Abstieg in die Lößnitzer Unterwelt

Das Keller- und Gewölbefest lockte am Samstag zahlreiche Gäste an. Während einige auf Quizjagd waren, wollten andere die Gemütlichkeit genießen. Mancher Besucher hatte einen persönlichen Grund zum Gang nach unten.

Lößnitz.

Menschen strömen durch die historische Altstadt von Lößnitz, aus allen Ecken klingt Musik, die Freisitze sind gut besucht und der Duft von deftigen Leckereien liegt in der Luft. So lebendig und gesellig war es in Lößnitz. Denn am Samstag fand das 2. Lößnitzer Keller- und Gewölbefest statt.

An 15 Punkten in der Stadt gab es viel zu erleben. Natürlich vor allem in Kellern und alten Gewölben. Aber auch auf dem Muhme Campus, wo die Gruppe "Kraftverkehr" spielte. Am Pranger sorgten Wolfgang Kürschner und Wolfgang Rau für Staunen. Sie gaben die Henker und beantworteten sehr gern die Fragen der Gäste. "Hinrichtungen hat es hier nicht gegeben", so Wolfgang Kürschner: "Und der Beruf war überhaupt nicht gut angesehen." So mussten Henker beispielsweise vor der Stadt wohnen und hatten in der Kirche eine eigene Bank. "Der Beruf wurde vom Vater auf den Sohn vererbt", sagt Kürschner.

"Frauen, die einen Henker geheiratet haben, wurden sogar begnadigt", erklärt Kürschner. Heißt also, wenn eine Frau zum Tode verurteilt wurde, konnte sie sich "freikaufen", in dem sie die Ehe mit einem Henker einging. Zu den Verfehlungen von Frauen gehörten damals unter anderem die Unzucht und Hexerei.

Wer mit Kürschner und Rau das Gespräch suchte, hatte Glück, denn so ganz nebenbei gaben sie auch Antworten auf die Fragen des sogenannten Kellerquiz. Einige Besucher steuerten beispielsweise zielstrebig alle Keller an, um zügig nacheinander die Fragen des Quiz zu beantworten.

Frank Ullmann aus Chemnitz gehörte mit seiner Frau und seinen Nachbarn allerdings nicht dazu. Sie wollten vielmehr die erzgebirgische Gemütlichkeit und Gelassenheit genießen. "Wir haben das schon im vergangenen Jahr kennengelernt und sind gern wieder gekommen", sagt Ullmann, dessen Arbeitskollege Daniel König ist. Der Königskeller gehört mit geschätzten 30 Quadratmetern zu den größeren Kellern in Lößnitz. In ihm gastierte Franziska Schröder und Dorothee Sykora als Duo Passeri. "Wir haben schon im vergangenen Jahr davon gehört", sagen die Sängerinnen aus Schneeberg. Franziska Schröder findet: "Solche kulturellen Veranstaltungen, die ehrenamtliche stemmen, sollte es vielmehr geben und man muss sie auch unterstützen."

Daher sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, das Engagement anzunehmen. "Die Akustik im Keller ist toll", sagt Sykora: "Eigentlich brauchen wir gar keine Verstärker." Bei Königs, die ihren Keller natürlich nur zu besonderen Anlässen öffneten, packte die ganze Familie mit an, sorgte für Getränke und Verpflegung der Gäste. Anja Kaufmann: "Ich bin die Schwester des Eigentümers und ich mache das gern mit." Die Stimmung sei sehr gut. "Die ersten Besucher kamen schon gegen 17 Uhr", so Kaufmann.

Die etwas andere - "dunkle" - Seite von Lößnitz wollten auch Jana Wagner und Sabine Jähne entdecken: "Wir sind Zugezogene - Uhiesige, wie es heißt." Während Wagner aus dem Vogtland stammt, zog Jähne sogar von Berlin ins Erzgebirge. "Als erstes waren wir in der Post", sagt Jana Wagner. Das hatte einen Grund, denn Großvater und Urgroßvater ihres Mannes hatten dort einst eine Fleischerei. Dass Abstieg in die Kellergewölbe nicht ungefährlich waren, darauf wiesen immer wieder Schilder hin.

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