Auftakt widmet sich musikalischem Genie

Der 13. Erzgebirgische Konzertwinter im Schneeberger Kulturzentrum hat am Sonntag begonnen - mit einem bedeutenden Kammermusikwerk.

Schneeberg.

Weltweit wird er bejubelt, der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens. Warum bleibt er auf unabsehbare Zeit eine musikalische Übergröße? Eine Antwort gab am Sonntag das Eröffnungskonzert des 13. Erzgebirgischen Konzertwinters im Kulturzentrum "Goldne Sonne" in Schneeberg. Auf dem Programm stand unter anderem eines der bedeutenden Kammermusikwerke Beethovens, die auch technisch anspruchsvolle "Kreutzer-Sonate" op. 47 für Violine und Klavier. Zu hören war eine Bearbeitung für Violoncello und Klavier.

Die Wiedergabe erfüllte alle Erwartungen, unfreiwillig erhob sich jedoch der Klang des Klaviers immer wieder über den des Violoncellos von Peter Bruns. Er und seine Partnerin Annegret Bruns machten besonders im 1. Satz mit ihrem kon-traststarken, bizarren Spiel deutlich, warum diese Musik bei der zeitgenössischen Kritik Entsetzen auslöste und man Beethoven ästhetischen "Terrorismus" vorwarf.

Andere hörten das ganz anders. Der russische Schriftsteller Lew N. Tolstoi schrieb in seiner Erzählung "Kreutzersonate": "Diese Musik darf nur bei wichtigen, feierlichen Gelegenheiten gespielt werden, oder dann, wenn eine wichtige Tat vollbracht werden soll." In ihrer Begrüßung sagte Ärztin Petra Becker-Oehler aus Schneeberg am Sonntag: "Beethoven zeigt, was ein Mensch gegen alle Widernisse des Lebens erreichen kann."

Begonnen hatte das Eröffnungskonzert mit der Hornsonate op. 17. Beethoven selber soll dem Werk eine Cellostimme beigegeben haben. Nicht ohne Grund wird jedoch die Hornversion bevorzugt. Obwohl Peter Bruns den Auftakt brillant spielte, kam nicht das heraus, was ein Horn in Meisterhand an Aufbruchstimmung zu erzeugen vermag. Die virtuosen Klavierkaskaden von Annegret Bruns überstrahlten oft den Cellopart.

Bei der Sonate Es-Dur op. 64 täuscht die hohe Opuszahl, denn eshandelt sich um ein Frühwerk, die Bearbeitung von Beethovens Streichtrio op. 3. Mit ihren sechs Sätzen ist die Sonate mehr eine unterhaltsame Serenade. Die beiden herausragenden Leipziger Künstler vermieden in Schneeberg den Eindruck des allzu Leichtgewichtigen, das andere Künstler meist wohlgefällig zu zelebrieren pflegen.


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