Eigenwilliger Kater sorgt für Wirbel

Weil eine Samtpfote nicht gern nach Hause geht, lieber anderswo nächtigt, gab es am Montag einen Polizeieinsatz in Grünstädtel. Doch auch von Beamten ließ er sich nicht fangen.

Grünstädtel.

Es ist Montagmorgen kurz vor 8 Uhr, als vier Polizeifahrzeuge nach Grünstädtel fahren. Ihr Ziel sind die Räume vom Pflegedienst Sigi an der Straße Am Pöhlwasser. "Ich dachte, ich träume, als plötzlich etwa 15 Polizeibeamte mit Schutzwesten vor der Tür standen", erzählt die Inhaberin, Astrid Bär.

Doch die Beamten suchten weder nach Drogen, noch ermittelten sie wegen krimineller Machenschaften. Nein, sie suchten einen Kater. Und das sogar mit einem entsprechenden Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Chemnitz für die Räume des Pflegedienstes. Offenbar hatte die Eigentümerin des Tiers, die laut Astrid Bär zwei Häuser weiter wohnt, Anzeige wegen Unterschlagung des Katers erstattet.


"Der Kater ist aber ein Freigänger, und er kommt oft und gern mal zu uns rein. Streift durchs Büro und geht wieder raus", erzählt die Inhaber des Pflegedienstes. Warum er nicht gern nach Hause geht, sondern lieber im Hinterhof in einem alten Pappkarton nächtigt, wisse sie auch nicht. Schließlich laufe er frei rum, und von Katzen wisse man ja, dass sie sehr eigenwillig sein können.

Auf Nachfrage bei der Polizeidirektion in Chemnitz bestätigt die Behörde den Einsatz: "Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens, hinsichtlich einer angezeigten Unterschlagung eines Katers, wurden Räumlichkeiten an der Straße Am Pöhlwasser durchsucht."

Schon beim Eintreffen der Beamten stromerte der Vierbeiner über Straße und Hof. Fangen ließ er sich auch nicht von den Beamten - und ging stiften. "Der Kater wurde nicht beschlagnahmt", heißt es weiter im Polizeibericht.

"Schon vorige Woche hatte mich die Polizei kontaktiert und gebeten, das Tier in eine Katzenbox zu stecken und zu seiner Besitzerin zu bringen. Aber das werde ich nicht tun. Ich sperr den nicht ein. Der ist ein Freigänger, und wer weiß, weshalb er gern bei uns ist?", sagt Astrid Bär. Als es nach dem Gespräch hieß, wenn sie die Katze nicht bei der Eigentümerin abliefert, werde man das Tier holen, hatte sie innerlich abgewinkt und nahm an, man wollte bluffen. Dass dem nicht so war, konnte sie gestern live erleben. "Ich bin wirklich sprachlos. Als die Polizei vor wenigen Tagen nach der 13-jährigen Tochter meiner Kollegin suchen sollte, hieß es, sie hätten kein Personal", sagt Bär.

Bewertung des Artikels: Ø 3.8 Sterne bei 4 Bewertungen
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    2
    Interessierte
    27.02.2019

    "Der Kater wurde nicht beschlagnahmt" ….
    Die Kater haben uns Menschen eben etwas voraus ... :-)

  • 8
    0
    Hankman
    26.02.2019

    Was für eine Geschichte! Sowas kann man sich nicht ausdenken. Es verwundert mich doch sehr, welchen Aufwand Justiz und Polizei wegen einer Katze getrieben haben. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass Katzen "fremdgehen", wenn sie sich anderswo wohler fühlen. Vielleicht wird der Kater bei seiner Besitzerin nicht gut behandelt, oder es gibt dort eine andere Katze/ein Kind/ein Familienmitglied, das er nicht leiden kann, sodass er sich lieber woanders aufhält. Manchmal suchen sich Katzen (vor allem Kater) selbst einen neuen Besitzer, den sie "adoptieren". Sind halt Individualisten. Eine Unterschlagung des Tieres liegt also anscheinend nicht vor. Demnach wäre zu prüfen, ob die Besitzerin des Katers sich einer falschen Verdächtigung schuldig gemacht hat. Auch das ist eine Straftat.

  • 16
    1
    Ilonka
    26.02.2019

    Ich Frage mich wer solch einen Einsatz bezahlt.Überall hört man Polizei und Gerichte sind überlastet und dann solche sinnlosen Einsätze.Und dann ohne den Schuldigen zu erwischen. Glück gehabt Katerchen. Daumen hoch für die Pflegeleiterin.



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