Das eigene Haus am Haus als Hommage an die Heimatstadt

Lüftlmalerei ziert Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter, heute von Familie Leischel aus Grünhain.

Grünhain.

Im Sommer vergangenen Jahres hat die Stadt Grünhain-Beierfeld ein großes Fest ausgerichtet. Anlass war die Verleihung des Stadtrechts an Grünhain vor 750 Jahren. Und wenn im Erzgebirge eine solche Feier ins Haus steht, dann versucht jeder Einwohner sein Haus so schön und originell wie möglich zu gestalten. Das wollten auch Sybille und Armin Leischel. Ihr Haus steht an der Gartenstraße.

"Wir hatten geplant, bis zur Festwoche im August unser Haus generell mit einem neuen, grünen Anstrich zu versehen. Während der Arbeiten kam uns die Idee mit dem Wandbild", erzählt Armin Leischel.

1972 hatte das Ehepaar das Haus gekauft, um es nach seinen Bedürfnissen umzugestalten. Im September 1976 war es bezugsfertig. Und während der Bauarbeiten hatten sie eine Kohlezeichnung aus den 1950er Jahren gefunden, worauf ihr Haus mit dem auf dem Nachbargrundstück befindlichen Lorenz-Bauerngut zu sehen ist. "Genau diese Zeichnung diente als Vorlage für das Wandbild", so Leischel.

Eingearbeitet wurden außerdem: das Wappen des Familiennamens "Leischel", der übrigens bis ins Jahr 1631 nachweisbar sei. Der Baum, links im Bild, soll zudem an eine Edelfichte erinnern, eine Kreuzung zwischen Fichte und Tanne, die im September 1975 gepflanzt wurde, nach 42 Jahren die stattliche Höhe von 20 Metern erreichte hatte und am 2. Oktober 2017 gefällt wurde. Die Katze kam auf Wunsch von Ehefrau Sybille mit aufs Bild und steht für deren Liebe zu den schnurrenden Vierbeinern. Katzen gehörten von Anfang an zu den Tieren im Hause. Ab 1992 waren es sogar Kartäuser-Rassekatzen - bis 2011 waren das Kater "Asrael" und danach Katzenfräulein "Lilly".

Der Auerhahn rechts im Bild sei als Hommage an die Stadt gedacht, weil es das Tier des Grünhainer Stadtwappens ist. Die letzten Pinselstriche für das Wandbild, das der Auer Maler und Grafiker Axel Dietz gemeinsam mit seiner Enkelin Linda Behn an die Wand gezaubert hat, erfolgten am 19. August 2017. Gemalt wurde mit Acrylfarben, die sich nach Auskunft von Axel Dietz bisher immer gut bewährt haben. Der 76-Jährige ist zwar bereits im Ruhestand, lässt aber ab und zu seiner Kreativität hobbymäßig freien Lauf.

Die Geschichte des Hauses der Leischels reicht indes belegbar bis ins Jahr 1744 zurück. Es bestand im Erdgeschoss aus 60 Zentimeter dicken Wänden, darauf aufgesetzt ein Fachwerk mit Stroh und Lehm verputzten Wänden. Das Bauerngut diente noch bis in die 1990-er Jahre teilweise als Wohnhaus und wurde genauso wie die Lehrwerkstatt des Waschgerätewerkes vorm Bau des neuen Feuerwehrdepots abgerissen. Wo das Bauerngut stand, befindet sich heute der Parkplatz für die Fahrzeuge der Feuerwehrleute.

"Seit wir 1975 das Haus gekauft haben, hat sich in der Umgebung unseres Grundstückes sehr viel verändert. Verschwunden sind nach und nach zahlreiche Gebäude im Umfeld", sagt er. Nach dem Abriss des Kunstmann-Hauses direkt neben unserem Grundstück, erweckte Sybille Leischel diese Brache zu einer blühenden Gartenlandschaft, die bereits sehr viel Lob erhielt.

"Mit unserem attraktiven Wandbild wollten wir ein wenig an die Historie des Grünhainer Stadtkerns erinnern und sind heute froh und glücklich, dass wir es genauso gemacht haben", so Leischel.


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