Einmalige Pyramide aus Aluminium zurück im Erzgebirge

Viele Jahre war die Pyramide von Jörg Lenk im Ausland ausgestellt. Jetzt dreht sich das teure Stück wieder in der Heimat in Schönheide.

Schönheide.

Das Problem kennt jeder: Die Weihnachtspyramide bleibt stehen, und die Hitze der Kerzen schmort die Flügel an. Dafür muss es doch eine Lösung geben, dachte Jörg Lenk aus Schönheide. Für ihn lag sie darin, einfach ein anderes Material als Holz zum Einsatz zu bringen: Aluminium sollte es sein. Was wiederum naheliegend für den Schönheider ist, denn die Familie hat eine Modellbaufirma. "Damit boten sich mir Möglichkeiten, die andere nicht haben", sagt Jörg Lenk. Damit meint er die notwendige Technik: Computerprogramme, um das entsprechende Design zu entwerfen und Fräsmaschinen, mit denen das Aluminium bearbeitet werden kann.

Der erste Versuch ging schief, der Schönheider war um die Erfahrung reicher, dass man ein spezielles Material braucht, um beim Eloxieren die gewünschte Farbe - Gold - zu erzielen. Das Eloxieren ist eine Technik zur Oberflächenbehandlung von Aluminium. Das erste gelungene Flügelrad kam noch auf eine Pyramide aus Holz. Als weiterer Schritt folgte die Fertigung einer kleinen Pyramide, 28 Zentimeter hoch, mit einem 26 Zentimeter im Durchmesser messenden Flügelrad und einem Gewicht von 1,5 Kilogramm. Drei Stück hat Lenk davon gefertigt, zwei verschenkt, eine steht bei ihm zu Hause. "Bei der kleinen Pyramide habe ich noch darauf geachtet, nur wenig Material zu verbrauchen, aus Kostengründen", erklärt Lenk. Ganz anders sieht das bei der 65 Zentimeter hohen Pyramide aus, die er ebenfalls aus Aluminium fertigte, aber nur einmal. Das einzigartige Stück wiegt 6,5 Kilogramm, der Aluminium-Rohling, aus dem sie entstand wog 200 Kilogramm. "Der Rest sind alles Späne", so Lenk.

Den Bauplan dafür entwickelte er ebenfalls am Computer. Mit dem Programm wurden die Fräsbahnen an der Maschine festgelegt. Stolz ist der Schönheider auf die Kuppel mit den ausgefrästen Sternen, die das Himmelszelt über der Szene von Christi Geburt darstellt. "Das ist der Vorteil des Materials, mit Holz würde das nicht gehen." Vergleichen kann man die Herangehensweise in etwa mit einem Holzstamm. Aus einer Aluminium-Stange mit einem Durchmesser von 480 Millimeter hat der Modellbauer sechs Scheiben geschnitten. Deren Dicke variierte zwischen 85 und 230 Millimeter. Aus diesen hat er die gewünschten Formen für seine Pyramide gefräst.

Die Figuren hat sich Jörg Lenk von Steffi Schwarzenberger aus Hammerbrücke schnitzen lassen. Es sind Maria, Josef und das Jesuskind in der Wiege, ein Kamel mit Treiber auf dem unteren Teller sowie vier Engel auf dem oberen. Die Heiligen Drei Könige sind außen an der Pyramide angebracht. "Eigentlich sollten sie auch auf den unteren Teller, aber da war kein Platz mehr, und ich musste diesen Kompromiss finden", erklärt der Schönheider.

Gebaut hat er die große Pyramide schon vor Jahren. Allerdings kehrte sie erst kürzlich nach Schönheide zurück. Viele Jahre wurde sie zur Weihnachtszeit in einem Museum in Südtirol gezeigt, in einem Ort, wo Lenk und seine Frau oft ihren Urlaub verbrachten. Der Schönheider stellte ein Video zu seiner besonderen Pyramide auf Youtube. 1000 Aufrufe konnte er dazu registrieren. "Gestaunt habe ich, dass so viele Amerikaner Interesse daran hatten."

Einer, der eine solche Pyramide kaufen wollte, war nicht darunter. "Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass jemand das Geld ausgeben würde. 3000 Euro kostet allein das Material", sagt Lenk. Bislang blieb seine Pyramide aus Aluminium also ein Unikat. Möglicherweise ändert sich das, sollte er einen ernsthaften Auftrag von einem potenziellen Käufer bekommen. "Es steckt unheimlich viel Aufwand darin", sagt er. Über ein Jahr lang habe er jedes dritte oder vierte Wochenende komplett geopfert, um an der Pyramide zu arbeiten. Locker 400 Arbeitsstunden kamen zusammen, nicht gezählt sind jene Stunden, in denen er sich gedanklich mit dem Projekt beschäftigte. Sein Meisterstück erfreut die Familie in der Weihnachtszeit. Sie passt perfekt auf den Raumteiler in der Wohnstube und verbreitet dort ihren festlichen Glanz.

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