Großzügige Spende macht Familie mobiler

Zahlreiche Leserinnen und Leser der "Freien Presse" haben vor sechs Jahren den schwerstbehinderten Zwillingen Stella und Fanny viel Hilfe zuteil werden lassen. Seither erfährt die Familie aus Ehrenfriedersdorf immer wieder Unterstützung. Für sie nicht selbstverständlich.

Ehrenfriedersdorf.

Mehrfach konnten sie in den vergangenen Tagen die nahe gelegenen Greifensteine besuchen, sind zu Bekannten nach Jena gefahren. Im nächsten Jahr ist sogar eine Tour nach Italien geplant. Noch vor Kurzem wären solche Fahrten mit der gesamten Familie nur mit großem zusätzlichen Aufwand möglich gewesen. "Wir mussten mit zwei Autos fahren, denn unser Kleinbus wäre für alle zu klein gewesen", erzählt Mutter Stephanie Dittrich-Schulz.

Das Problem: Ihre mittlerweile vierzehnjährigen Zwillinge Stella und Fanny sind von Geburt an schwerstbehindert. Auch wenn der vorhandene Kleinbus rollstuhlgerecht ausgestattet war, das Auto bot keinen Platz für die gesamte Familie. Schließlich sollen die acht- beziehungsweise vierjährigen Geschwister Siiri Hermine und Rokki Peter sowie natürlich Vater André mit auf Tour gehen. Doch seit Juni sind solche gemeinsamen Fahrten in nur einem Fahrzeug kein Problem mehr. Denn seitdem steht der Familie ein großer VW Duster zur Verfügung. Anlass für die Familie, am Wochenende eine Dankeschön-Veranstaltung zu organisieren. Waren doch viele hilfreiche Verbindungen notwendig, bis der behindertengerecht ausgestattete neue Bus auf den Hof in Ehrenfriedersdorf rollen konnte. "Der Jens hat sich gedreht", berichtet Stephanie Dittrich-Schulz überglücklich. Und spricht dabei von Drebachs Bürgermeister Jens Haustein. Er hatte die hilfreiche Lawine ins Rollen gebracht und gleich mehrere Firmen ins Boot geholt.

"Irgendwann hat er angerufen, ob ich mal zu einem Kaffee vorbeikomme", erinnert sich Maik Juppe. Er ist der Geschäftsführer einer Beteiligungs Gesellschaft aus Heidenau. Eine Verbindung, die nicht von ungefähr rührt. Denn die Heidenauer arbeiten mit den Drebacher Feingerätebauern zusammen, womit auch deren Vertriebsleiter Peter Fischer mit im Helferboot sitzt. Und bei eben jenem Kaffeeplausch hatte Jens Haustein wegen eines passenden Autos um Hilfe gebeten. Noch auf der Heimfahrt nahm Maik Juppe mit einem Autohaus in Pirna Verbindung auf. Das Autohaus stellte daraufhin nicht nur das Fahrzeug zur Verfügung, sondern hat auch die Kosten für Versicherung und Wartung des Fahrzeuges übernommen. Die Firma von Maik Juppe trägt unterdessen die Kosten für den dreijährigen Leasingvertrag. Zu seinen Beweggründen erklärt der Geschäftsmann, dass auch eines der drei Kinder seiner Familie schon rund ein dreiviertel Jahr auf einen Rollstuhl angewiesen war. "Deshalb können wir uns vorstellen, was es bedeutet, ständig an den Rollstuhl gefesselt zu sein", sagt er.

Jens Haustein wiederum kennt Stephanie Dittrich-Schulz und ihre Familie schon seit Jahren. Die Mutter und die mehrfach schwerstbehinderten Zwillinge stammen aus Drebach. Er hat die Familie, die immer wieder viele Entbehrungen in Kauf nehmen muss, schon immer hilfreich begleitet. So hat er beispielsweise zu seinem 50. Geburtstag für die Mädchen Spenden gesammelt. Denn Fanny und Stella müssen rund um die Uhr betreut werden. Die Betreuerinnen geben ihr Bestes. "Allerdings stehen uns aus Personalmangel keine Fachkräfte zur Verfügung", so die Mutter. Umso dankbarer ist die Ehrenfriedersdorfer Familie über jede Hilfe, die Fanny und Stella zuteil wird. Unter anderem konnte mit Hilfe der Aktion "Leser helfen" der "Freien Presse" vor fünf Jahren ein Therapie-Bassin für die Zwillinge angeschafft werden. Eine große Erleichterung für alle Beteiligten - wie auch der neue Bus.

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