Ein Messen der Kräfte im Land, wo Milch und Honig fließen

Alle zwei Jahren stellen die besten Melker im Freistaat Sachsen ihr Können unter Beweis. Denn an die guten Tropfen des weißen Lebensmittels zu gelangen, ist gar nicht einfach.

Langenberg.

Ellen Müller streift die blauen Schutzhandschuhe über, tätschelt liebevoll das Bein der Kuh, damit sie im Melkkarussell richtig postiert ist. Dann melkt sie von Hand eine Probe, sieht sich die Milch an, reinigt das Euter und setzt dem Tier die Melkarmatur auf. Das Ganze dauert nur wenige Augenblicke, die Hände der jungen Frau fliegen. Nebenbei beobachtet sie aus dem Augenwinkel heraus, wie bereits die nächste schwarz-weiß-gefleckte Milchkuh sich in der Runde postiert. Und das Karussell, es dreht sich.

In gut 12 Minuten (so lange dauert eine Runde) kann sie der Kuh das Melkgeschirr wieder abnehmen. Dann sind bis zu 20 Liter Milch über ein ausgeklügeltes Rohrleitungssystem in den großen Edelstahlbehälter im Nachbarraum gelaufen. 24 Kühe passen aufs Karussell. Ist der Melkvorgang beendet, wird das Euter des Tiers noch desinfiziert und mit Pflegemittel versehen. Dann darf es zurück in den Stall. Die 520 Milchkühe, die im Stall der Erzgebirgischen Landfarm in Langenberg stehen, werden zweimal pro Tag gemolken. Das bedeutet Akkordarbeit.

Milch kommt eben nicht aus dem Tetrapack, sondern ist ein hochwertiges Nahrungsmittel, das Kühe geben. "Das Erzgebirge hat mit mehr als 150 Betrieben, in denen Milch produziert wird, die höchste Milchmengendichte in Sachsen", ordnet Werner Bergelt, Geschäftsführer der Regionalbauernverbände Erzgebirge und Aue/Stollberg/ Schwarzenberg, die Wertigkeit ein. Um die Milch den Tieren in qualitativ hochwertiger Art abzunehmen, bedarf es gut geschulter Fachkräfte. Die wiederum stellen sich selbst aller zwei Jahre einem Wettstreit, um ihre Besten zu ermitteln. Die erste Station des Erzgebirgischen Leistungsmelkens 2017 fand in dieser Woche in Langenberg statt.

Insgesamt 48 Teilnehmer, darunter 24 Facharbeiter, wie Ellen Müller, und 24 Auszubildende aus 25 landwirtschaftlichen Unternehmen, stellen sich dieser beruflichen Meisterschaft. Bis zum 7. September werden die Teilnehmer in unterschiedlichen Ausrichterbetrieben dazu antreten. 14 ehrenamtliche Juroren schauen ihnen in dieser Zeit genau auf die Finger. In Langenberg begann der Tag für 19 Teilnehmer zunächst mit Theorie. So mussten etliche Fachfragen beantwortet werden - sowohl schriftlich als auch mündlich. Darin ging es um Qualitätskriterien wie die Zucht der Tiere, Reproduktion, Reinigung, Desinfektion oder Fütterung. Doch der Hauptbestandteil des Wettstreits ist das Melken. "Von Hand wird heute nicht mehr gemolken. Wobei es jeder bringen muss", erklärt Bergelt. "Konditionell würden das wohl auch die wenigsten packen", sagt Bergelt, betont aber zugleich, dass auch das Anlegen der Melkarmatur schwere körperliche Arbeit ist, immerhin wiegt sie 15 Kilogramm. Da müssen sowohl die jungen Frauen als auch die Männer kräftig zupacken können.

Doch nicht nur das. Denn es geht beim Wettstreit nicht vorrangig um Rekordzeiten, vielmehr um höchste Qualität. "Deshalb werden fürs Melken auch die meisten Punkte vergeben", sagt Bergelt. 100 von den maximal erreichbaren 160. Auch der Zelltest wird bewertet. Dabei handelt es sich um eine Auswertung der Milchzellen, die Auskunft über den Gesundheitszustand der Kuh gibt.

Bis Anfang September werden alle Teilnehmer in verschiedenen Betrieben geprüft. Weitere Stationen für die ehrenamtlichen Prüfer sind die Milchviehanlage Dittersdorf, die Agrargenossenschaft Lößnitz-Stollberg und die Agrar-Genossenschaft "Bobritzschtal" in Bobritzsch-Hilbersdorf. Wer am Ende als bester Melker im Erzgebirge 2017 ausgezeichnet werden kann, wird am 13. September bekannt gegeben,

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