Ein Mann fürs Schlichten

Horst Dippel ist seit 25 Jahren Friedensrichter und inzwischen für knapp 50.000 Leute zuständig. Kurioses bleibt da nicht aus.

Aue.

Streit schlichten, nach einer Lösung suchen und damit den Rechtsfrieden wieder herstellen. Das ist im Groben die Aufgabe eines Friedensrichters. Horst Dippel stellt sich dieser Herausforderung im Ehrenamt seit 25 Jahren. Die ersten Jahre umfasste sein Gebiet lediglich Aue. Seit 2000 hat sich der Radius deutlich erweitert auf Lauter-Bernsbach, Sosa und Eibenstock, Stützengrün und Schönheide. Und seit 2019 gehören auch Bockau und Zschorlau dazu. "Damit bin ich für knapp 50.000 Einwohner zuständig", sagt der 71-Jährige, der aktuell lediglich die Unterstützung von einer Protokollführerin hat, da die Außenstelle in Bad Schlema krankheitsbedingt nicht besetzt ist.

Zu tun gibt es eine ganze Menge. "Als ich nur für Aue zuständig war, hat es sich in Grenzen gehalten. Jetzt komme ich auf 40 bis 60 Fälle im Jahr. Meistens sind es strafrechtliche Sachen." In den 25 Jahren hatte Dippel einige ziemlich kuriose Fälle. An eine Sache in den 1990er-Jahren erinnert er sich besonders genau: Es habe sich um einen Lokaltermin mit zwei Auer Familien gehandelt, der in Zwönitz stattfand, weil die Familie dort ein Grundstück besaß. "Da zauberte die Schwiegermutter aus dem Ärmel einen abgesägten Besenstiel und verprügelte ihren Schwiegersohn. Die Frau durfte in polizeilichem Gewahrsam übernachten", berichtet Dippel. "Und eines Tages kam ein junger Mann zu mir, der gebissen worden war. Als ich ihn fragte, was es für ein Tier war, sagte er, es sei seine Nachbarin gewesen. Sie hatte ihm im Treppenhaus die Schulter blutig gebissen", erinnert sich der Friedensrichter, der rund 90 Prozent seiner Verfahren mit einem Vergleich beenden konnte.

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