Der Kantor radelt und radelt

Marketing-Gag für die Silbermanntage: Petrikantor Clemens Lucke fährt mit seinem Bike 223 Kilometer von Schneeberg bis Dresden. An einem Tag machte er an allen zehn Veranstaltungsorten Station. Und die Tour war nicht ohne.

Freiberg/Schneeberg.

Schweißtreibende Marketingaktion: Der Freiberger Petrikantor Clemens Lucke hat am gestrigen Donnerstag eine Radtour von Schneeberg nach Dresden unternommen. Dabei bezwang der 33-Jährige genau 223 Kilometer. Er trug ein weiß-blaues Trikot mit der Aufschrift "Musik & Macht - Silbermanntage". Denn mit seiner anspruchsvollen Radtour will der gebürtige Wittenberger auf das Festival aufmerksam machen, das vom 4.bis 15. September seine 23.Auflage erlebt. Lucke fuhr an einem Tag zu allen neun Konzertorten in der Region zwischen Freiberg, Dresden und dem Erzgebirge. Und zwar mit seiner Muskelkraft - ein E-Bike nutzt der passionierte Radsportler nicht. Start war 8 Uhr.

14.20 Uhr kam der radelnde Kantor an der Station Freiberger Dom an. Dort wurde er von Dompfarrer Urs Ebenauer, Geschäftsführerin Kristine Schmidt-Köpf und Pressesprecherin Claudia Kallmeier von der Silbermann-Gesellschaft sowie Ulrike Träger, die Referentin von OB Krüger, erwartet. "Bisher lief es sehr gut. Den bergigsten Teil habe ich hinter mir", sagte Lucke. Außer Puste war er nicht, auf die körperliche Anstrengung deutete lediglich eine leichte Rötung seines Gesichts hin. 130Kilometer hatte er in Freiberg schon hinter sich, mal war er mit 15Stundenkilometern, mal mit bis zu 73 Sachen unterwegs. "Geschoben habe ich nur an Baustellen, damit ich keine Umleitung fahren musste." Mitarbeiterinnen der Silbermanngesellschaft begleiteten ihn mit dem Auto und warteten jeweils an der nächsten Station.

Auf der Strecke zwischen Schneeberg und Freiberg stärkte er sich mit reichlich zweieinhalbLitern Wasser, Bananen und Energieriegeln. Zudem hatte Claudia Kallmeier ihm extra Nudeln mit Tomatensoße gekocht. In Marienberg war Lucke von Kirchenmusikdirektor Rudolf Winkler mit Orgelmusik und Eierschecke empfangen worden. "Nach der ersten Etappe, die es aufgrund der Berge und Täler in sich hatte, war das eine schöne Belohnung", so Lucke. In Cämmerswalde spielte Kantor Christian Domke für seinen Berufskollegen an der Orgel und kredenzte ihm selbst gebackenen Pflaumenkuchen. "Darüber habe ich mich riesig gefreut", sagte Lucke.

15.12 Uhr düste er über die Domgasse weiter gen Bieberstein. An der Dresdner Hofkirche empfing ihn 19.33 Uhr Albrecht Koch, Domkantor und Präsident der Silbermann-Gesellschaft. Koch hatte die Idee für die Radtour. 2017 zählten die Silbermann-Tage rund 7000 Gäste. Vielleicht werden es diesmal durch die Aktion noch ein paar mehr.


30 Veranstaltungen geplant

Unter dem Motto "Musik & Macht" widmen sich die 23. Silbermann-Tage vom 4. bis 15. September der Frage nach dem Klang der Macht und der Verbindung zwischen der Kunst und den Herrschenden. Das teilt Claudia Kallmeier von der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Freiberg, dem

Veranstalter des Festivals, mit. Im Vorjahr seien rund 7000 Besucher gezählt worden. Ähnlich viele würden bei der 23. Auflage erwartet.

Unter der künstlerischen Leitung von Domkantor Albrecht Koch, zugleich Präsident der Silbermanngesellschaft, bieten die diesjährigen

Silbermann-Tage rund 30 Veranstaltungen an zehn Orten. "Ganz bewusst bewegt sich das Festival auch abseits der Kulturzentren und geht mit namhaften Künstlern in kleine Städte und Dörfer", so Claudia Kallmeier. In

Cämmerswalde spielt das Capricornus Consort Basel, in Forchheim erklingen die originalen silbernen Trompeten der Sächsischen Garde du Corps von 1753, im Schloss Bieberstein ist mit Lorenzo Ghielmi am Hammerflügel einer der führenden Spezialisten für Alte Musik zu Gast. In Marienberg treffen beim "Machtkampf Gott/Teufel" zu Petr Ebens "Hiob" Schauspieler Ulrich Noethen, Tanzperformance vom Derevo-Laboratorium und Domorganist Albrecht Koch aufeinander.

Das Eröffnungskonzert am

4. September ab 20 Uhr im Dom zu Freiberg blickt nach Versailles und Dresden - zwei Höfe der Barockzeit. Mit dem Collegium Vocale Leipzig

und Erwan Le Prado an der Großen Silbermann-Orgel führt das Ensemble Merseburger Hofmusik unter der

Leitung von Michael Schönheit "Musik für Könige" auf - darunter Charpentiers 'Te Deum', das zur Fanfare der Eurovision wurde, und die Urfassung der Messe in h-Moll, die Bach August dem Starken widmete. MDR Kultur wird das Konzert aufzeichnen.

Parallel zum Festival findet zum 14.Mal der Internationale Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb statt.28 junge Organisten aus elf Ländern treten an. (hh)www.silbermann.org

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...