Zweitakt-Dunst im Hasensaal: Rennsportlegende im Mittelpunkt

Bei einem Vortrag in Augustusburg werden die großen Erfolge von MZ in den 1960er-Jahren aufgefrischt. Dabei wird auch über den legendären Zschopauer Motorentüftler Walter Kaaden gesprochen, den die beiden Referenten bestens kannten.

Augustusburg/Waldkirchen.

Die Initiatoren der Sonderausstellung "Rennsportlegenden - Walter Kaaden und Ewald Kluge" im Motorradmuseum auf Schloss Augustusburg melden sich nun auch zu Wort. MZ-Historiker Christian Steiner aus Waldkirchen, der in Zschopau geborene ehemalige Geländefahrer Bernd Uhlmann sowie Lutz Langer aus Chemnitz haben eine kleine, aber feine Schau zusammengestellt. Mit zahlreichen Fotos und Dokumenten aus ihren Privatarchiven sowie mehreren Leihgaben geben sie Einblicke in das Leben, Wirken und die Erfolge des MZ-Entwicklungsingenieurs Kaaden und des DKW-Rennfahrers Kluge. Nun halten sie auch noch Fachvorträge über die beiden Rennsportlegenden.

Den Auftakt machen Steiner und Uhlmann. "Wir wollen über den Menschen Walter Kaaden sprechen und über unsere Erfahrungen mit ihm", so Steiner zum Vortrag über den "Zweitakt-Papst" und langjährigen Leiter des MZ-Rennkollektivs. Der 82-jährige Waldkirchener gehörte zu den Weggefährten des am 1. September 1919 in Pobershau geborenen und am 2. März 1996 in Thum verstorbenen Ingenieurgenies, das die Resonanzaufladung bei Zweitaktmotoren perfektionierte und so MZ-Sportmotorrädern und -Rennfahrern in den 1960er-Jahren zu Weltruhm verhalf.


"Wir hatten einen sehr guten Kontakt", sagt Steiner, den selbst ein halbes Jahrhundert Lebensgeschichte mit dem ehemaligen MZ-Werk verbindet. Er begann Anfang der 1950er-Jahre im Lehrwerk als Werkzeugmacher-Azubi, wurde Werkzeugbau-Meister, machte einen Ingenieurabschluss und war bis 1992 bei MZ für den Bereich Werbung verantwortlich. Steiner ist ein gefragter Gesprächspartner, wenn es um Renn- und Geländesport geht und kann deshalb mit so mancher Episode aufwarten, die sich auf und neben der Rennstrecke abspielte. Vielleicht verrät der Waldkirchener beim Vortrag im Hasensaal, weshalb die Gaststätte an der Börnichener Länge beim früheren Rennsport-Chef der japanischen Motorradmarke Yamaha noch immer hoch im Kurs steht. Oder, was die Italiener alles unternommen haben, um einen Sieg von MZ auf der ihnen heiligen Strecke in Monza zu verhindern.

"Ich bin mir sicher, dass es im gesamten Erzgebirge viele Fans der MZ-Geschichte gibt", sagt Steiner. Der Riesenrummel bei der festlichen Eröffnungsveranstaltung der Sonderausstellung, als der Hasensaal aus allen Nähten zu platzen drohte, und der große Auflauf am ersten Tag der Schau, geben ihm Recht. MZ-Motorsportprominenz und ihre betagten Sportgeräte auf Stollenreifen oder Slicks lockten am 1. Mai hunderte Besucher auf den Schlosshof. Thomas Staudt, Pressesprecher der Schlossbetriebe GmbH, steht ebenfalls auf Steiners Seite: "Seit der Eröffnung der Schau hatten wir über 2200 Besucher im Motorradmuseum. Eine sehr gute Zahl. Das Interesse ist groß."

Steiners Mitstreiter Bernd Uhlmann wird am Freitag über seine Zeit in der MZ-Sportabteilung sprechen. Der 79-Jährige hatte 1957 mit dem Motorradgeländesport begonnen und war im Jahr darauf Werksfahrer des VEB Motorradwerk Zschopau geworden. 1963 gehörte er zur DDR-Mannschaft, die im tschechoslowakischen Spindlermühle erstmals die Internationale Sechstagefahrt gewann. Bei den Six Days 1964 in Erfurt und 1965 auf der Isle of Man zählte der gebürtige Zschopauer ebenfalls zum siegreichen DDR-Sextett. Auf Uhlmanns Geschichten über das Training der Werksfahrer damals, die Technik der Motorräder, Begegnungen mit anderen Fahrern oder über Niederlagen und Erfolge bei Geländefahrten im In- und Ausland, können die Besucher gespannt sein. Ebenso auf die Erinnerungen aus seiner Zeit als Betreuer des Neckermann-MZ-Rennteams, verspricht Christian Steiner.

Zur Filmvorführung dürfte der Zweitakt-Dunst im Hasensaal dann noch dicker werden. "Wir werden einen MZ-Film von 1963 zeigen mit den vermutlich größten Erfolgen der Geschichte - dem ersten Sieg bei einer Sechstagefahrt und dem Doppelsieg beim Weltmeisterschafts-Lauf auf dem Sachsenring", kündigen die Referenten an. Der 22 Minuten lange Streifen sei in Limbach-Oberfrohna wie anderes Material aus dem Filmarchiv von MZ digitalisiert worden, erläutert Steiner.

Lutz Langer, der Dritte im Bunde der Ausstellungsmacher, kommt erst später in Augustusburg zu Wort. Der Chemnitzer rückt bei seinem Vortrag "Das Rennfahrerdörfchen Adelsberg" am 1. November die Rennsportlegende Ewald Kluge ins Rampenlicht. Kluge gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Motorradfahrer. Seinen größten Sieg fuhr der DKW-Pilot 1938 bei der Tourist-Trophy auf der Isle of Man ein.

Der Fachvortrag von Bernd Uhlmann und Christian Steiner beginnt am morgigen Freitag, 16 Uhr im Hasensaal im Schloss Augustusburg. Einlass ist ab 15.30 Uhr. Der Eintritt kostet 3 Euro, für Besucher des Motorradmuseums ist er an diesem Tag kostenfrei. Die Sonderausstellung "Rennsportlegenden" ist noch bis zum 1. Dezember zu sehen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...