BAK-Aus: Klinik entlässt letzte Patienten

Das Schneeberger Bergarbeiter-Krankenhaus ist Geschichte. Seit dem heutigen Mittwoch gibt es keine stationäre Versorgung mehr. Künftig soll an gleicher Stelle ein Gesundheitscampus entstehen. In der Stadt herrscht dennoch Frust.

Schneeberg.

Am gestrigen Dienstag ging in Schneeberg eine Ära zu Ende. Nach dem Mittagessen wurden am Nachmittag die letzten beiden Patienten des Bergarbeiter-Krankenhaus (BAK) entlassen. Ab dem heutigen Mittwoch ist das BAK nur noch Vermieter für die Poliklinik Chemnitz, einem Tochterunternehmen des Klinikums Chemnitz. Damit endete in dieser Woche die stationäre medizinische Versorgung in der Bergstadt. 1839 war das Krankenhaus in Schneeberg gegründet worden; 1947 wurde es zur Bergarbeiterklinik, als es für die im Uranabbau tätigen Kumpel der Wismut genutzt wurde. Es verfügte zuletzt über 95 Betten in der Chirurgie, Inneren Medizin und Geriatrie. 20 Ärzte und 80 Pflegekräfte waren am BAK tätig.

"Das ist eine Katastrophe", sagte am Dienstag vor dem Krankenhaus ein ehemalige langjährige Mitarbeiterin zum Aus. Die 71-Jährige hatte von 1965 bis 2011 im BAK als Schwester gearbeitet. "Wir waren ein sehr gutes Team. Ich habe mich im BAK immer wohl gefühlt", erklärte sie. Die Herausforderungen nach der Wende seien vor allem aufgrund des Engagements der Mitarbeiter gemeistert worden. "Nur deshalb hat das Krankenhaus so lange überlebt." Dass es jetzt trotzdem schließt, sei umso bedauerlicher, meinte die Schneebergerin. Sie hofft, dass mit dem Ausbau des bestehenden Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), die Versorgung in der Bergstadt weiter gut bleibt. Den Umbau zum MVZ und einem Pflegezentrum sieht der Plan des Klinikums Chemnitz für den Standort Schneeberg vor. Mit 74,9Prozent ist das größte kommunale Krankenhaus in Ostdeutschland der Hauptgesellschafter des BAK. "Wir als Stadt halten lediglich 25,1 Prozent der Gesellschaft", sagte Bürgermeister Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika). "Daher können wir letztlich nichts für die Mitarbeiter tun. Diese Hilflosigkeit ärgert mich." Der Einfluss der Bergstadt beschränke sich auf die Grundstücke und das Gebäude des BAK.

Seifert kritisierte erneut die Art und Weise, wie das Klinikum Chemnitz die Pläne zur Umstrukturierung den BAK-Mitarbeitern kommuniziert hat. "Dieser Prozess hätte stufenweise vollzogen werden müssen, dann hätte es keine Verunsicherung der Mitarbeiter gegeben", so der Bürgermeister. Stattdessen gab es nach Bekanntgabe der Schließung zahlreiche Kündigungen, sodass die Klinikleitung das Aus bereits sechs Monate vorzog.

"Am Montag konnten die Mitarbeiter wählen, ob sie einen Vertrag bei der Poliklinik, beim Klinikum Chemnitz oder einen Aufhebungsvertrag unterschreiben", sagte Seifert. Wer nicht nach Chemnitz gehen will, müsse Gehaltseinbußen in Kauf nehmen oder sich eine neue Arbeitsstelle suchen. "Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet haben. Sie können am wenigsten dafür, das nun dieser Schritt gegangen wird", sagte Seifert.

Am Montag hatte es eine Abschlussfeier der Schwestern gegeben Eine offizielle Veranstaltung zum Ende des BAK fand nicht statt. "Wir hatten das in Erwägung gezogen, uns aber entschieden, das Positive, nämlich den Neubeginn durch die Poliklinik und später die Altenhilfe, ab jetzt in den Mittelpunkt zu stellen", erklärt dazu Sophia Glock, die kaufmännische Geschäftsführerin des BAK. "Unser Dank gilt allen Mitarbeitern, die sich hier bis zum letzten Tag für eine gute Patientenversorgung eingesetzt haben. Ich denke, mit der Poliklinik ist der Neustart schon jetzt geglückt und bin zuversichtlich, dass sich der Standort gut weiterentwickeln wird." Im ersten Schritt sollen rund 15 Mitarbeiter weiterhin am Standort für die Poliklinik tätig sein.

Langfristig ist laut Sophia Glock eine ganzheitliche Umwandlung des Standortes inklusive Altenhilfe geplant. "Es entsteht der Gesundheitscampus Schneeberg, auf dem verschiedene Akteure ihre Gesundheitsdienstleistungen erbringen", erklärt sie. Neben der Poliklinik sind bereits heute verschiedene andere Praxen auf dem Gelände tätig, wie eine Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und ein ambulanter Pflegedienst.

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