Auszeit führt bis ans Ende der Welt

Eine junge Frau aus Carlsfeld hat ein Buch geschrieben. Mit dem will sie Mut machen, aus der Komfortzone auszubrechen.

Eibenstock.

Nicole Baumgärtel aus Carlsfeld ist überzeugt: Reisen kann alle Wunden heilen. Vor vier Jahren fuhr sie alleine los ans Ende der Welt. Alles, was sie mitnahm, waren ein zwölf Kilogramm schwerer Rucksack und jede Menge Stress.

Stress, das war es auch, warum die heute 30-Jährige damals einen Schnitt in ihrem Leben herbeiführte. Nach sieben Jahren Arbeit im Finanzwesen hatte Nicole Baumgärtel ein Studium zum Bachelor Wirtschaftsinformatik begonnen. Neben diesem arbeitete sie noch, ehrenamtlich und auch, um das Studium finanzieren zu können.

"Das Studium ist sehr anspruchsvoll, wir hatten viele Projektarbeiten, irgendwann hatte ich eine 60-Stunden-Woche, Wochenenden gab es für mich eigentlich nicht mehr", erzählt die junge Frau. "Studentenjobs werden nicht so gut bezahlt, da muss man mehr Stunden arbeiten, um aufs Geld zu kommen." Hinzu kam, dass sie sich in ehrenamtlichen Projekten engagierte. Nach drei Jahren war sie mit ihren Kräften "komplett am Ende". Eigentlich wollte sie direkt im Anschluss den Masterabschluss in ihrem Studium draufsetzen. Stattdessen entschloss sie sich, eine Auszeit zu nehmen.

Für eine längere Zeit ins Ausland zu reisen, hatte sie sich vorgenommen, seit sie 16 war. "Über meinem Schreibtisch hing eine Weltkarte. Als ich eines Abends auf der Couch saß und darauf schaute, habe ich nicht mehr lange herumüberlegt."

Im Oktober 2014 startete sie ihre "Reise ans Ende der Welt" mit den Stationen Singapur, Australien, Tasmanien und Neuseeland. Sie hatte sich vorgenommen, so lange unterwegs zu sein, wie ihr Geld reicht. "Ich habe meine Ersparnisse eingesetzt und mit einem geringen Budget gelebt", erzählt sie. Dazu gehörte unter anderem, in Hostels oder im Auto beziehungsweise Zelt zu schlafen. Das hieß natürlich auch immer, ohne Kühlschrank und ohne fließendes Wasser auszukommen.

Es ging einiges schief. "Kurz nach Reisebeginn verlor ich mein Geld aufgrund einer Entscheidung, die ich aus dem Bauch heraus traf. Doch dann stellte ich fest, dass dieses Bauchgefühl mein Leben rettete." Wer mehr über diese Situation erfahren will, der sollte das Buch von Baumgärtel lesen. Mit diesem will sie anderen Mut machen, etwas Neues zu wagen und aus der eigenen Komfortzone auszubrechen.

Ihr Masterstudium hat sie 2015 in Dresden begonnen. Zurzeit ist sie freiberufliche Autorin und schreibt als Online-Redakteurin für verschiedene Webblogs. An ihrem Buch hat sie auf der Grundlage von Tagebucheinträgen geschrieben, die sie während der Reise schon formulierte.

Den Vertrieb will sie über Books on Demand realisieren, das heißt, das Buch wird als Exemplar nur gedruckt, wenn es bestellt wird. Um die Kosten für Lektorat und Coverdesign sowie die Druckkosten für die ersten Exemplare zu decken, läuft bis 31. Oktober das Crowdfunding-Projekt "WeitBlick. Eine Reise ans Ende der Welt".

Am Ende ihrer Reise konnte sich Nicole Baumgärtel wieder auf ihr Studium freuen. "Ich hatte das Gefühl, dass die Akkus wieder voll sind und ich durchstarten kann", sagt sie. Angesichts vieler Rückschläge habe sie gelernt, positiv zu denken, "alles andere bringt einen nicht weiter".

www.startnext.com/weitblick

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