Auer Mordfall: Drei Versionen einer Tat

Am Montag äußerten sich zwei der drei Angeklagten erstmals zum Hergang des Verbrechens. Der dritte überwand seinen Gedächtnisschwund. Die drei Verteidiger verlasen ihre Erklärungen.

Aue/Chemnitz.

Am frühen Morgen des 18. April 2018 wählte Terenc H. (26) auf seinem Handy den Polizeinotruf. "Ja, hallo, ich möchte eine Leiche melden", sagte er mit stockender Stimme. "Ich möchte meinen Nachbarn tot melden. Ich hab ihn gerade gefunden." Es war die erste Lüge, die er der Polizei auftischte. Er wusste seit Stunden, dass Christopher W. (27), schwer verletzt oder tot in einem abbruchreifen Gebäude am alten Auer Güterbahnhof lag, erschlagen von jungen Männern, mit denen er sich regelmäßig traf, mit denen er trank - soff - und lachte.

Am ersten Prozesstag hatte Terenc H. behauptet, er könne sich an nichts im Tatzeitraum erinnern. Angehörige und Bekannte glaubten ihm, andere nannten ihn einen Lügner. Am Montag ließ er durch seinen Verteidiger Uwe Lang eine Erklärung verlesen, die den Zweiflern recht gab. Nach der Tat habe er Trauer, Schuld, Verzweiflung und die Ungewissheit empfunden, ob Christopher noch lebt, hieß es. Deshalb habe er nachsehen wollen. Geschwiegen über die Tat habe er, weil er Angst vor Stephan H. (22), dem zweiten Angeklagten, hatte. "Er schämt sich und wird sich seiner Verantwortung stellen", sagte der Anwalt.

Laut Terenc H. hatte Christopher herumerzählt, dass die anderen Drei Drogen konsumieren. Er selbst habe damit kein Problem gehabt. Aber Stephan H. und Jens H. (22), der dritte Angeklagte, hätten gesagt, darüber müsse man "noch mal reden". Zu viert seien sie am 17. April zum alten Bahngelände gegangen. "Ich ging davon aus, dass die beiden Christopher die Meinung sagen wollen", heißt es in Terenc H.'s Erklärung. "Ich rechnete auch damit, dass er ein paar geklatscht bekommt, aber nicht mit dieser Eskalation."

Christopher W. wurde an jenem Abend totgeprügelt. Als er schwer verletzt in einer Betongrube lag, haben einer oder mehrere Täter mit einem Türblatt auf ihn eingehackt. Die Tür soll später zum Abdecken der Grube benutzt worden sein.

Terenc H. will Christopher nur eine Ohrfeige verpasst haben. Die größte Gewalt sei von Stephan H. ausgegangen. "Er war wie in einem Blutrausch", las Verteidiger Lang vor.

Stephan H. äußerte sich ebenfalls durch eine Erklärung, die sein Verteidiger Hans-Ulrich Biernert abgab. Dieser Darstellung zufolge gab es ein Mordkomplott, das von Terenc H. ausging. Dieser habe gesagt, dass er Christopher "weghaben" wolle. Nach Stephan H.'s Version hat sich Terenc H. bei der anschließenden Gewalt besonders hervorgetan. Er selbst habe zwar auch mit der Tür zugeschlagen, doch vor allem sei es Terenc gewesen: "Er wollte sicher sein, dass Christopher tot ist. Er schlug noch ein paar mal."

Auch Jens H. ließ seinen Verteidiger Andreas Baumann eine Erklärung vortragen. Der zufolge gab es keine Absprachen. Er selbst will Christopher einen "leichten Schlag" versetzt haben. Terenc und Stephan hätten auf ihn eingeschlagen. Stephan sei immer aggressiver geworden. Jens H. will gesagt haben, sie sollen aufhören, doch er fühlte sich außerstande, etwas zu tun. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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