Die Mitbringsel von der Heilquelle

Auf Schatzsuche Die Erzgebirgsregion ist reich an Kulturgütern. Die einen sind öffentlich zu sehen, andere schlummern in Depots. Um viele ranken sich interessante Geschichten. Heute: Die Kursouvenirs aus Warmbad.

Wolkenstein.

Eine heilende Wirkung ist diesen Utensilien auf den ersten Blick nicht wirklich anzusehen. Neben einem Weinglas fallen dem Betrachter zum Beispiel ein Aschenbecher und ein kleiner Bierkrug ins Auge. Sogar etwas für den Schnapsverzehr ist dabei. Und doch entstammt diese Sammlung einem Ort, der schon unzähligen Besuchern zur Stärkung der Gesundheit verholfen hat. Schließlich wurde die warme Quelle von Warmbad bereits um 1385 bei Bergbau-Arbeiten entdeckt und hat sich seither zu einem beliebten Kurort gemausert. Neben dem gesundheitlichen spielt in diesem Wolkensteiner Ortsteil aber auch der touristische Aspekt eine Rolle - und genau dem widmet sich diese Sammlung von Warmbader Souvenirs.

"Solche Mitbringsel sagen eine Menge aus über Designertrends und Vorlieben in der jeweiligen Epoche", erklärt Sandra Dürschmied. Die gebürtige Görlitzerin arbeitet seit 2016 als Museumspädagogin im Schloss Wolkenstein, dessen Ausstellungsräume vor allem für das "Land der Amethyste" bekannt sind. Auch auf die handwerklichen Traditionen der Stadt wird ausführlich eingegangen. Erst wer geduldig die Gänge entlang schlendert und ganz genau hinschaut, stößt irgendwann auf die "Warmbader Ecke". Unter einem Altarbild, das aus der ehemaligen Wallfahrtskapelle von Warmbad stammt, stehen dort auch eine Glocke aus der sogenannten Sandkirche sowie zwei große Vitrinen. Die darin ausgestellten Post- und Ansichtskarten samt weiterer Dokumente liegen Sandra Dürschmied besonders am Herzen, denn diese Präsentation war vor fünf Jahren ihre allererste Aufgabe in Wolkenstein.

Inzwischen teilt sich die 31-Jährige die Museumsleitung mit Uta Liebing. Und mit ihrer Verantwortung ist auch die "Warmbad-Ecke" gewachsen, denn immer wieder geben ältere Menschen aus der Region Zeitzeugnisse ab. "Erst Ende vergangenen Jahres kam jemand vorbei und überreichte uns ein kleines Set bestehend aus einer Vase und zwei Mokkatassen", berichtet die Museumspädagogin. Bevor es daheim im Schrank verstaube, solle lieber die breite Öffentlichkeit etwas davon haben, so die Worte der Spenderin. Der via Amtsblatt publizierte Aufruf des Museums, Souvenirs aus Warmbad für die Nachwelt zu bewahren, trage also offenbar Früchte.

Genauso spiele mitunter aber auch der Zufall eine Rolle. So durfte sich Bürgermeister Wolfram Liebing letztlich selbst über ein Geschenk freuen, als er einmal in Warmbad einer Rentnerin zu ihrem runden Geburtstag gratulieren wollte. Im Namen des Museums nahm der die Schnabeltasse an, die nun in der Vitrine bestaunt werden kann. "Damit wurde früher das Heilwasser getrunken", erklärt Sandra Dürschmied, die außerdem auf das Motiv dieses Exemplars verweist. Wie auf der Vase und einer der beiden Mokkatassen ist ein Abbild des 1954 eingeweihten Klubhauses zu sehen, besser bekannt als Pawlow-Haus. "Das war typisch für die Mitte der 1950ere-Jahre", so die Museumspädagogin. Schließlich habe der Wismut viel daran gelegen, das von ihr erbaute Sanatorium bekannt zu machen. Dagegen sei es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mehr um den praktischen Aspekt gegangen. So ist in der Ausstellung zum Beispiel auch ein kleines Kästchen aus Holz zu finden, das der Aufbewahrung von Schmuck diente.

In der Gegenwart würden keine Warmbader Souvenirs mehr gefertigt. "Es ließe sich bestimmt eine Firma dafür finden", sagt Sandra Dürschmied. Aber alles habe seine Zeit, und offenbar liegen solche Mitbringsel derzeit nicht im Trend. "Aber das kann sich wieder ändern", meint die Museumspädagogin, die auch so genug zu tun hat. Schließlich arbeitet sie gerade mit moderner Software für Objekterfassung an einer neuen Datenbank. Und zu der sollen noch möglichst viele Kurtassen aus vergangenen Warmbader Tagen dazukommen. "Da draußen schlummern garantiert noch viele verborgene Schätze." Da ist sich die 31-Jährige sicher.

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