Zöblitzer Kleingärtner bereiten Jubiläum ihrer Sparte vor

In der Anlage "Sonnenschein" wird das 70-jährige Bestehen gefeiert. Zum Geburtstag gibt's auch eine Fahne.

Zöblitz.

In den Beeten buddeln, den Rasen mähen, Blumen hegen und pflegen, Gemüse anbauen, Obst ernten - das ist die Welt der Kleingärtner. Kleingärten sind ein bisschen wie eine Miniaturausgabe des Eigenheims. Die meisten Gartenbesitzer leben in Wohnungen, in denen Pflanzen höchstens auf der Fensterbank oder dem Balkon wachsen. In ihren Kleingärten können sie zeitweise der Stadt entfliehen und sich ein wenig Natur gönnen.

Im Jahr 1949, als in Zöblitz aus der dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) unterstellten sogenannten Kleingartenhilfe die Sparte "Sonnenschein" entstand, hatten die Menschen aber zunächst und vor allem die Ernährung ihrer Familien im Sinn. "Aus der Not heraus suchten nach dem Krieg viele einen Weg, sich mit Nahrung zu versorgen", weiß die heutige Vorsitzende der Sparte, Nicole Vogel-Reuter. In 130 Parzellen, die jeweils rund 200 Quadratmeter groß waren, wurden damals überwiegend Kartoffeln und Getreide angebaut.


70 Jahre später hat sich das Bild gewandelt. Zum einen hat sich die Fläche der Sparte verringert, da für Neubauten in der Nähe, wie etwa 1995 die Turnhalle, Land gebraucht wurde. Auch der Zuschnitt der Parzellen änderte sich. "Wir haben teilweise mehrere der ursprünglichen Parzellen zusammengelegt und so bis zu 600 Quadratmeter große Gärten erhalten", sagt der Kassenwart des Vereins, Siegfried Bauer, der sich freut, dass derzeit nur vier Parzellen brach liegen und dass sich unter den Pächtern viele Familien mit Kindern befinden.

"Auch steht heute der Erholungsfaktor im Vordergrund. In den kleinen Oasen kann das Hobby ,Garten' ausgelebt werden. Viele bauen dort ihr eigenes Obst und Gemüse biologisch und im ökologischen Gleichgewicht an. Kinder können zudem sehen und lernen, wo das Essen herkommt", fügt Nicole Vogel-Reuter aus eigener Erfahrung an. Sie selbst bewirtschaftet mit ihrem Mann erst seit drei Jahren eine Parzelle. "Wir wohnten in einer Neubauwohnung und sind viel spazieren gegangen. Einmal auch an einem leeren Garten der Sparte 'Sonnenschein' vorbei, in den wir uns sozusagen verliebt und den wir kurze Zeit später gepachtet haben", erinnert sich die dreifache Mutter. Hilfe und Unterstützung erhielt die Familie damals wie heute von den Kleingärtnern der Sparte. Dort herrsche ein sehr gutes Miteinander, schätzt Nicole Vogel-Reuter ein. Ein Eindruck, den Steffen Kaden nur bestätigen kann. "Als ich vor über 20 Jahren den Garten als Hobby entdeckt habe, habe ich von meinen Gartennachbarn viel gelernt. Bis heute gibt es einen regen Austausch untereinander: nicht nur in gedanklicher Hinsicht, sondern auch materiell. Pflanzen, die der eine zu viel hat und der andere gut brauchen kann, wechseln über den Gartenzaun schnell mal den Besitzer", so der 53-jährige.

Mit einer Festsitzung wollen die 78 Mitglieder am Samstag das 70-jährige Bestehen ihrer Anlage feiern. "Zum einen werden wir eine Fahne präsentieren, die das Wappen unserer Sparte trägt. Zudem wollen wir langjährige und verdienstvolle Mitglieder mit Ehrennadeln des Vereins ehren", so Nicole Vogel-Reuter. Ob darunter auch die 94-jährige Zöblitzerin ist, die seit der Gründung der Sparte ihren Garten dort hat, den jetzt deren Kinder und Enkel bewirtschaften, wollte die Vereinsvorsitzende im Vorfeld nicht verraten.

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