Aus für herrenlose Herrenmühle: Abbruch soll noch 2019 beginnen

Keiner will das Gebäude, keiner hat ein Konzept - das Schicksal des maroden Bauwerks ist schon länger besiegelt. Nun will die Stadt Schwarzenberg den Komplex abreißen lassen - mit der Zustimmung der Denkmalschützer und mit Hilfe von Fördermitteln.

Schwarzenberg.

Alle haben es geahnt, niemand wollte es so recht wahrhaben: Die alte Herrenmühle an der Karlsbader Straße in Schwarzenberg ist nicht mehr zu retten. Jegliche Versuche, für das mittlerweile in großen Teilen völlig marode Gebäude einen Käufer mit tragfähigem Finanzierungs- und Nutzungskonzept zu finden, blieben erfolglos. Am Montagabend haben die Stadträte deshalb zwei Beschlüsse gefasst, und zwar einstimmig. Die Stadt nutzt ihr Aneignungsrecht, das sie seit 2016 für die notariell als herrenlos erklärte Immobilie hat, und stellt außerplanmäßig 493.000 Euro für den Abbruch bereit. 444.000 Euro kommen aus einem Förderprogramm zum Beräumen von Brachen, der Rest aus der städtischen Liquiditätsreserve. Zudem wurde beschlossen, die Abbruchleistungen öffentlich auszuschreiben. Die Kostenschätzung des Planungsbüros Tischer beläuft sich auf zirka 412.000 Euro. Der Abriss soll im Ergebnis der Ausschreibung möglichst schon am 11. November beginnen und spätestens Ende Februar 2020 abgeschlossen sein.

Ein Verein, der die Mühle von den Alteigentümern gekauft hatte, erklärte 2015 im Ergebnis einer Insolvenz seinen Eigentumsverzicht. Nun kommt das endgültige Aus für dieses stadtbildprägende Bauwerk. Selbst die zwei Stadträte von Bündnis 90/Die Grünen stimmten dem Abbruch zu. Ihr Kreisverband, für den der Abriss lange keine Option war, hatte die Herrenmühle 2016 auf der Internetplattform Denkmalradar eingestellt. Anliegen: bei historischen, ungenutzten Bauten in Mitteldeutschland Angebot und Nachfrage zusammenführen. Zumindest für das Objekt in Schwarzenberg brachte das Radar nichts Greifbares.

Auch die Denkmalschutzbehörden hegten anfangs große Vorbehalte gegen einen Abriss. Angesichts des sich ständig verschlechternden Zustandes hatte die Stadt, die als Ortspolizeibehörde die allgemeine Sicherungspflicht auch für die Herrenmühle erfüllen muss, die denkmalschutzrechtliche Genehmigung des Abbruchs beantragt. Im Dezember 2017 stellte das Landesamt für Denkmalpflege aus fachlicher Sicht eine Zustimmung in Aussicht. Das beruht auf dem ruinösen Zustand der spätbarocken, für den Denkmalwert wichtigen Kernbauten.

Henrik Tischer vom Planungsteam stellte den Stadträten den aktuellen Zustand des Gebäudes vor, das einst "als Hülle für einen Mühlenbetrieb" gebaut worden war. Viel Technik ist jedoch nicht mehr da, nachdem bereits die im Nachgang der deutschen Einheit wieder in ihre Rechte eingesetzten Alteigentümer Teile herausholten. Noch vorhandene und verwertbare Dinge, wie die Transmission im Kellerbereich, sollen gesichert und zwischengelagert werden, hieß es im Stadtrat auf Anfrage von Lydia Schönberg (Pro SZB). Bei der Gestaltung der durch den Abbruch frei werdenden Fläche könnte eine Möglichkeit gefunden werden, die Geschichte der Herrenmühle vor Ort in einer geeigneten Form zu erzählen, so Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU). Die stadt- und technikgeschichtliche Bedeutung der Mühle soll ja ohnehin für die Nachwelt dokumentiert werden.

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