Bäuerliche Idylle auf 300 Jahre altem Hof

Lüftlmalerei ziert Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter, heute von Familie Jähn in Aue-Alberoda.

Aue.

Die Bäuerin mit Kopftuch und Schürze füttert die Hühner, der Bauer schwingt die Sense. Bäuerliches Idyll ist oft Inhalt von Lüftlmalerei, so wie auf dem drei mal zwei großen Bild von Matthias Nestler an der Wand des Wohnhauses, das zum Dreiseithof der Familie Jähn in Aue-Alberoda gehört.

Matthias Nestler aus Geyer, der als junger Mann auch bei Kunstmaler Wirth in Annaberg in die Lehre ging, erklärt zur Technik: "Das Wichtigste für die Silikatmalerei ist die Fläche, auf die das Bild kommt. Es muss eine mehrlagig, mineralisch geputzte und trockene Fläche sein, die dann mit einer speziellen Grundierung versehen wird." Gemalt wird dann mit Silikatfarben, die er aus der Schweiz bezieht. Am Schluss wird die Arbeit mit einem Bindemittel fixiert, was dazu führt, dass die kalkechten Farbpigmente mit dem Putzgrund verkieseln, was die Haltbarkeit des Bildes garantiert.

"Entwurf und Ausführung 2005" steht am Rand der Malerei auf dem Hof in Alberoda geschrieben. Die Familie hat sich in jenem Jahr mit der Lüftlmalerei selbst ein Geschenk gemacht. Denn drei Jahre nach dem August-Hochwasser von 2002 hatten sie sich doch entschlossen, den Hof zu behalten. Das Naturereignis von damals hätte fast zum Gegenteil geführt. Von einem oberhalb der Alberodaer Straße gelegenen Feld ergoss sich in jenem August eine Schlammlawine über den Hof und durch das Haus von Familie Jähn. "Dreck und Schlamm, 1,60 Meter hoch, das war Arbeit ohne Ende", erinnert sich die heute 53-Jährige. Man war nahe daran, die Hoffnung aufzugeben. "Aber die Hilfsbereitschaft aus dem Dorf und die Unterstützung von der Stadt waren so groß, dass wir weitergemacht haben", sagt Anne Jähn.

Landwirtschaftlich tätig waren und sind sie und ihr Mann Gunter allerdings nicht. Beide sind berufstätig und schaffen das zeitlich nicht. Das Lüftlbild soll aber auch daran erinnern, wie es früher auf so einem Hof ausgesehen haben kann: Dort stolziert ein bunter Hahn, um ihn herum picken vier Hühner nach Körnern, auch verschiedene Tauben sind dabei. "Die Tauben waren das Hobby von meinem Schwiegervater", erzählt Anne Jähn. Gustav Jähn, der heute in einem Pflegeheim lebt, hat den Hof, der seit 300 Jahren in Familienbesitz ist, im Jahr 2000 an seinen Sohn übergeben. Tauben und Hühner und einen kleinen frechen Spatz mittendrin bewacht übrigens Rudi, der Schäferhund war damals der Hofhund der Familie. Heute ist es die eineinhalbjährige Aika, ein Akita Inu Berner Sennenhund, der den Besucher auf dem Hof begrüßt. Zu den Gästen gehören neuerdings auch Urlauber, denn die Familie hat einen Bereich des Wohnhauses zu einer Ferienwohnung ausgebaut. Wenn das weiter so gut läuft wie bisher, kann sich die Familie eine Erweiterung des Angebots vorstellen.

Anne und Gunter Jähn haben vier Kinder, der große Sohn lebt mit der eigenen Familie weiter weg, die mittleren Jungs und die jüngste Tochter wohnen mit im Haus. Das ist von Vorteil, wenn Eltern und die 13-jährige Tochter Helene in Urlaub fahren, dann bewachen die beiden Buben (18 und 20) den Hof und kümmern sich um die Hasen im Stall, die beiden Hunde sowie die beiden Katzen.


Wir suchen Tipps!

Wer kennt oder hat selbst ein solch tolles Bild an seiner Hausfassade?

Es interessieren die Geschichten, die mit dem Bild verbunden sind - sei es zur Historie des Hauses oder zum Hobby des Hauseigentümers. Oder ist Ihnen ein solches Bild schon immer ins Auge gefallen? Dann schreiben Sie uns, wo wir es finden können.

red.aue@freiepresse.de

red.schwarzenberg@freiepresse.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...