Ein Techniker, der viele Spuren hinterlässt

Familie, Freunde und Wegbegleiter trauern um Dieter Flemming. Was er beruflich und für seinen Heimatort geleistet hat, verdient Hochachtung. Nicht nur in Rittersgrün bleibt er unvergessen.

Rittersgrün.

Ein Leben im Dienste der Technik - so hat Dieter Flemming einen Rückblick anlässlich seines 65. Geburtstages überschrieben. Dass er erst 80-jährig in den wahrlich wohl verdienten Ruhestand gehen würde, ahnte Dieter Flemming damals nicht. Vor wenigen Tagen ist er im Alter von 83 Jahren gestorben. Familie, Freunde und Wegbegleiter trauern um den Rittersgrüner, der im Ortsteil Globenstein zu Hause war, durch sein Wirken jedoch weit darüber hinaus Spuren hinterlässt.

Hunderte, ja eher Tausende, kennen Dieter Flemming aus seiner Zeit im Formenbau Schwarzenberg, wo er ab 1954 zum Werkzeugmacher ausgebildet sowie zum Facharbeiter für Lehrenbohrwerke und Kopierfräsmaschinen wurde. Nach einem ohne Stipendium gemeisterten Studium, das er als Diplomingenieur, spezialisiert auf Umformtechnik, mit Note 1 abschloss, war der junge Familienvater ab 1962 Fertigungstechnologe, ab 1963 Haupttechnologe im Formenbau. Einige Monate später wurde Flemming mit 28 Jahren Direktor für Technik - der jüngste im Industriezweig Automobilbau der DDR. Ab 1990 Direktor für Investitionen, dann Leiter für Technische Planung, schied der Rittersgrüner 1992 aus dieser Firma aus.


Zu seinen Mitstreitern in jener langen Zeit im Formenbau - heute Werkzeugbau von Porsche - gehörte Bernd Hentschel, der die rechnergestützte Fertigung aufbaute und die Rechentechnik leitete. "Dieter Flemming hatte in den 25 Jahren als Technischer Direktor wesentlichen Anteil an Aufbau und Entwicklung des Betriebes. Das betrifft vor allem Investitionen und Erweiterungen, aber auch das Heranholen von Aufträgen aus dem In- und Ausland", so Hentschel. "Ohne sein Wirken, das auch der Embargo-Politik in den 1980er-Jahren trotzte, hätte der Formenbau nicht die technische Basis bekommen, die 1993 die Übernahme durch Kuka möglich machte."

Im Laufe seines Berufslebens im Formenbau in Schwarzenberg verwirklichte Flemming Investitionen im Umfang von etwa 300 Millionen Mark in Bauten, Technik, Anlagen. Allein das verdient Hochachtung. Dazu kam, das er nicht nur nebenbei sein Fachwissen weitergab und wissenschaftlich untermauerte. Belege dafür sind zwei Wirtschaftspatente, 25 Vorträge auf nationalen und internationalen Fachtagungen, 14 Beiträge in Fachzeitschriften und zwölf wissenschaftliche Arbeiten. Mehrere Jahre hielt er an der TH Karl-Marx-Stadt Vorlesungen auf den Gebieten Umformtechnik und Großwerkzeugbau. Seit er 1979 auf dem Gebiet Computereinsatz bei Projektierung und Kalkulation von Umformwerkzeugen promoviert hatte, trug er den Doktortitel. Mindestens ebenso wichtig war ihm, 1991/92 mit Mitstreitern die Lehrausbildung des Formenbaus zu retten - in einer überbetrieblichen Einrichtung.

Von Ruhestand war bei Dieter Flemming auch im Rentenalter keine Rede. Sein Heimatort lag ihm am Herzen. Hatte er sich schon in DDR-Zeit für die neue Bushaltestelle in Oberglobenstein und in der Antennengemeinschaft engagiert, setzte sich das später in einer Bürgerinitiative gegen Gesteinsabbau fort. Ortsvorsteher Thomas Welter: "Was Dieter Flemming im Schützenverein, bei den Museumsbahnhofs- und Schützenfesten und bei anderen Anlässen, so zur 750-Jahr-Feier, für unseren Ort geleistet hat, bleibt unvergessen." Wichtig sei zudem, dass er im Verein loslassen konnte, der nächsten Generation frühzeitig Verantwortung übertrug. "Beispielgebend für andere Vereine", so Welter.

Loslassen - das ging für Dieter Flemming im ehemals väterlichen Betrieb in Globenstein, der von jeher Holz verarbeitet hat, nicht. In diesem Punkt sind Familien-, Firmen- und Ortsgeschichte eng verknüpft. Die Flemmings meisterten Zäsuren wie die Enteignung 1972, die 18 Jahre volkseigener Betrieb, die Reprivatisierung 1990, den Insolvenzantrag 2006 und die Neugründung 2007. Als 72-Jähriger wurde Dieter dann Geschäftsführer der Globensteiner Holzwerkstätten - bis Ende 2015.

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