Das Ding aus dem Teich

Beim Entleeren eines Fischgewässers fand ein Mann aus Aue ein seltsames Objekt. Selbst Experten waren zunächst ratlos.

Aue.

Ein rundes Ding mit einem gallertartigen Überzug, durch den man so etwas wie ein Gehirn sehen kann. Oder Stängel voller Samen. Tier oder Pflanze? Vor dieser Frage stand Manfred Klein (67) aus Aue, als er in diesem Herbst wie in jedem Jahr dabei half, den Teich seiner Familie abzufischen. "Wenn das Wasser dann fast komplett raus ist, ziehen wir uns Gummistiefel an, und ich gehe mit meinen Enkeln auf die Suche", sagt der Rentner.

Der Teich liegt in Wildenau, einem Ortsteil der Gemeinde Steinberg, unweit von Stützengrün. Die Ausbeute in diesem Jahr war sehr interessant, sagt Manfred Klein. Der Opa und seine Enkel fanden Teichkrebse, Libellenlarven, die wie abgetauchte Außerirdische aussahen, und eine Stabwanze, die an eine Unterwasser-Gottesanbeterin erinnerte. Und dann entdeckten sie das Ding.

"Ich hatte so etwas noch nie gesehen", sagt der Auer. "Die Kapsel, die auf den Fotos wie Gallert wirkt, war relativ fest. Es fühlte sich wie Plaste an, aber es war nichts Künstliches, sondern irgendetwas, das lebt oder zumindest mal gelebt hat."

Aber was? Fischeier? Ein Insektengelege? Eine Molluske? Nichts passte. "Ich habe Erkundigungen eingeholt und im Internet recherchiert, aber ich habe keine Erklärung gefunden", sagt der Auer.

Auch die "Freie Presse" beteiligte sich an der Spurensuche. Versuch Nummer eins: Wir luden ein Foto des seltsamen Objekts in die Google-Bildersuche hoch. Dabei stöbert die Suchmaschine im Internet Fotos auf, die dem vorgegebenen ähneln. Ergebnis: Möhrenkuchen. Google schlug mehrere Gebäcksorten vor, aber nichts, was auch nur annähernd dem Fund entsprach. Versuch Nummer zwei: Die Befragung von Fachleuten. Die Fotos wurden von Biologen und Fischereifachleuten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie begutachtet. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es vermutlich eine aufgeplatzte Frucht ist, die ins Wasser geworfen wurde", sagte eine Sprecherin der Behörde. Weil keine heimische Pflanze passte, auch keine eingeschleppte, blieb das Rätsel trotzdem ungelöst.

Versuch Nummer drei: Botaniker, die sich mit exotischen Pflanzen auskennen. Barbara Ditsch vom Botanischen Garten der TU Dresden vermochte das Objekt aber ebenfalls nicht zuzuordnen. Sie kontaktierte einen Kollegen vom Botanischen Garten der Uni Leipzig, der auch nicht weiterhelfen konnte.

Wolfgang Riether aus Annaberg, der für den Verein Pro Naturschutz Sachsen arbeitet und ein profunder Kenner der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt ist, war zunächst ähnlich ratlos, wie die anderen Experten. Nach Rücksprache mit mehreren Naturfreunden fand er aber eine Spur: "Es könnte die Fruchtkapsel einer asiatischen Seerosenart sein."

Seerosen gibt es im Fischteich seiner Familie, meinte Manfred Klein. Wenn auch keine asiatischen ...

Mit der Seerosen-Spur konnte Barbara Ditsch vom Botanischen Garten Dresden etwas anfangen. In einer Datenbank der Universität Hawaii fand sie ein Foto, das belegt: Die Fruchtkapseln von Seerosen sehen tatsächlich so aus. "Es gibt kaum solche Fotos, weil diese Fruchtkapseln für gewöhnlich unter Wasser liegen, wo niemand sie sieht", sagt die Botanikerin. Es sei denn, ein Opa lässt einen Teich ab und geht mit seinen Enkelkindern auf Entdeckertour.

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