Carlsfelder zeigt Bandonion-Schatz

Eine Ausstellung von Klaus Wallschläger widmet sich dem Instrument. Es gilt als Herz des Tangos. Mitte des 20. Jahrhunderts geriet es in Vergessenheit.

Carlsfeld.

Bis in die 1940er Jahre des 20. Jahrhunderts erfreute sich ein Volksinstrument großer Beliebtheit - das Bandonion. Sachsen und insbesondere Carlsfeld galten dabei als die Wiege des Bandonionbaus. Es machte den kleinen Erzgebirgsort weltberühmt. Als ein Stück Tango-Geschichte wird das Handzug-Instrument in Argentinien nahezu kultisch verehrt, während es in seiner Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg fast völlig in Vergessenheit geriet. Mit einer privaten Ausstellung will Klaus Wallschläger die Bandonionhistorie des Ortes erhalten und Touristen zeigen, was es mit dem Instrument auf sich hat.

Bereits seit einigen Jahren besinnt man sich in Carlsfeld wieder auf die bedeutende Geschichte des Bandonions. So wird seit 1993 ein alljährliches Bandoniontreffen veranstaltet, an dem sich Klaus Wallschläger erstmals 1995 mit einer Vitrine von Bandonionteilen aus Carlsfeld beteiligte. Selbst richtig spielen gelernt hat der 62-Jährige das Instrument aber nie, gibt er zu. "Es gab zu DDR-Zeiten niemanden, der mir das Bandonionspielen beibringen wollte", erzählt der Carlsfelder. Jedoch sollte sein Sohn Robert besser mit dem Instrument vertraut werden. Unter anderem deshalb wuchs die persönliche Sammlung an Bandonions von Klaus Wallschläger an, sodass er im Jahr 2000 ein Wirtschaftsgebäude auf seinem Grundstück für eine eigene Ausstellung umbaute. "Anfangs stellte ich circa 20 Instrumente zusammen mit Infotafeln aus, die allesamt in der Region hergestellt wurden", berichtet er.

In Carlsfeld wurden von 1849 bis 1964 über 100.000 Bandonions gefertigt. Als Carlsfelder Konzertina wurde das Instrument von Carl-Friedrich Zimmermann 1849 erstmalig zur Weltausstellung in Paris präsentiert. Er vergrößerte anschließend das Instrument für einen volleren Tonumfang. Ab circa 1856 bezeichnete man das neuartige Instrument als Bandonion, benannt nach dem Instrumentenhändler Heinrich Band.

Als Carl-Friedrich Zimmermann 1864 in die USA auswanderte, übernahm der ehemalige Werkmeister Ernst Louis Arnold seinen Betrieb, welcher später als ELA firmierte. Nach dessen Tod 1910 übernahmen seine drei Söhne das Unternehmen - Sohn Alfred stieg ein Jahr später aus und gründete die berühmte Firma Alfred Arnold. Beide Betriebe wurden zu DDR-Zeiten enteignet und in den 1950er-Jahren in die Harmonika-Werke Klingenthal eingegliedert. 1964 wurden schließlich alle Produktionsstätten in Carlsfeld endgültig geschlossen.

Aktuell befinden sich im 40 Quadratmeter großen Museumsraum von Klaus Wallschläger rund 70 Instrumente, darunter auch ein Bandonion aus Brasilien. "Die meisten Besucher sind aus dem Ausland: Australien, Japan, Brasilien, Argentinien, Uruguay sowie anderen europäischen Ländern", sagt er. Einen Großteil der Instrumente hat er dabei von den Nachkommen erzgebirgischer Musiker erworben. Die Erben wollten die Bandonions nicht entsorgen.

"Einen Teil davon habe ich an neue Mitglieder vom Bandonionverein Carlsfeld verkauft, andere habe ich selbst behalten", erzählt Klaus Wallschläger. Unter anderem besitzt er ein achteckiges Bandonion, das nur einmal angefertigt wurde. "Dieses stammt von der Firma Alfred Arnold. Es wurde in den 1930er-Jahren hergestellt und ist bis heute noch bespielbar", sagt er stolz. Außerdem ist er auch im Besitz eines Bandonions von Carl-Friedrich Zimmermann, das bereits in den 1850er-Jahren gefertigt wurde. "Es ist das älteste Instrument in der Ausstellung", so Klaus Wallschläger, der sich wünschen würde, noch weitere Instrumente von Carl-Friedrich Zimmermann zu erhalten.

Eine Besichtigung der Ausstellung ist nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 037752 4104 möglich.

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