Botschaft mit viel Liebe zum Detail

Mit dem diesjährigen Schneeberger Weihnachtsspiel ging eine Ära zu Ende. Die Kirchgemeinde ist zwei Männern zu Dank verpflichtet.

Schneeberg.

Seit 50 Jahren wird in der Schneeberger Hospitalkirche ein Weihnachtsspiel aufgeführt, dessen Text von dem Schneeberger Lehrer Walther Rau verfasst wurde. Sein Schwiegersohn, Frieder Stimpel, ist den meisten Schneebergern als ehemaliger Bürgermeister der Bergstadt bekannt. Aber auch als Spielleiter für eben dieses Weihnachtsspiel. Gemeinsam führte er mit Wolfgang Hänel über 40 Jahre lang Regie. In diesem Jahr war es das letzte Mal. Die beiden wurden am Montag zur Aufführung verabschiedet. Ihr Nachfolger wird Christian Sack sein.

"Die beiden haben mit einer ungeheuren Arbeitsleistung und mit großer Detailliebe Jahr für Jahr das Stück mit den Kindern und Jugendlichen einstudiert. Wir sind als Kirchgemeinde dafür sehr dankbar", sagt Pfarrer Frank Meinel. Stimpel und Hänel kennen sich seit der Kindheit. Beide haben beim Krippenspiel mitgemacht. "Wir sind vielleicht 60 Jahre schon dabei", sagen die beiden Männer. Stimpel ist 65 Jahre alt, Hänel 67. Sie wollten die Spielleitung in jüngere Hände geben, weil ihnen zunehmend der Kontakt zu jungen Leuten verloren geht und sie nicht mehr wissen, wo sie jemanden ansprechen sollen, um neue Darsteller zu finden. Denn viele gehen nach der Schule weg, dann rücken die jüngeren zwar nach, aber es braucht auch immer wieder kleinere Sänger und Schauspieler für die Rollen der Engel. Für den neuen Spielleiter, Christian Sack, sieht es da schon wieder anders aus. Seine Frau ist Sekretärin in der evangelischen Grundschule, ihre beiden Söhne William und Henry zehn und sieben Jahre alt. Für sie ist es einfacher, talentierte Darsteller in der Schule oder im Freundeskreis der Kinder zu finden. "Ich möchte einen fließenden Übergang herstellen, weil die Kirchgemeinde sich wünscht, dass das Stück von Walter Rau auch in Zukunft aufgeführt wird, will ich nicht groß etwas ändern", sagt der neue Spielleiter.


Etwa vier Wochen vor der Aufführung beginnen in jedem Jahr die Einzelproben bei Frieder Stimpel zuhause. Überlegt werden muss dann auch, ob die Rollen neu besetzt werden müssen. Für Maria und Josef gab es in diesem Jahr neue Darsteller. "Es kommt gar nicht so sehr auf die großen Gesten an", sagt Frieder Stimpel. Ihm ist es besonders wichtig, dass die jungen Darsteller laut und deutlich sprechen. Sie haben kein Mikrofon. "Zu den beiden Aufführungen ist die Kirche brechend voll, da sollen auch die, die ganz hinten sitzen, noch alles gut verstehen können", begründet der 65-Jährige, warum er da so streng ist. Jeder, der bei ihm neu angefangen hat, hat das verinnerlichen müssen. Wie der 19-jährige Samuel, der dieses Mal einen der Könige aus dem Morgenland darstellte. "Wir haben -zigmal zu hören bekommen, dass wir bei Ehre beispielsweise ein ordentliches 'E' sprechen sollen und kein sächsisches 'Ä'", erzählt der junge Mann. Im nächsten Jahr würde er ganz gern wieder mitmachen, "wenn man mich braucht". Er findet es ganz spannend, dass mit Christian Sack "ein neuer Wind reinkommt".

Frieder Stimpel und Wolfgang Hänel wollen nicht ganz Abschied nehmen. Wenn Hilfe gebraucht wird, stehen sie bereit, versichern die beiden.

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