Altes Herrenhaus dient sozialen Zwecken

Vogel-Perspektiven: Auf über 6000 Ansichtskarten hat der Schwarzenberger Verlag Vogel von 1898 bis etwa 1955 Gebäude und Landschaft dokumentiert. Vieles ist längst Nostalgie, anderes fast unverändert. Heute: Heimstätte Gut Förstel in Langenberg.

Langenberg.

Als Mitte März die Heimstätte Gut Gleesberg in Neustädtel in der Serie "Vogel-Perspektiven" näher beleuchtet wurde, rief das gleich mehrere Leser auf den Plan. Tenor ihrer Wortmeldungen: "Bitte auch mal die Heimstätte Gut Förstel in Langenberg bedenken, die hat doch eine ähnliche Geschichte."

Heute nun soll eine 1910 gelaufene Ansichtskarte von jenem Heim als Ausgangspunkt für einen kleinen geschichtlichen Exkurs dienen. Das stattliche Herrenhaus auf der Karte war zu jener Zeit schon gut 100 Jahre alt, wurde es doch bereits 1807 eingeweiht. Johann Querfurth (1747-1817) hatte das Rittergut Förstel, dessen Anfänge in einem Hammerwerk und einer Schmelzhütte liegen, 1790 gekauft. Mit großen Plänen: Jener Querfurth, Ratsherr und Bürgermeister in Annaberg, ließ das ganze Anwesen am rechten Ufer des Schwarzbaches neu aufbauen. Von 1793 bis 1814 entstanden mehrere landwirtschaftliche Gebäude und - wie erwähnt - das Herrenhaus.

Mehrere Besitzerwechsel folgten, bis der Pharmazeut Dr. Willmar Schwabe (1839-1917) aus Leipzig das Erbgut Förstel 1889 erwarb. Dieser beruflich erfolgreiche und gesellschaftlich aktive Mann hatte eine soziale Ader. Und so kaufte der Herr Geheimrat die Güter Gleesberg bei Neustädtel und Förstel bei Langenberg, die auf seine Kosten zu Heimstätten für Genesende eingerichtet und ausgebaut wurden. Während im Gut Förstel Männer betreut werden sollten, war Gut Gleesberg für weibliche Kranke gedacht.

In Langenberg versorgte auch der Pächter der Gutswirtschaft die Pfleglinge teilweise mit Nahrungsmitteln. Der Landwirt erledigte zudem mit Hilfe eines Pferdewagens den Transport der Kurgäste vom und zum Bahnhof Schwarzenberg, wie es in der Geschichte der Einrichtung nachzulesen ist. Da finden sich auch Hinweise auf die schwierigen Jahre im und nach dem Ersten Weltkrieg. In nationalsozialistischer Zeit wurde Gut Förstel zu einem Müttererholungsheim, ab 1943 zur Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder, die wegen angloamerikanischen Bombenangriffen aus westlichen Landesteilen evakuiert wurden. Im Sommer 1945 war Förstel voller Flüchtlinge.

1946 begann die Umgestaltung zum Altersheim. Die Schwabesche Heimstättenstiftung musste 1959 aufgelöst werden. 1976 erhielt das "Feierabendheim der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" einen ersten Anbau, 1982 wurden alle verbliebenen alten Wirtschaftsgebäude abgerissen und für fünf Millionen Mark ein weiterer Neubau hochgezogen. 1987 wohnten 109 Veteranen im Heim, darunter 67 Pfleglinge.

Die 1992 wieder in ihre Rechte eingesetzte Stiftung ließ das denkmalgeschützte Herrenhaus umbauen, 1996 konnten hier 14 Wohnungen für Betreutes Wohnen übergeben werden. Eine Cafeteria findet viel Zuspruch. Anstelle eines baufälligen Anbaus an der östlichen Seite wurde 1999 ein Neubau eingeweiht. Der Bau, in dem 80 Bewohner Platz finden, kostete 12,5 Millionen Mark. Zudem entstanden zwölf Tagespflegeplätze, die zwischenzeitlich, aufgrund der guten Nachfrage, auf 18 erweitert werden konnten.

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