Ehrung für "unerotisches" Handwerk

Nicht nur bei der Oscar-Verleihung passieren Pannen. Eine solche hat auch dazu geführt, dass Gleichstellungsministerin Petra Köpping jetzt ins Erzgebirge kam.

Schwarzenberg/Dresden.

Sie hat Wort gehalten, und das wiederum hätte die Schwarzenberger Unternehmerin Ulrike Schröder-Schubert nicht gedacht. Die Rede ist von Petra Köpping, SPD-Politikerin und seit 2014 Staatsministerin für Gleichstellung und Integration im Sächsischen Landtag. Am Donnerstag kam sie persönlich ins Erzgebirge, um eine kleine Peinlichkeit, die am 20. Januar zur Übergabe des Gründerinnenpreises in der Messe Dresden passiert ist, wieder "auszubügeln".

Denn bei der Ehrung der sächsischen Gründerinnen sollten und durften die ersten sieben Frauen auf die Bühne. Nach vorn gingen da auch Ulrike Schröder-Schubert, Chefin der Orthopädie-Schuhtechnik Schwarzenberg, und Caroline Schiller aus Marienberg, Inhaberin einer Ergotherapiepraxis. Doch für diese beiden Frauen aus dem Erzgebirge waren keine Urkunden da. "Das war schon etwas peinlich für alle", sagt die 39-jährige Schwarzenbergerin, die 2011 die mit langer Tradition behaftete Handwerksfirma ihrer Eltern übernommen hatte, sie weiter ausgebaut hat und das mittelständische Unternehmen heute mit 34 Mitarbeitern führt. Dass dies keineswegs leicht ist, daraus macht die junge Chefin keinen Hehl. Offenherzig und ohne Schnörkel schildert sie ihre Sorgen als Unternehmerin und führt dabei die Gäste aus der sächsischen Landespolitik am Donnerstagabend durch die Räume ihrer Firma an der Uferstraße. Sie scheut auch nicht, mehrfach zu betonen, dass die seit Monaten baubedingt währende Vollsperrung dieser Straße vor ihrer Tür nicht nur an den Nerven, sondern vor allem an den Umsätzen zehrt. "Es ist bald geschafft", so OB Hiemer. Auf einen Termin wolle sie sich dennoch nicht festlegen - witterungsbedingt.

Dreimal schon war Ulrike Schröder-Schubert mit ihrer besonderen Handwerksfirma für den Gründerinnenpreis vorgeschlagen. Dass es diesmal geklappt hat, habe sie selbst überrascht. "Orthopädie-Schuhtechnik - das ist eben ein völlig unerotisches Handwerk", scherzt sie über das, was sie und ihre Mitstreiter tun, wohlwissend, dass es für eine Vielzahl von Menschen eine enorm wichtige Tätigkeit ist. Denn unzählige Menschen benötigen spezielles, passgenaues Schuhwerk, um überhaupt laufen zu können. Zudem ist das, was in den Werkstätten in Schwarzenberg entsteht, faszinierende Handwerkskunst. Maßgefertigte Schuhe - und das sowohl auf Rezept aus medizinischer Notwendigkeit heraus als auch in Form edler Sonderanfertigungen für Herren. "Das Gros der Aufträge arbeiten wir aber auf Rezept", so die Chefin. Doch die Zuzahlungen der Kassen seien seit Jahren fix, obwohl die Rohstoffpreise für das verwendete umweltzertifizierte Leder steigen.

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