Anreise-Problem: Stadt plant für Tag der Sachsen um

Fährt zu Sachsens größter Party im nächsten Jahr kein Zug von Chemnitz nach Aue-Bad Schlema? Die Stadt geht inzwischen davon aus - und will diese Panne als Chance nutzen.

Aue-Bad Schlema.

Es fährt ein Zug nach nirgendwo, heißt es in einem bekannten Schlager. Ähnlich dürfte es Fahrgästen gehen, die zum Tag der Sachsen im September 2020 mit dem Zug von Chemnitz nach Aue reisen wollen. Denn die Bahn wird wohl nicht fahren. Auch im kommenden Jahr ist die derzeit stillgelegte Trasse wohl gesperrt.

Bereits seit Herbst 2018 gilt Schienenersatzverkehr auf der Bahnstrecke, die für das Chemnitzer Modell fit gemacht werden soll. Das sieht vor, künftig Straßenbahnen von der Chemnitzer Innenstadt bis zum Auer Bahnhof rollen zu lassen. Zuletzt kam es bei dem Projekt aber zu Verzögerungen ("Freie Presse" berichtete): Erst im zweiten Halbjahr 2020 sollen die Arbeiten enden. Noch rechtzeitig zum Tag der Sachsen?

Christoph Ulrich

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Nein, glaubt inzwischen auch die Stadtverwaltung. Der Amtsverweser und Übergangsstadtchef Steffen Möckel sagte in der jüngsten Sitzung des Auer Ortschaftsrates, er halte er für "illusorisch", dass die Bauarbeiten an der Trasse vor dem Tag der Sachsen enden. Es seien ähnliche Bauverfahren bekannt, deren Dauer häufig "jenseits von Gut und Böse" liege. Wegen drohender Anreiseprobleme will das Rathaus nun umplanen und die Panne als Chance nutzen. Und das geht so: Gäste, sagte Möckel, könnten auf die Bahnstrecke von Zwickau nach Aue ausweichen. Bereits einen Haltepunkt früher, am Bahnhof in Niederschlema, würden sie dann empfangen und von da mit einem Shuttle zum Festgelände nach Aue gebracht. Der Vorteil aus seiner Sicht: So ließe sich der Kurort besser in die Festplanungen einbinden, die sich zunächst vor allem auf Aue konzentriert hatten. "Es gibt Ideen, wie man aus dem Missgeschick etwas Positives macht."

Mit einem ähnlich lautenden Vorschlag hatte sich vor kurzem bereits der Stadtrat Tobias Andrä (Aldu) zu Wort gemeldet. Das Problem jedoch: Das Bahnhofsgebäude in Bad Schlema ist bislang in einem desolaten Zustand. Baubürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) sagt: "Wir müssen etwas tun, ringsum sauber machen, damit es nicht so katastrophal aussieht." Zugleich erklärt er: Was die Bahn 50Jahre als frühere Eigentümerin versäumt habe, könne man nicht in Kürze aufholen.

Heinrich Kohl (CDU), Bürgermeister für Ordnung und Finanzen, brachte in der Ausschusssitzung indes noch eine zweite Idee ins Spiel: So lasse sich vielleicht ein Teil der gesperrten Bahntrasse nach Chemnitz zum Tag der Sachsen für einen Pendelverkehr reaktivieren. Zwischen Aue und Thalheim könnten dann Sonderzüge fahren. Kohl erklärte dazu: "Dann machen wir Lößnitz und Zwönitz zu Parkplätzen." Heißt: Gäste parken außerorts und fahren mit dem Pendelzug nach Aue. "So hätte man ein Bahnerlebnis und den Tag der Sachsen in einem", lobte Kohl den Vorstoß.

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