Das große Brettspiel mit den Postfilialen

Beierfeld hat nach fast einem Jahr wieder eine Postfiliale, die in Neuwelt schließt zum Monatsende. Ein Problem: geeignete Geschäftspartner.

Schwarzenberg/Beierfeld.

Ein bisschen erinnert das Netz der Postfilialen an ein großes Brettspiel, bei dem die Figuren ständig verschoben werden. Für die Bürger ist dies nicht spannend, sondern nervig.

Ende Januar schließt nun die Postfiliale in der Q1-Tankstelle in Neuwelt. Der neue Pächter bietet diesen Service künftig nicht mehr an. "Das schaffen wir kapazitätsmäßig nicht mehr", sagt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage der "Freien Presse" zu den Gründen für diesen Entschluss. Die Post habe bereits versucht, im Umfeld neue Geschäftspartner zu finden. Doch erfolglos.

Heidi Wiesner vom Heimatverein Neuwelt macht sich deshalb Sorgen, vor allem um die älteren Einwohner des Stadtteils. "Wir müssen jetzt bis nach Sachsenfeld, hab' ich gehört. Aber ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wo dort eine Postfiliale sein soll", wendet sie sich um Rat suchend an die "Freie Presse".

Kerstin Ficker, die Inhaberin des Markgrafen-Getränkemarkts am Roten Mühlenweg in Schwarzenberg, hat sich bereit erklärt, eine Postfiliale in ihrem Geschäft mit anzubieten. "Ich bin gerade dabei, dafür entsprechende Platz zu schaffen. Am 3. Februar soll das hier losgehen", sagt sie auf Nachfrage. Wenngleich sie auch zugibt, noch nicht richtig zu wissen, wie es wird und was da an Neuem auf sie zukommt. Dennoch sieht sie die Notwendigkeit für diesen Service sehr wohl.

Die Deutsche Post AG präferiert schon seit Jahren ein Filialnetz, bei dem bereits bestehende Geschäfte als Servicepartner gefunden werden. Doch das gestalte sich zunehmend schwieriger, weil gerade im ländlichen Raum immer mehr Geschäfte schließen, sagt Mattias Persson, der Pressesprecher der Deutschen Post aus Berlin.

In Beierfeld war das ähnlich. Nachdem dort die langjährige Inhaberin eines Geschäfts an der August-Bebel-Straße in den Ruhestand gegangen ist und der Nachfolger nun das Geschäft geschlossen hat, war Beierfeld über viele Monate im Jahr 2019 ohne eine Postfiliale. Dieses Problem wurde mehrfach im Stadtrat kritisch angesprochen. Aus dem Rathaus gab es entsprechende Schreiben an die Post. "In Kommunen mit mehr als 4000 Einwohnern müssen wir eine Filiale oder einen Servicepunkt schaffen, das schreibt die Postuniversaldienstleistungsverordnung verpflichtend fest", erklärt dazu Mattias Persson. Allerdings gingen auf die ersten Ausschreibungen für eine personelle Besetzung keine Bewerbungen ein.

Daraufhin ergriff Heiko Schmidt, ein Stadtrat der Freien Wähler und selbstständiger Gastronom, die Initiative und war bei der Suche nach geeignetem Personal behilflich, wie er der "Freie Presse" sagte. "Ich habe einfach eine Bekannte, von der ich wusste, dass sie es kann, angesprochen und ermutigt, sich dafür zu bewerben", so Schmidt.

Diese Frau ist Ines Lissel aus Schwarzenberg. Sie habe schon früher im Geschäft ihrer damaligen Chefin in Beierfeld die Postsachen erledigt, erzählt die 59-Jährige. Jetzt, da sie auch privat sich ihre Zeit wieder flexibler einteilen könne, kam ihr der Vorschlag von Heiko Schmidt nicht ungelegen. Im Eckladen an der Frankstraße in Beierfeld, bis vor kurzem noch eine Bäckereifiliale, ist seit Mitte November nun also eine Postfiliale zu finden, die wochentags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet ist, dazu samstags von 9 bis 12 Uhr. Bis auf Postbankgeschäfte werden dort alle Postdienstleistungen angeboten. Seit dieser Woche steigt mit Dagmar Bauer aus Zschorlau eine zweite Teilzeitkraft mit ein, die gerade eingearbeitet wird.


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