Hemdsärmel hoch - aber die Krawatte muss sitzen

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Sparkassen-Filialleiter Thomas Stanzel.

Zschopau.

Mit hohen Temperaturen geht auch die Frage nach der Anzugsordnung im Büro einher. Bei 30 Grad Celsius verliert mancher die Lust auf Anzug und Krawatte. Doch darf man bei dieser Hitze ausnahmsweise in Flipflops und kurzem Beinkleid ins Kundengespräch gehen? "Auf keinen Fall", widerspricht Thomas Stanzel und argumentiert als Filialleiter der Zschopauer Sparkasse mit der Seriosität, die Bankgeschäfte auch im Hochsommer bestimmen: "Kein Kreditnehmer hat zu einem Angestellten im Hawaii-Hemd das notwendige Vertrauen."

Dennoch wurde die strenge Kleiderordnung in der Branche aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen gelockert. Verantwortlich zeichnet dafür der Personalrat der Erzgebirgssparkasse, der die männlichen Angestellten dieser Tage vom Jackettzwang befreit hat und auch hochgekrempelte Hemdsärmel am Schalter oder bei der Kundenberatung nicht anstößig findet. "Auf die Krawatte darf hingegen nicht verzichtet werden. Und die muss auch sitzen", betont Stanzel. Möglich, jedoch in den vergangenen Jahren aus der Mode gekommen, sind auch Schlips und kurzärmliches Oberhemd. Die Damen der Finanzwelt haben auch im Hochsommer mehr modischen Spielraum. "Schulterfreie Oberbekleidung oder offenes Schuhwerk gehören jedoch nicht dazu", erklärt Bankkauffrau Katrin Dietel-Drechsler, die bei Kundenkontakten ihren Blazer überzieht. Pflicht sei das derzeit nicht, aber für die weiblichen Angestellten auch keine Zumutung. "Es gibt Berufe, die bei der Hitze eine echte Herausforderung darstellen. Wir Bankangestellten gehören nicht dazu", relativiert Katrin Dietel-Drechsler.

Dieser Tage klettert das Thermometer in der Zschopauer Filiale Am Altmarkt auf 28 Grad Celsius. "Morgens lüften wir ordentlich, blenden die Fenster anschließend ab und sorgen tagsüber mit Ventilatoren für etwas Umluft", berichtet die 37-Jährige. Für Kunden stehen Wasser und Apfelschorle bereit. Auch für die Angestellten gibt es Getränke kostenlos, aber erst nach den Gesprächsterminen. Den nachträglichen Einbau einer Klimaanlage halten Thomas Stanzel und seine 14 Angestellten für nicht gerechtfertigt. "Die überschaubaren Sommertage im Erzgebirge überstehen wir auch ohne künstliche Raumluftkühlung."

In der Erzgebirgssparkasse ist die bankübliche Kleiderordnung in den Qualitätsstandards festgeschrieben. "Banküblich bedeutet dezent, angemessen und typgerecht. Nicht nur Flipflops, auch Miniröcke, transparente Blusen und bauchfreie Oberteile sind ein Tabu", bekräftigt Jens Uhle, Pressesprecher der Erzgebirgssparkasse und verweist zudem auf die zur Einhaltung des Arbeitsschutzes vorhandene Verordnung hinsichtlich zumutbarer Raumtemperaturen. Auf deren Grundlage seien Sonnenschutzrollos oder -jalousinen installiert, in der Annaberger Hauptstelle reflektierende Sonnenschutzfolien auf die Fenster geklebt worden. Zur kostenlosen Versorgung der Mitarbeiter seien zudem an den Standorten Annaberg, Stollberg, Marienberg, Aue und Niederdorf Wasserspender installiert worden. Uhle: "Die anderen 50 Filialen versorgt unser interner Kurier mit Wasserkästen. Ich habe auch schon gehört, dass die oder der eine oder andere Vorgesetzte sein Team mit einer Portion Eis überrascht hat."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...