Aus Hock wird Rupf mit neuem Antrieb

Fast drei Jahre zog sich die Insolvenz der Hock-Gruppe hin, die einst drei Standorte in der Region hatte. Seit April gibt es auch für Beierfeld einen neuen Eigentümer und mit ihm einen Neustart.

Beierfeld/Schwarzenberg.

Lange - für ein Insolvenzverfahren ungewöhnlich lange - haben die Mitarbeiter der ehemaligen Firma Hock in Beierfeld gebangt und gehofft, dass es auch für ihr Unternehmen einen Investor und eine Zukunft gibt. Die nervenzehrende Zeit der Ungewissheit ist nun vorbei. Vor wenigen Tagen fand die erste große Betriebsversammlung statt, bei der Geschäftsführer Thomas Oberthür die aktuell 163 Mitarbeiter am Beierfelder Standort mit Informationen aus erster Hand versorgen konnte.

Die erlösende Botschaft: "Es geht weiter" war bereits zum 1. April mit der offiziellen Übernahme durch die Rupf-Gruppe klar. Dabei handelt es sich um eine familiengeführte und international tätige Unternehmensgruppe mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Der Ursprung von Rupf reicht bis ins Jahr 1859 zurück. Die Firma mit mehreren Standorten unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ist spezialisiert auf die Geschäftsfelder Fahrzeugtechnik, Anlagen- und Maschinenbau. Zu dieser gehört nun auch die neue gegründete Rupf SPW Technologies GmbH in Beierfeld. Deren Hauptgeschäftsfelder Stanzerei, Kunststoffspritzerei und Montage werden fortgeführt.

Geschäftsführer Thomas Oberthür stieg am 1. April 2016 ins Unternehmen ein. Bis dato hatte er 13 Jahre ein Unternehmen in Mexiko aufgebaut. Doch nur einen Monat nachdem er seinen Schreibtisch in Beierfeld in Besitz genommen hatte, meldete die gesamte Hock-Gruppe Anfang Mai 2016 vorläufige Insolvenz an. "Wir hatten aber das große Glück, dass wir mit Rechtsanwalt Dr. Stephan Thiemann von der Pluta aus Leipzig einen so ruhigen und besonnen agierenden Insolvenzverwalter hatten", betont Oberthür. Er habe das Unternehmen über drei Jahre fortgeführt und saniert. Zudem sei es ihm gelungen, durch sein Verhandlungsgeschick viele Kunden und Lieferanten zu halten. Hinzu kam, dass auch die Mitarbeiter treu zur Stange gehalten hätten.

Ein Verkauf der gesamten Hock-Gruppe sei nicht möglich gewesen. "Doch nach der eingehenden Analyse des Insolvenzverwalters stand für die beiden Hock-Niederlassungen in Beierfeld und Schwarzenberg fest, dass diese eine Zukunft haben", so Oberthür. Bereits im Februar 2017 konnte Thiemann die Metal Injec- tion Moulding (MIM) von Hock in Schwarzenberg veräußern. Die damals dort beschäftigten 44 Mitarbeiter wurden übernommen. Auch den Werkzeugbau Weigel in Rittersgrün, der ebenfalls zu Hock gehörte, konnte 2018 veräußert werden.

Insolvenzverwalter Thiemann erklärte: "Wir haben Hock in Beierfeld fast drei Jahre im Insolvenzverfahren weiter- und schließlich aus der Verlustzone geführt. Das Unternehmen arbeitet wieder rentabel. Die Mitarbeiter haben vollen Einsatz gezeigt. Ich freue mich, dass wir den Verkauf erfolgreich abschließen konnten."

Im Zuge der Sanierung habe man sich auf die Hauptbereiche Kunststoffspritzen, Umformtechnik, Stanzerei und komplette Montage konzentriert. Das schloss aber auch ein, die Produktpalette von nicht wirtschaftlichen Dingen zu bereinigen. Die CNC-Fertigung wurde ganz aufgegeben. Man musste sich von einigen Kunden und Lieferanten trennen, andere wiederum "bei Laune" halten müssen. "Es war ein zum Teil schwieriges Taktieren, denn wir wollten auch niemanden vor den Kopf stoßen, weil es ja weiter gehen musste", so Oberthür. Von den vormals fast 450 Mitarbeitern wurden beim Verkauf des Unternehmens im April 168 mit übernommen. "Ja, wir mussten auch Personal reduzieren. Darunter fallen aber auch die 44 Mitarbeiter, die bei MIM übernommen wurden, zahlreiche Leute die in Rente und Vorruhestand gegangen sind, sowie Eigenkündigung. Dennoch waren 30 Kündigungen nötig", bestätigt Personalchefin Yvonne Peter. Doch selbst während der Insolvenz habe man die Ausbildung im Unternehmen fortgesetzt, sogar einen Lehrling eingestellt. Und auch jetzt wurden ein Azubi und ein Umschüler wieder aufgenommen. Fachkräfte seien heute wichtiges Kapital.

Die Erleichterung über die neue Zugehörigkeit ist sowohl der Personalchefin als auch dem Geschäftsführer anzusehen. Die zurückliegenden drei Jahre seien eine mentale Achterbahnfahrt gewesen. Etliche Unternehmen, darunter auch vom asiatischen Markt, seien vorstellig geworden, hätten Kaufinteresse signalisiert. Umsatzrückgänge von einst 45 Millionen auf heute etwa 16 Millionen Euro wurden registriert. Die gesamte Unternehmensorganisation musste von der Holding zurückgeholt und wieder lokalisiert und gestrafft werden.

Was kommen soll, klingt wesentlich besser: "Die Rupf-Gruppe hatte bislang keinen eigenen Werkzeugbau. Deshalb soll hier ein Kompetenzzentrum für den Werkzeugbau entwickelt werden. Wir bringen den Kunststoffspritzguss mit ein. Außerdem gibt es hier am Standort Beierfeld Erweiterungsmöglichkeiten", nennt Oberthür die Pfunde, mit denen die Erzgebirger wuchern können. "Was wir jetzt an Aufträgen reinholen, wird aber erst ab 2021 die Umsätze wieder steigen lassen", so der Geschäftsführer. 97 Prozent der Produkte der Firmen werden für die Automobilbranche gefertigt.

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