Ameisenhaufen sorgen für Wirbel auf der Großbaustelle

Tiere durchkreuzen hin und wieder Pläne. In Marienberg hat die Kahlrückige Waldameise mehr Arbeit verursacht. Und beim Umsiedeln ist es nicht geblieben.

Marienberg.

Kleine Tiere - gro- ßer Wirbel. "So etwas hatten wir auch noch nicht", sagt Axel vom Schemm, Unternehmenssprecher bei Aldi. Der Lebensmitteldiscounter lässt seinen Markt an der Marienberger Hanischallee abreißen und plant da einen Neubau. Doch zwischenzeitlich durchkreuzten krabbelnde Bewohner das Projekt.

Oberbürgermeister André Heinrich erläutert, dass in der zehnten Kalenderwoche drei Ameisenhaufen auf Anzeige eines Bürgers im Baubereich entdeckt wurden. Untersuchungen ergaben, dass es sich um die Ameisenart Formica polyctena - die Kahlrückige Waldameise - handelt. "Sie ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt", betont der Oberbürgermeister. Deshalb mussten die kleinen roten Waldameisen umgesiedelt werden.

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Dafür musste zunächst eine Befreiung von den Verboten des Bundesnaturschutzgesetzes beim Landratsamt beantragt werden. Denn es ist grundsätzlich verboten, die Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Mit dem Bescheid der unte-ren Naturschutzbehörde wurden die Waldameisen schließlich umgesetzt. "Fachkundig und artenschutzgerecht", erklärt Axel vom Schemm. Für die Umsiedlung sei eigens ein vom Landratsamts anerkannter Ameisenheger beauftragt worden.

Unter dessen Aufsicht wurden für das neue Zuhause der Ameisen zunächst alte Baumstümpfe herausgezogen, um Gruben zu schaffen. Darin sind anschließend die Nester vorsichtig mit einem Bagger eingesetzt worden, erklärt Oberbürgermeister Heinrich. Wo genau sich die Ameisenhaufen nun befinden, gibt er auf Empfehlung der unteren Naturschutzbehörde nicht bekannt, "um keine größere Aufmerksamkeit auf die Ameisenhaufen zu lenken".

Jedoch wird sich aktuell noch immer um die kleinen Tiere gekümmert. Der Ameisenexperte habe empfohlen, zwei Wochen lang die Nahrungssuche zu unterstützen, indem in Nester-Nähe eine Zuckerlösung aufgestellt wird. "Aldi hat sich als Bauherr bereit erklärt, sämtliche Kosten für die Umsetzung und die Fütterung zu übernehmen", sagt Heinrich. Wie hoch die ausfallen, verrät Axel vom Schemm nicht. Und: Trotz der zweiwöchigen Sonderaufgabe könne der Bauplan bis zur Aldi-Neueröffnung im vierten Quartal dieses Jahres eingehalten werden.


Steckbrief der Kahlrückigen Waldameise

Die Kahlrückige Waldameise, Formica polyctena, gehört zur Gattung der Waldameisen und ist besser bekannt als kleine rote Waldameise, erklärt Kay Meister, Biologe und Naturschützer aus Rübenau. Eine Erfassung von 2007 stuft sie mit 63 Prozent aller Nester als häufigste Art ihrer Gattung in Sachsen ein, ergänzt Meister. Sie besiedelt Wald und Waldränder, kann aber auch in waldähnlichen Biotopen vorkommen. Sie ernährt sich unter anderem von Insektenleichen und Borkenkäfern.

Hinsichtlich des Schutzstatus' von Tierarten gibt es in Deutschland zwei Quellen: die Bundesartenschutzverordnung und die Rote Liste. Laut Roter Liste gilt die Kahlrückige Waldameise als nicht bedroht, laut Bundesartenschutzverordnung hingegen als geschützt. Das hänge mit Einstufung und Nützlichkeit zusammen, erklärt Meister. (rickh)

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