sah sich daher gezwungen, umzudenken. Im Januar dieses Jahres wurde entschieden, das Projekt zu teilen. Vorerst soll nur der Fabrikbereich links vom Torbogen umgebaut werden. Der kleinere Gebäudeteil an der Freiberger Straße 20 bleibt zunächst außen vor. Für den Wohnkomplex reduzieren sich damit die Gesamtkosten auf 7,1 Millionen Euro. Die Fördermittel belaufen sich auf 5 Millionen Euro. Ein entsprechender Antrag sei bereits erfolgreich gewesen, sagt Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos), der die Pläne als bedeutende Maßnahme im Stadtkern bezeichnet.

Den Bauantrag haben die Stadträte im Technischen Ausschuss nun einstimmig abgesegnet. Damit steht dem Wohnkomplex im Herzen der Stadt nichts mehr im Weg. Im Januar 2020 sollen die Baulose ausgeschrieben werden, im Mai der Baustart erfolgen. Die Fertigstellung sei nunmehr für Dezember 2022 anvisiert, erklärt Mike Kirsch.

In der Fabrik entstehen 20 Wohnungen und eine Tiefgarage mit elf Stellplätzen. Dazu muss das Gebäude zum Teil abgerissen werden. Die historische Fassade bleibt jedoch erhalten.


Ein Stück Stadtgeschichte - von einer der größten Metallknopffabriken zum Wohnkomplex

Die Baldauf-Fabrik wird 1895 von den Brüdern Gottlieb Emil und Karl Ludwig Baldauf erbaut und entwickelt sich zu einer der größten Metallknopffabriken Sachsens. Die erfolgreichste Epoche mit rund 300 Mitarbeitern erlebt das Unternehmen in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.

Nach dem Konkurs 1933 übernehmen die Unternehmer Schneider und Schönherr. Ab den 1950er Jahren wird das Gebäude von der Großhandelsgesellschaft für Textilwaren genutzt.

Nach der Wiedervereinigung beherbergt die Fabrik zuletzt eine Ausbildungsstätte für Lehrlinge des Baugewerbes. Seitdem steht das denkmalgeschützte Gebäude leer.

Die Stadtwerke Marienberg erhalten im Juni 2017 eine Verkaufsanfrage vom Eigentümer, der Anerkannten Schulgesellschaft mbH Sachsen. Im Oktober 2017 wird der Kaufvertrag abgeschlossen.

Seit Oktober 2017 lässt der neue Eigentümer die Industriebrache vor dem Verfall sichern.Stahlträger an der Fassade schützen Teile des historischen Bauwerks vor dem Einsturz. Im März 2018 werden die Architekten- und Ingenieurleistungen für den geplanten Umbau vergeben. (rickh)

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