Das ist sein Fahrplan für die Einheitsstadt

Wahlen 2019: Andreas Rössel will Stadtchef von Aue-Bad Schlema werden. Der Linke ist erst seit wenigen Jahr in der Politik aktiv. Das birgt Vor- und Nachteile.

Aue-Bad Schlema.

Andreas Rössel grüßt die Leute freundlich, während er über den Postplatz in Aue geht. "Ich denke, das sollte man tun als Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl", sagt er. Viele erkennen ihn dabei aber nicht. Ein Nachteil für ihn im direkten Vergleich mit den anderen vier Kandidaten? Die standen bisher mehr in der Öffentlichkeit. Rössel ist bekannter in seinem Heimatort, in Bad Schlema, dort hat er seit 2014 im Gemeinderat gesessen. Gewählt wurde er mit dem Mandat der Linken, in die Partei eingetreten ist er 2016.

Als Rössel noch im Gemeinderat saß und es um die Fusion mit Aue ging, gehörte er zu deren Kritikern. Er, ein weiterer Gemeinderat von den Freien Wählern sowie NPD-Politiker Stefan Hartung stimmten gegen den Entwurf des Fusionsvertrages. Öffentlich zweifelte er an, ob von Aue die gleiche Augenhöhe zu Bad Schlema gewollt sei oder ob Bad Schlema "einkassiert" werden soll. Wie steht der 51-Jährige heute dazu? "Mir wird immer angehängt, dass ich gegen die Fusion gewesen sei, das stimmt so nicht. Den Gedanken zu einer Stadt Silberberg mit vier Kommunen hätten wir als Linke unterstützt, aber immer einen Bürgerentscheid vorausgesetzt. Und den hätten wir für die Fusion von Aue und Bad Schlema auch gewollt."


Rössel sagt von sich, nicht der geborene Politiker zu sein. In die Kommunalpolitik sei er mehr oder weniger "reingerutscht". Als er 2014 in den Gemeinderat gewählt wurde, war er überrascht, die zweitmeisten Stimmen nach Rolf Niemann für die Linken auf sich vereinigt zu haben. Mit dem Beitritt zur Partei Die Linke habe er deutlich machen wollen, dass er zu seinen Idealen steht. Und die rühren bei ihm in erster Linie aus der Familiengeschichte her. Vor allem sein Großvater, Kurt Rössel, habe ihn geprägt. Im Elternhaus als auch von Lehrern an der Friedrich-Schiller-Schule in Bad Schlema sei ihm ein humanistisches Weltbild vermittelt worden.

Mit seiner Kandidatur als Linker für das Oberbürgermeisteramt verfolgt Rössel das Ziel, den sozialen Aspekt wieder stärker in den Vordergrund zu stellen. Und ob er nun zum OB gewählt wird oder nicht - "gewonnen habe ich schon mit der Kandidatur", sagt er.

Kritisch wird die Kandidatur Rössels von Fraktionskollege Hans-Peter Eichmann gesehen. "Er hat einfach noch nicht die kommunalpolitische Erfahrung, die das Amt eines Oberbürgermeisters meiner Meinung nach fordert", sagt Eichmann. Auch die ablehnende Haltung Rössels zur Fusion von Aue und Bad Schlema im Gemeinderat Bad Schlema stößt Eichmann sauer auf. Bei seiner Einschätzung gibt Eichmann jedoch zu bedenken, dass er Rössel zu wenig kenne. "Ich habe ihn erst voriges Jahr kennengelernt, für meine Begriffe weiß er zu wenig von Aue."

Versöhnlicher klingt es bei Frank-Michael Horbach (Mandat SPD). Die beiden saßen im Gemeinderat Bad Schlema. "Er ist ein ruhiger, mit Bedacht agierender Mensch, auf Ausgleich und soziale Gerechtigkeit bedacht", sagt Horbach. Zwar hätten die anderen Kandidaten ihm manches voraus, doch mit Rössel käme auch frischer Wind ins Amt des Oberbürgermeisters. "Bei ihm habe ich das gute Gefühl, dass er sich in den normalen Bürger hineinversetzen kann."

Für ihn komme es jetzt darauf an, aus den zwei Orten eine Stadt zu formen, sagt Rössel. "Das wird nicht einfach, weil es den Bürgern doch irgendwie übergestülpt wurde. Wir müssen aus der Situation das Beste machen." Vor allem um Verbesserungen im Nahverkehr will er sich kümmern, von denen sollen die Bewohner aller Ortsteile profitieren.

Die neue Stadt sei sehr vielfältig, als Sportstadt, Wirtschaftsstandort, touristisch mit ihren reichen Bergbautraditionen. Rössel ist Mitglied im Traditionsverein der Wismut und im Vorstand der Sächsischen Bergmanns-, Hütten- und Knappschaftsvereine. Eine Freizeitbeschäftigung, die er als sehr zeitaufwendig beschreibt. Als selbstständiger Finanzberater ist er quasi rund um die Uhr für seine Kunden da. "Und ich habe ja auch noch Familie." Zu der gehören Frau Heike, Tochter Isabel (29) und Kater Simba (4). 1997 hat die Familie in Bad Schlema ein Haus gekauft - "in der Siedlung, in der ich aufgewachsen bin", sagt der 51-Jährige. "Hier gibt es immer viel zu tun." Sonntag ist Familientag, da kommt auch die Tochter, die mit ihrem Freund in Bockau wohnt, zum Essen. Und dann kocht auch Andreas Rössel ganz gern mal. "Immer nach Rezept, ich bin jedes Mal gespannt, ob es gelingt", sagt er schmunzelnd.


Zur Person

Geboren am 7. Juni 1968 in Schlema. Nach dem Besuch der Polytechnischen Oberschule Schlema Ausbildung zum Facharbeiter für Isoliertechnik. 1992 Ausbildung zum Bausparkassenfachmann. Heute tätig als selbstständiger Finanzberater.

Familie: Andreas Rössel ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Hobbys: Stellvertretender Vorsitzender und Leiter der Paradegruppe des Bergbautraditionsvereins Wismut und Mitglied im Vorstand des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine.

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