Aussortiert wie Müll: Wenn Haustiere lästig werden

Immer mehr Menschen versuchen, Hund, Katze und Co. beim Tierheim in Bockau loszuwerden. Manch Herrchen greift dabei zu rabiaten Mitteln.

Aue/Schwarzenberg.

Die Augen traurig, das hell-braune Fell licht, der Gang unsicher: "Aischa" ist der neueste Zuwachs im Tierheim Bockau. Eine betagte Schäferhündin, vor kurzem von einer Familie vorbeigebracht, die nach drei Jahren nicht mehr wusste, wohin mit ihr.

Christiane Fuchs leitet die Auffangstation und ist bedrückt: "Es ist immer schlimm, wenn die Tiere zurückkommen." Aber das, sagt sie, sei leider keine Ausnahme mehr. "Es scheint in Mode zu sein, dass die Leute versuchen, Hund, Katze und Co. wieder loszuwerden."

"Aischa" hatten Spaziergänger im Sommer 2013 in der Nähe von Schwarzenberg im Wald gefunden. Sie habe kaum Fell gehabt und sei ganz ausgemergelt gewesen, als sie ins Heim nach Bockau kam, erinnert sich Fuchs. "Wer weiß, wie lange sie damals unterwegs war." Schnell fand sich eine Familie, die das kranke Tier bei sich aufnahm. Zunächst verlief die Vermittlung ohne Probleme - bis jetzt.

Am Telefon meldete sich vor wenigen Wochen die Besitzerin und erklärte laut Fuchs, dass sie die Hündin wegen eines Krankheitsfalles in der Familie nun zurückgeben wolle. "Und zwar mit dem Argument, dass wir die Tiere gemäß Vertrag doch zurücknehmen würden." Aber das, sagt Fuchs verärgert, sei nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. "Ich kann nicht einfach einen Hund zurückgeben. Klar stört der mal, aber ich muss an das Lebewesen denken." "Aischa" sei eine Woche so verängstigt gewesen, dass sie sich kaum bewegt habe.

Der Fall, sagt Fuchs, sei exemplarisch: Die Menschen würden zunehmend verantwortungsloser - und machten auch vor rabiaten Mitteln nicht halt. Dieses Jahr seien drei Katzen mit Babys nachts in einem Pappkarton vor das Tor des Heims gestellt worden. Vergangenes Jahr hätten Unbekannte einen Hund am Zaun angeleint. "Es wird schlimmer."

Der sächsische Landestierschutzverband appelliert wegen solcher Fälle an alle Tierfreunde, vor dem Kauf einer Katze oder eines Hundes genau zu prüfen, ob man ein Tier langfristig versorgen kann. "Wenn ich mir ein Tier zulege, habe ich eine Verantwortung für mehrere Jahre", sagt die Vorsitzende Antje Schmidt. "Und zwar auch, wenn sich meine Arbeitszeit ändert oder ich den Job wechsle." Doch diese Botschaft komme selten an. "Stattdessen kaufen die Menschen heute schnell mal ein Tier bei Ebay und verkaufen es drei Tage später, wenn sie merken, dass es nicht stubenrein ist."

Was den rücksichtlosen Umgang fördert, sei zudem, dass immer mehr Menschen den Kontakt zur Umwelt verlieren, so Schmidt. "Viele Kinder sitzen nur noch zuhause vor dem Computer. So fehlt ihnen später das Verständnis fürs Tier." Wer sich trotz reiflicher Überlegung von seinem Haustier trennen will, dem rät sie, Kontakt mit dem Tierheim aufzunehmen. "Das Aussetzen ist hingegen unverantwortlich und eine Ordnungswidrigkeit."

Weil offenbar immer mehr Herrchen und Frauchen die Lust am eigenen Haustier vergeht, übersteigt beim Tierheim in Bockau schon jetzt die Nachfrage das Platzangebot. Momentan seien alle Plätze belegt, sagt Fuchs. Eine Frau, die nun ihren Hund nach vier Jahren wegen eines neuen Berufs wieder abgeben wollte, habe sie deshalb wegschicken müssen. "Es kann einfach nicht jeder kommen", sagt sie.


Paten und Helfer gesucht

Im Tierheim Bockau, das ein Heim des Tierschutzvereins Aue-Schwarzenberg ist, betreuen derzeit acht Mitarbeiter etwa 200 Tiere, darunter sind Hunde, Katzen, Hasen, Frettchen und Vögel. Ein Großteil der Tiere wartet auf einen neuen Besitzer, so wie die Schäferhündin "Aischa". Das Tier wird als pflegeleicht und zutraulich beschrieben, leidet aber unter einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung und erhält wegen einer Allergie Spezialfutter. Für "Aischa" wird nun ein neues Herrchen oder eine Art Pate gesucht, der sich regelmäßig an den Kosten für die Tierarzt-Rechnung beteiligt. Interessenten können sich unter 0175 7305766 melden. (juef)

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